Werner Engelhardt (BergAUF): Schwäbischer Sozialist fordert mehr Bildung und mehr Umweltschutz

Bürgermeisterwahl Bergkamen

Er nennt sich selbst „Sozialist“ und will sich für mehr Bildung, ein Freibad und den Umweltschutz einsetzen. Und Werner Engelhardt verrät, warum er mit 69 noch als Bürgermeisterkandidat für BergAUF antritt.

Bergkamen

, 05.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Werner Engelhardt, Bürgermeisterkandidat von BergAUF, lebt seit 34 Jahren in Bergkamen und bezeichnet sich selbst als Sozialist. Zum Gespräch lud er in den BergAUF-Treff an der Jahnstraße ein. Bei ihm zuhause, wo das Gespräch erst stattfinden sollte, waren die Enkel zu Besuch – zu viel Unruhe, befand der vierfache Großvater.

Werner Engelhardt, Bürgermeisterkandidat von BergAUF, lebt seit 34 Jahren in Bergkamen und bezeichnet sich selbst als Sozialist. Zum Gespräch lud er in den BergAUF-Treff an der Jahnstraße ein. Bei ihm zuhause, wo das Gespräch erst stattfinden sollte, waren die Enkel zu Besuch – zu viel Unruhe, befand der vierfache Großvater. © Stefan Milk

Um seine politische Ausrichtung zu beschreiben, benötigt Werner Engelhardt nur einen kurzen Satz: „Ich bin Sozialist“, sagt der Bürgermeisterkandidat des „Personenwahlbündnisses BergAUF“.

Er hält den „Kapitalismus“ für unfähig, den notwendigen gesellschaftlichen Wandel zu mehr Umwelt- und Klimaschutz voranzubringen, erklärt er. „Das ist ein System, das auf ständigem Wachstum beruht. Aber wohin sollen wird denn wachsen?“

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Bürgermeisterkandidat Werner Engelhardt im Interview

Bevor der 69-Jährige Wurzeln in Bergkamen geschlagen hat, ist er viel herumgekommen und hat vieles gemacht: Er ist geboren in Franken, aufgewachsen in der Nähe von Stuttgart, hat Politologie und Germanistik in Tübingen studiert und war dann Lehrer in Baden-Württemberg.

Als er eine Stelle nicht antreten wollte, sei er bei der Schulbehörde in Ungnade gefallen, berichtet er. Danach musste er seinen Lebensunterhalt in der Fabrik verdienen und machte eine Umschulung zum Industriemechaniker, einen CNC-Lehrgang und die Prüfung zum Ausbilder.

Die Bildung von Kindern und Jugendlichen liegt Werner Engelhardt besonders am Herzen.

Die Bildung von Kindern und Jugendlichen liegt Werner Engelhardt besonders am Herzen. © Stefan Milk

Die „bbg“ brachte ihn vor 34 Jahren nach Bergkamen

Die brachte ihn 1986 nach Bergkamen, als er Ausbilder bei der Bergkamener Berufsbildungsgesellschaft (bbg) wurde, die einige Zeit später mit einem großen Skandal endete. Engelhardt gründete ein kleines wissenschaftliches Institut in Essen mit, dessen Geschäftsführer er war. Nach zwölf Jahren wurde er wieder Ausbilder und dann doch noch einmal Lehrer – erst bei der Werkstatt Unna und dann beim Berufskolleg in Werne.

Aus dieser Zeit hat der zweifache Vater und vierfache Großvater eines der Anliegen mitgenommen, die ihm besonders am Herzen liegen: „Wir müssen mehr tun, damit die Kinder eine bessere Bildung bekommen“, sagt er. Das fängt für ihn schon im Kindergarten an und dabei wünscht er sich mehr städtische Verantwortung.

Er fordert mehr als nur drei städtische Kindergärten. Die Stadt dürfe nicht warten, bis sich Investoren für einen Kindergarten finden. „Wir müssen vor allem mehr für die U-3-Betreuung tun“, sagt er.

Wenn es um das Thema PCB im Grubenwasser geht, packt Werner Engelhardt die Leidenschaft.

Wenn es um das Thema PCB im Grubenwasser geht, packt Werner Engelhardt die Leidenschaft. © Stefan Milk

Angst, dass die jungen Leute die Stadt verlassen

Engelhardt fürchtet auch, dass noch mehr junge Leute aus der Stadt abwandern,. Bergkamen biete zu wenig für junge Leute, findet der 69-Jährige. „Es gibt kein Kino, keine Disco und zu wenig Jugendtreffs“, sagt er.

Beim Thema Freibad will er es gar nicht so weit kommen lassen. Engelhardt will sich vehement dafür einsetzen, dass das neue Bergkamener Bad auch einen Freibadbereich bekommt.

Weitere Themen, die er als Bürgermeister anpacken würde, wäre die PCB-Belastung im Grubenwasser. „Ich wünsche mir, dass die Bevölkerung bei diesem Thema Druck macht“, sagt er. Es dürfe nicht sein, dass die RAG das Ultragift über das Grubenwasser in die Lippe einleite.

Den Umweltschutz sieht er ohnehin als ein wichtiges Thema an. Städte und Gemeinden seien dafür da, Daseinsvorsorge für ihre Bürger zu betreiben. „Für mich gehört eine intakte Umwelt dazu“, meint er.

Kandidatur, um der AfD die Stirn zu bieten

Als Bürgermeister würde er sich dafür einsetzen, die Abhängigkeit der Kommunen von der Gewerbesteuer zu beenden. Vor allem die Großkonzerne würden ihre Einnahmen international so verrechnen, dass bei den Städten und Gemeinden immer weniger Geld ankomme.

Dafür, dass er mit 69 Jahren noch einmal für das Amt des Bürgermeisters antritt, gibt es nach seinen Angaben einen einfachen Grund. Er hatte damit gerechnet, dass die AfD auch in Bergkamen bei den Kommunalwahlen antritt. „Und denen wollte ich unbedingt die Stirn bieten.“

Dieses Porträt ist Teil einer Serie zur Kommunalwahl 2020, in der wir alle vier Bürgermeisterkandidaten in Bergkamen ausführlich vorstellen
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