Jochen Beier bietet Pilz-Exkursionen an. Er erklärt Anfängern, worauf sie beim Sammeln achten sollen - und vor welchem Pilz sie sich in Acht nehmen müssen.

22.10.2019, 16:44 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Kahle Krempling ist ein Pilz, der einst gerne verspeist wurde – bis auf einmal Leute daran starben. Der Pilzexperte Jochen Beier warnt die Teilnehmer seiner Exkursionen vor dieser Pilzsorte. Er bietet gemeinsam mit der Ökologiestation in Bergkamen jedes Jahr Pilz-Exkursionen an.

„Es gibt aber auch Sammler, die den Pilz trotzdem noch essen“, sagt Beier. Dabei entstehe im Menschen eine Art Pool mit den Giftstoffen. Es könne lange nichts passieren und dann wirkten die Giftstoffe des Pilzes eines Tages doch. „Die roten Blutkörperchen lösen sich dann auf“, weiß Beier. Roh sei der Pilz noch viel gefährlicher.

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Pilzexperte Jochen Beier warnt vor Giftpilz

Beier ist bei der Pilzsuche sehr vorsichtig. Bei seinen Exkursionen dürfen die Teilnehmer nur die Pilze zum Verzehr mitnehmen, bei denen der Experte sich selber ganz sicher ist. Beier weiß, wie leicht sich manche Sorten verwechseln lassen. Er ist immerhin schon seit den 70ern auf Pilzsuche.

Der Dortmunder ist als Kind mit seinem Vater losgezogen und bekam mit etwa acht Jahren sein erstes Pilzbuch geschenkt. „Die Reihenfolge kenne ich jetzt noch. Ich habe alle Pilzsorten auswendig gelernt“, sagt Beier. Das Pilzbuch besitzt er heute noch – und auch das eigene Heft, das er daraufhin selbst mit Beschreibungen und Zeichnungen gefüllt hat, gehört noch heute zu seinem Equipment.

Pilze sammeln in Bergkamen: Experte warnt vor diesem Giftpilz (mit Video)

Jochen Beier geht mit einem kleinen Taschenmesser auf Pilzsuche. Man könne sie aber auch aus der Erde ziehen, sagt der Experte. © Borys P. Sarad

Pilzexperte hat Tipps für Anfänger

Pilzanfängern rät er, mit wenigen Sorten anzufangen und sich nach und nach zu steigern. Erst wenn man einige Pilze sicher kennt, kann man sich an neue Sorten herantasten. Beier malt die Pilze außerdem gerne auf. „Dadurch prägen sie sich besser ein.“

Auch rät er Anfängern, an einer Pilz-Exursion teilzunehmen. Gemeinsam geht Beier mit seinen Gruppen durch den Wald auf Pilzsuche und stellt dabei die Sorten vor. Die optimale Zeit zum Pilze sammeln sei etwa zwischen September und Oktober. „Es gibt aber auch spezielle Arten, die im Winter oder im Frühling wachsen – wie zum Beispiel Morcheln.“

Besonders schmackhaft und festfleischig sind laut Beier junge Pilze. Ältere seien eher schwammig und können wässrig schmecken oder sogar toxisch werden. „Wenn sie komisch riechen, dann sollte man sie auf keinen Fall essen“, so der Experte.

Pilze sammeln in Bergkamen: Experte warnt vor diesem Giftpilz (mit Video)

Das ist der eigentliche Pilz. Das weiße Geflecht nennt sich Mycel. © Borys Sarad

Pilze sammeln in Bergkamen: Experte warnt vor der Halde

Finden kann man die Pilze eigentlich überall – auch in Bergkamen. An der Ökostation hat Baier schon unterschiedliche und teils essbare Pilze gesichtet. Teilnehmer seiner Exkursionen haben ihn zudem auf die Halde aufmerksam gemacht.

Pilz-Exkursionen


Mit Jochen Beier Pilze sammeln

Dort gebe es schöne Wälder und viele Pilze. Baier mahnt jedoch zur Vorsicht. Der Boden der Halde sei belastet und die Pilze könnten es auch sein. „Das muss jeder für sich selbst entscheiden.“

Manche Pilzsammler meiden auch Städte, obwohl man dort ebenfalls Speisepilze finden kann. Es gebe sogar Pilze, die so stark ist, dass sie ganze Pflastersteine hochdrücken können. „Das habe ich schon mal gesehen“, sagt Beier. Doch auch hier hält er sich mit einer Meinung zurück. Es gebe Sammler, die wegen der Autoabgase und des unreinen Bodens nicht in der Stadt auf Pilzsuche gehen.

Ein Pilzparadies, das von Bergkamen aus gut erreichbar und unbedenklich sein soll, sei das Sauerland. Dort gebe es sowohl Laub- als auch Nadelwälder und somit einen Reichtum an unterschiedlichen Pilzsorten.

Pilze sammeln in Bergkamen: Experte warnt vor diesem Giftpilz (mit Video)

Essbare Pilze landen schnell in Jochen Beiers Korb. © Borys Sarad

Eigentlich sammelt man gar nicht die Pilze, sondern die Früchte

Auch Beier sammelt dort gerne. Der Dortmunder, der sich sein Pilz-Wissen selber angeeignet hat, spricht freilich nicht nur gerne über sie. Seine Ausbeute bereitet er zu Hause in der Küche auch zu – dabei präferiert er einfaches Anbraten oder Pilz-Sahnesaußen.

Gut verdaulich sind Pilze laut Beier übrigens generell nicht. „Am schlechtesten lässt sich der Pfifferling verdauen“, erklärt er.

Und noch einen Fakt gibt er seinen Zuhörern mit: Das, was aus der Erde hinausschaut, ist gar nicht der Pilz, sondern das Geflecht unter der Erde. Oben schaut nur der Fruchtkörper heraus. „Sie dienen der Verbreitung“, weiß Beier und zeigt auf die Hutunterseite. Dort zwischen den Lamellen bilden sich Sporen, die in der Luft verteilt werden. Ungefähr so wie bei Bäumen.

Pilze sammeln in Bergkamen: Experte warnt vor diesem Giftpilz (mit Video)

Es gibt auch Pilze, die an Baumstämmen wachsen. Die, die Beier an der Ökologiestation entdeckt, sind allerdings keine Speisepilze. © Borys Sarad

Wer nur kurze Zeit mit Beier an der freien Natur unterwegs ist, merkt schnell, dass er sich zu Recht Pilzfachmann nennt kann. Doch auch ein Experte ist stets vorsichtig und sich der Gefahr mancher Pilze bewusst. Ist Beier sich nicht ganz sicher, lässt er die Pilze an Ort und Stelle stehen. Und das gibt er auch seinen Schülern weiter.

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