Inmitten unberührter Natur Picknicken. Das ist schon was Feines und vor allem in Coronazeiten verlockend. Doch nicht überall darf man Decke und Campingstuhl auspacken. Wie sieht das in Bergkamen aus?

Bergkamen

, 31.07.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Menschen haben in der Coronakrise die Natur für sich entdeckt. Das ist auch dem Regionalverband Ruhr nicht entgangen. Und er freut sich auch darüber, dass die Menschen mehr raus gehen und die schönen Gebiete im Ruhrgebiet erkunden. Allerdings nur, solange sie die Regeln einhalten, was leider nicht selbstverständlich ist.

„Während der tägliche Gassigänger meist weiß, wie er sich im Wald zu verhalten hat, gibt es viele Leute, die Spaziergänge vorher nicht regelmäßig in ihrem Alltagsablauf hatten. Und davon wissen manche nicht, wie man sich richtig verhält“, sagt Dirk Janzen, Fachbereichsleiter Naturschutz beim RVR Grün. Der Eigenbetrieb bewirtschaftet unter anderem Waldgebiete und Naturschutzgebiete oder auch Seen im Ruhrgebiet.

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Und so weiß Janzen auch ganz genau, was man dort darf – und was auf keinen Fall. Die Regeln für Spaziergänger sind dabei ganz einfach: Auf den Wegen bleiben, Hunde an die Leine, keinen Krach machen. Das ist vor allem in der Brutzeit wichtig.

In Naturschutzgebieten darf man nicht picknicken – bundesweit

Wer etwas mehr geplant hat als einen Spaziergang und vielleicht ein Picknick machen möchte, eventuell grillen oder gar ein Zelt aufschlagen will, der hat in Naturschutzgebieten nichts zu suchen, wie Janzen deutlich macht. „Das kann man nicht mit einer Kuhwiese vergleichen.“

Warum man etwa im Vorzeige-Naturschutzgebiet, wie Janzen das Gebiet am Beversee nennt, nicht Picknicken darf, erklärt der Naturschutzexperte mit der Empfindlichkeit der Flächen – weshalb es ja auch Naturschutzgebiete sind. Es hätten sich dort hochempfindliche Wiesen entwickelt, auf denen Arten leben, die auf der roten Liste stehen. „Die sind sehr trittempfindlich, es ist genau festgelegt, wann gemäht werden darf und auch, wann wir drauf können“.

Grillen sei ebenfalls nicht erlaubt und Zelten auch nicht. „Die Auflagen für Naturschutzgebiete sind zum Glück sehr hoch“, findet Janzen. Und das gilt nicht nur für das Ruhrgebiet. „Grundsätzlich ist das in Naturschutzgebieten deutschlandweit komplett verboten.“

Auf den Flächen des RVR ist es untersagt, zu picknicken. Auf der Halde Großes Holz darf man sich also nicht niederlassen.

Auf den Flächen des RVR ist es untersagt, zu picknicken. Auf der Halde Großes Holz darf man sich also nicht niederlassen. © Stefan Milk

Und damit will Janzen den frischgebackenen Rucksacktouristen nicht den Spaß verderben. Er betont, dass der RVR es generell begrüßt, wenn Menschen durch die Schutzgebiete gehen und ihre Eigenart und Schönheit genießen. „Aber die wollen wir auch für zukünftige Generationen erhalten“, sagt er. Und deshalb müssen bestimmte Regeln eingehalten werden. Eine Pause lässt sich zum Beispiel auf der Plattform einplanen, die extra dafür angelegt worden sei, damit man die Natur genießen kann, ihr aber nicht zusetzt. Aber: Zelten und Picknicken ist auch dort nicht erlaubt.

Am Datteln-Hamm-Kanal darf man entspannt seine Picknick-Decke ausbreiten und ein paar Käsespieße knabbern. Das ist zumindest nicht offiziell verboten.

Am Datteln-Hamm-Kanal darf man entspannt seine Picknick-Decke ausbreiten und ein paar Käsespieße knabbern. Das ist zumindest nicht offiziell verboten. © Marcel Drawe

Es gibt trotzdem viele Stellen für ein Picknick in Bergkamen

Aber wo ist denn das Picknicken in Bergkamen nun erlaubt? Die Lippeaue und der Mühlenbruch fallen raus, denn auch sie sind Naturschutzgebiete und sollen es auch bleiben. Und die Halde? Fehlanzeige. Wie Janzen erklärt, ist in allen Gebieten, die dem RVR gehören, das Picknicken, Zelten und Grillen untersagt.

Aber keine Sorge, in Bergkamen gibt es noch Parks und Flächen, auf denen man Picknicken darf. Laut dem Ordnungsamt ist es nämlich erlaubt, auf öffentlichen Wegen und Plätzen zu picknicken. Und dazu zählen die zahlreichen Parks, die die Stadt zu bieten hat:

  • Wasserpark
  • Stadtpark
  • Kurt-Schumacher-Platz
  • Mergelkuhle
  • Landwehrpark
  • Wieckenbus

Der Wasserpark ist eine öffentliche Fläche und Picknicken ist dort somit erlaubt. Grillen allerdings nicht.

Der Wasserpark ist eine öffentliche Fläche und Picknicken ist dort somit erlaubt. Grillen allerdings nicht. © Stefan Milk

Doch Obacht. Während Picknicken dort erlaubt ist, ist das Grillen verboten.

Und für jene, denen das Grillen im Park zu wenig Abenteuer bietet, hat Janzen, selbst Naturliebhaber und begeisterter Camper, einen ganz einfachen Vorschlag. „Ich zelte auch gerne und wenn ein Bauer in der Nähe ist, fragen wir, ob wir auf der Fläche zelten dürfen.“ Gleiches gilt auch für Picknicks, denn grundsätzlich entscheidet der Eigentümer der Fläche, was man dort darf und was nicht.

Und dann gibt es in Bergkamen ja noch den Kanal. An dem ist es zumindest nicht ausdrücklich verboten ist, zu picknicken – das schreibt zumindest das Bundesamt für Justiz über Wasserstraßen. Doch auch dort muss man den Grill zu Hause lassen.

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Wer also Lust auf ein gemütliches Picknick mit Freunden oder Familie hat und sich Snacks einpackt, die nicht angebraten werden müssen, hat in Bergkamen an diesen warmen Tagen reichlich Möglichkeiten. Und wer schon am packen ist: Mülltüte nicht vergessen. Darüber freut sich Mensch und Natur auch außerhalb der geschützten Gebiete.

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