Pfarrer Ruhbach schöpfte neue Kraft für die Friedenskirche

dzKontaktstudium

Pfarrer Bernd Ruhbach ist aus seinem Heidelberger „Kontaktstudium“ nach Bergkamen zurückgekehrt. Mit neuen Denkansätzen und frischer Kraft, was den Sinn dieser „Auszeit“ mehr als bestätigt.

von Werner Wiggermann

Bergkamen

, 20.09.2019, 14:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schule, Studium, Beruf: Nicht nur für Theologen ist das der klassische Weg in ein meist langes Arbeitsleben. Und was, wenn die spannenden Fragen sich erst in der beruflichen Praxis ergeben - die Fragen, die Studien-Inhalten den rechten Tiefgang eröffnen würden? Bernd Ruhbach, Pfarrer in der Bergkamener Friedenskirchengemeinde, hat die Chance genutzt, noch einmal zur theoretischen Grundlegung zurückzukehren. Besser gerüstet für viele praktische Fragen ist er zurückgekehrt - und ist dankbar dafür, dass ihm die Auszeit in Heidelberg ermöglicht wurde.

Umgang mit Hassgefühlen

„Wie gehen wir zum Beispiel mit Hassgefühlen um, die in der Bibel geschildert wurden?“ - so lautete eines der Themen, mit denen er sich in seinem „Kontaktstudium“ wieder einmal wissenschaftlich beschäftigen konnte.

Drei Monate lang, von Mitte April bis Ende Juli, lebte und diskutierte Ruhbach mit 15 anderen Pfarrerinnen und Pfarrern - aber auch mit vielen jungen angehenden Theologen. Untersuchte in einem Seminar über Psalm-Exegese (-Deutung) und Traumaforschung zum Beispiel einen Vers wie diesen: „Der Gerechte wird sich freuen und wird seine Füße baden im Blut der Gottlosen.“ „Das wird oft ausgeblendet, dass es solche Verse auch in der Bibel durchaus gibt“, erklärt Ruhbach.

Und als erfahrener Pfarrer konnte er schildern, dass in den Gemeinden Menschen auf vielfältige Weise extreme Situationen erlebt haben, aus denen solche Gefühle erwachsen können. Menschen, die aus Kriegsgebieten kommen, die in Flüchtlingslagern extreme Situationen erlebt haben - oder die die Nachricht einer Vergewaltigung im näheren Lebensumfeld verarbeiten müssen oder mussten.

„Wo ist Gott in solchen Situationen?“

Erlebnisse, die in die Grundfrage münden, ob und wie Vergebung überhaupt stattfinden kann. „Wo ist Gott in solchen Situationen?“ Das fragten und fragen sich Christen immer wieder. Mit geschärftem theologischen Rüstzeug kann man sich Antworten nähern, so umschreibt Pfarrer Ruhbach einen Anspruch des Kontaktstudiums.

Ein Ergebnis findet sich zum Beispiel im gerade verteilten neuen Gemeindebrief. Bernd Ruhbach hat diesmal die Andacht verfasst. Zentrales Thema: Hass zu äußern, kann helfen - soll aber münden in das Bewusstsein, dass Gott auf der Seite der Opfer steht und Gerechtigkeit schafft, wie wir es als Menschen oft nicht können.

Horizont-Erweiterung

Natürlich ist das nicht das einzige Ergebnis, das Ruhbach zu einer eindeutigen Empfehlung des Konzepts „Kontaktstudium“ führt. „Einfach toll“ sei es allein schon gewesen, mit 30 jungen Studierenden Kontakt haben zu können. Studierenden aus anderen Fachrichtungen und anderen Ländern. Horizont-Erweiterung oder auch innere Globalisierung könne man das nennen. Frische Kraft und neue Zugänge zu Bergkamener Fragen werden das nachhaltige Ergebnis der Zeit in Heidelberg sein.

Inspiration aus der Weite des Denkens

Hierzu trägt unter anderem auch bei, sich auf wissenschaftlicher Basis und aus verschiedenen Erfahrungsperspektiven mit dem „weltweiten Islam“ beschäftigt zu haben. Dabei ging es zum Beispiel auch um die Ängste vor dem Islam. Und um die Notwendigkeit, sich vor Ort klarzumachen, dass man lokal jeweils nur einem sehr kleinen Teil dieser Weltreligion begegne.

Auch ein Grund für Ruhbachs absolut positives Fazit: Wieder einmal eintauchen zu können in die Weite des Denkens, das ermögliche Inspiration. Allein das sei Grund genug für diese „Auszeit“.

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