PCB im Grubenwasser: Pilotprojekt der RAG auf Haus Aden war ein Misserfolg

dzBericht im Umweltausschuss

Das auf Haus Aden geförderte Grubenwasser soll ab 2023 wieder in die Lippe geleitet werden. Und Grubenwasser enthält giftiges PCB. In Bergkamen schaut man der RAG daher genau auf die Finger.

Bergkamen

, 22.09.2020, 12:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein wichtiges Thema, mit dem sich der Umweltausschuss der Stadt Bergkamen am Montag befassen musste: PCB im Grubenwasser. Und endlich bekam man nach langem Ringen Antworten aus erster Hand. Vertreter des Bergbau-Unternehmens RAG und der Bezirksregierung Arnsberg als Genehmigungsbehörde waren zu Gast.

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Zufriedenstellend waren die Antworten jedoch nicht, die die Ausschussmitglieder erhielten. Als Christoph Schabronath vom Zentralbereich Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz (AGU) der RAG als Projektleiter von den Ergebnissen eines Pilotprojektes auf Haus Aden und der Zeche in Ibbenbüren berichtet hatte, zeigten kritische Nachfragen, dass man der RAG in Bergkamen genau auf die Finger schaut.

Pilotprojekt brachte nicht den gewünschten Erfolg

Bei dem Pilotprojekt hatte das giftige PCB aus dem Grubenwasser herausgefiltert werden sollen. Schabronath erläuterte, was schon ein Bericht des NRW-Umweltministeriums für den Unterausschuss Bergbausicherheit des Landtags an Informationen ans Licht gebracht hatte: Der Versuch war eigentlich ein Misserfolg. Zwar konnten Partikel, an denen PCB anhaftete, zu 90 bis 95 Prozent aus dem Grubenwasser herausgefiltert werden, doch ein großer Teil des PCBs haftet gar nicht an Partikeln. Die Filterung des Grubenwassers ergab daher nur eine Minimierung der PCB-Belastung um 30 Prozent.

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Weiterverfolgung des Problems über Doktorarbeit an der TH Bochum

Das Problem, so erklärte Schabronath, ist die Messbarkeit von PCB im Wasser. „Das ist ein sehr schwieriges Verfahren. Wir sprechen hier von Nanogramm pro Liter.“ Das seien neun Nullen hinter dem Komma. „Wir haben daher keine Antworten auf unsere Fragen bekommen“, bedauerte der Fachmann und erklärte: „Wir befinden uns hier in einem Forschungs- und Entwicklungsbereich.“ Da sähe sich die RAG alleine überfordert, weshalb man die Entwicklung eines adäquaten Messverfahrens an eine Promotion an der TH Georg Agricola in Bochum geknüpft habe. Im Rahmen einer Doktorarbeit soll das Problem weiter verfolgt und Lösungswege gefunden werden.

Ab 2023 will die RAG wieder Grubenwasser in die Lippe einleiten.

Ab 2023 will die RAG wieder Grubenwasser in die Lippe einleiten. © Archiv

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Nach aktuellem Stand ist nur klar, dass das Pilotprojekt bislang nicht zielführend war. „Das ist ein Ergebnis, mit dem wir nicht gerechnet haben“, musste Schabronath eingestehen. Doch auch wenn man die Sorge um Umwelt und Landschaft teile, rechtlich zulässige Grenzwerte würden aktuell ohnehin nicht überschritten.

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Kritische Nachfragen aus den Reihen der Politik

Eine Aussage, die den Widerspruch von BergAUF geradezu provozierte. Ein Einbringen von PCB in die Umwelt, betonte Fraktionsvorsitzende Claudia Schewior, sei „absolut verboten. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum die Bezirksregierung das unterstützt.“ Auch Thomas Grziwotz von den Grünen hielt die Ergebnisse für „unbefriedigend“. „Es geht doch darum, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem PCB reduziert wird, und nicht, die Messtechnik zu verbessern.“ Kay Schulte von der SPD gab zu bedenken, dass auch das Verfahren der Entsorgung geklärt werden müsse. „Herausgefiltert heißt ja nicht, dass das PCB dann weg ist. Es ist nur an anderem Ort.“

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