„Overberge in Extase“

dzGrand Jam mit Tommy Schneller

Beim Grand Jam zeigt der Saxofonist Tommy Schneller mit seiner Band sein vielseitiges Talent als Musiker und Entertainer – und reißt das Publikum mit.

Bergkamen

, 11.10.2018, 11:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alle, die glaubten, Tommy Schneller durch seine Auftritte mit der Bluesnight Band schon lange zu kennen wurden beim jüngsten Grand Jam eines besseren belehrt. Der Saxofonist präsentierte sich in der „Taverne Thorheim“, dem ehemaligen Haus Schmülling musikalisch vielseitig, technisch exzellent, als Sänger mit einer wunderbar wandelbaren Stimme und als humorvoller Entertainer.

Nicht nur Blues


Erstaunlich für manchen Zuhörer: Der Musiker, der in der niedersächsischen Provinz geboren wurde, kann nicht nur Blues. Zusammen mit Gary Winter an der Trompete und Dieter Kuhlmann Trombone schaffte er es immer wieder Big-Band-Sound in seine Stücke einzubauen, von dem es ihm mühelos gelang zum Chicago-Blues zu wechseln, wie bei „Cream of the Crop“, dem letzten Stück vor der Pause. Besonders im ersten Teil des Konzerts präsentierte sich die Band oft funky oder ließ an Prog Rock erinnernde Bestandteile einfließen. Als Zugabe gab es bei „The Sun is Shining Again“ noch ein wenig 70er-Jahre-Soul.

Schneller selbst brillierte zwar an seinem Instrument, dem Saxofon, ließ den anderen Mitgliedern aber immer wieder Raum, um ihr Können zu zeigen. Schlagzeuger Admann riss bei dem Henrik-Freischlader-Stück „Smiling for a Reason“ beispielsweise mit einem treiben Bass-Solo das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Schneller selbst ließ die Zuhörer sein Instrument fast hautnah erleben. Bei „Blues for the Lady“ ging er mit Saxofon ins Publikum und trat in eine Art Dialog, vor allem mit dem weiblichen Teil der Zuhörer – indem er die eine oder andere Dame regelrecht musikalisch anschmachtete.

Schneller zeigte auch, dass das Saxofon keineswegs das einzige Instrument ist, das er perfekt beherrscht. Faszinieren vor allem, wie vielseitig er seine Stimme einsetzen kann. Bei Stücken mit viel Funk wie dem „Cleaning Lady Blues“ erinnerte Schneller an Johnny Guitar Watson. Bei anderen Stücken zeigte er eine Lässigkeit beim Gesang, dass seine Stimme an Frank Zappa erinnerte, wenn der Meister sich entschlossen hatte, melodische oder sogar leicht Blues-orientierte Stücke zu spielen.

Eigene Stücke


Beim einzigen Stück mit deutschen Text, „Laut hör ich dich denken“, zeigte Schneller, das Blues auch durchaus auf Deutsch funktionieren kann. So gut wie alle Stücke, die Schneller und seine musikalischen Mitstreiter spielten stammen von seinen eigenen Alben – viele von der jüngsten CD „Backbeat“, mit deren Titelstück er den zweiten Teil des Konzerts nach der Pause eröffnete – oder wie Schneller es ein wenig ironisch im kleineren Kreis vor dem Konzert formulierte: „Ein bunter Strauß beliebter Melodien aus 20 Jahren.“

Zu all dem musikalischen Können, das auch Schnellers weitere Mitstreiter Fabian Koke (Schlagzeug), Steffen Schöps (Gitarre) und Kiril Vorwald (Keybords) ihren Beitrag leisteten, kam Tommy Schnellers Talent als Entertainer. Immer wieder baute er kleine, lustige Anekdoten mit einer Prise Selbstironie in seine Ansagen ein – etwa wen er schilderte, dass er den „Cleaning Lady Blues“ für seine ehemalige Putzfrau geschrieben hat in die er erst verliebt hat und die ihn schließlich mit der ungeputzten Wohnung sitzen ließ.

Kein Wunder, dass die knapp mehr als 100 Zuhörer begeistert mitgingen, sodass Schneller schließlich beim Blick in den Saal ein wenig ironisch feststellte: „Overberge in Extase“.

Auf jeden Fall gehörte der Abend zu den besten Konzerten in der Grand-Jam-Reihe – oder um einem der begeisterten Zuhörer das letzte Wort zu geben: „Ich könnte das im Detail gar nicht beschreiben – aber mir hat es einfach gut gefallen.“

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