Selten knattern die Automotoren so laut auf Bergkamener Straßen wie bei der Oldtimer-Ausfahrt. Ulrich Buschmann findet: Diese Autos gehören nicht ins Museum, sondern auf die Fahrbahn.

von Alexandra Prokofev

Bergkamen

, 29.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Leichte Falten zieren die Seiten, bei der Fahrt vibriert die Karosserie und die beige Oberfläche glänzt in der Sonne. „Die alten Fahrzeuge haben alle noch ein Gesicht, das erkennt man aus weiter Entfernung noch“, sagt Klaus-Dieter Rogalski von den Motorsportfreunden Overberge.

Wie verschieden diese Gesichter sein können, zeigte sich Samstag, als schwarze Mercedes und weiße Alfas am Stadtmarkt vorfuhren. Fahrzeuge mit einem Mindestalter von 30 Jahren durften bei der „2. Overberger ADAC Classic Ausfahrt“ antreten. Was sie repräsentieren, ist laut den anwesenden Classic-Car-Fans ein Lebensgefühl, das neue Autos nicht mehr geben können. „Bei den heutigen Autos unterscheiden sich nur noch die Scheibenwischer“, findet der Vorsitzende der Motorsportfreunde Ulrich Buschmann.

Motorsportfreunde begrüßen Fahrer von 18 Oldtimern

Anders ist es bei den 18 geparkten Oldtimern, die in Farbe, Form und Bauart verschieden sind. Stellvertretender Bürgermeister Kay Schulte schwingt als Startsignal für die Ausfahrt eine Deutschlandfahne vor einem schwarzen Mini, das Gestell eckig und hoch, die Seiten des Autos sind offen, sodass man hineinblicken kann. „Das wurde damals fürs Militär gebaut, inzwischen ist es aber ein reines Spaßauto“, sagt Buschmann.

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Mit dem Oldtimer auf Tour in Bergkamen

Glänzende Karossen in der Sommersonne: Die Motorsportfreunde Overberge haben am Samstag (29. Juni 2019) eine Oldtimer-Rallye veranstaltet. Auf dem Stadtmarkt in Bergkamen waren die Classic Cars zu bestaunen.
29.06.2019
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Fahrer-Briefing durch Ulrich Buschmann (auf dem Hocker) bei Classic-Ausfahrt desr Motorsportfreunde Overberge.© Marcel Drawe
Der Stadtmarkt in Bergkamen ist Ausgangspunkt der Tour.© Marcel Drawe
Classic-Ausfahrt der MSF Overberge: Auf der Rückseite des Stadtmarkts liegt die erste Station mit Beginn der Zeitmessung.© Marcel Drawe
Einer der ungewöhnlichsten Teilnehmer war dieser Austin Mini Moke.© Marcel Drawe
Zuschauer konnten auch dieses Cabrio bewundern.© Marcel Drawe
Eines der ältesten Fahrzeuge des Tages, ein Alfa Romeo.© Marcel Drawe
Die Fahrer der Classic-Ausfahrt machen sich mit den Unterlagen vertraut.© Marcel Drawe
Autos aus unterschiedlichen Ländern und Jahrzehnten waren auf dem Stadtmarkt zu bestaunen.© Marcel Drawe

In einem schwarzen Mercedes aus dem Jahr 1988 sitzen die Teilnehmer Raphael Ratajczak und Max Mathies. Den Youngtimer unter den Oldtimern stellten ihnen ihre Nachbarn zur Verfügung. Für Ratajczak ist es nicht die erste Teilnahme an einer Ausfahrt, jede Strecke ist für ihn eine Herausforderung. „Oldtimer haben weniger Technik und ich finde, sie sind zuverlässiger“, berichtet der Teilnehmer durch das aufgekurbelte Fenster. Sie haben weder eine Klimaanlage noch eine Servolenkung oder Pieps-Mechanismen.

Im Leben schon 14 Oldtimer gehabt

Trotzdem scheinbar geringerem Komfort die Menschen hinter dem Steuer der Oldtimer laut Buschmann die zufriedensten Autofahrer. Der Vorsitzende selbst hatte in seinem Leben bereits 14 Oldtimer. „Wenn ich morgens mit meinem grünen Wagen zur Arbeit gefahren bin, dann kam ich immer mit einem Lächeln an“, sagt er.

Auch Teilnehmer Thomas und seine Begleitung, die anonym bleiben wollen, sitzen mit breitem Lächeln in ihrem Wagen am Startpunkt zur Fahrstrecke – in einem weißen MGB-Cabrio unter strahlender Sonne. „Den Wagen hat mein Vater damals aus Kalifornien geholt, der ist aus dem Jahr 1976“, berichtet der Kamener.

Auf Schnelligkeit kommt es nicht an

Bei der zu fahrenden Strecke geht es nicht um die Schnelligkeit. Die Teilnehmer müssen einen vorgegebenen Weg durch die Stadt abfahren und bekommen am Ende eine Sonderstrecke zugeteilt. Zum Beispiel werden Buchstaben auf der Strecke verteilt und die Fahrer müssen sich Straßenseite und Reihenfolge der Buchstaben merken. Auch labyrinthartige Strecken können zur Prüfung gehören.

Ursprünglich waren mehr Autos angemeldet. „Bei Einem ist der Wagen plötzlich kaputt gegangen, das kann leider immer passieren bei den alten Fahrzeugen“, sagt Buschmann, „bei diesen Autos sieht man aber zumindest noch, wie sie funktionieren und man kann sie selbst reparieren.“ Auch Rogalski ist sich sicher: „Jeder Oldtimer-Fahrer kennt seinen Wagen in und auswendig.“

Vereinsmitglied Sylke bewundert die Fahrzeuge vor der Abfahrt. Auch für sie unterscheidet sich die Fahrt in einem Oldtimer von der in herkömmlichen Autos. „Mit dem Fahrgefühl einher geht auch die Erinnerung an alte, womöglich schönere Zeiten“, sagt sie, „und die kann man beim Fahren ein wenig kennenlernen.“

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