Nie „Ja“ sagen und am besten einfach auflegen

dzBetrügerische Anrufe

Eine Frau bekommt einen Anruf von einem Mann, der Geld fordert für einen Vertrag, den sie angeblich abgeschlossen hat. Die Verbraucherzentrale gibt Tipps, wie damit umzugehen ist.

Bergkamen

, 25.10.2018, 13:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als das Telefon vor einigen Tagen schellte, nahm die Oberadenerin ganz arglos ab. Ihr Telefon zeigt die Nummer des Anrufers nicht an und deshalb konnte sie auch nicht sehen, dass es sich um eine fremde Telefonnummer handelt. Das Gespräch, dass sie dann führen musste, machte ihr Angst und beschäftigt sie immer noch. Der Anrufer war ein Mann, der sich als Mitarbeiter eines „Überprüfungsunternehmens“ oder etwas ähnlichem vorstellte. „So schnell habe ich das gar nicht verstanden“, sagte die Angerufene. Und dann stellte der Anrufer auch sofort Forderungen. Die Oberadenerin sollte für zwölf Monate je 89 Euro zahlen, anderenfalls werde er ein Inkassobüro einschalten. Wofür sie eigentlich zahlen sollte, bekam sie auch auf Nachfrage nicht heraus. Einzige Antwort: „Sie lesen wohl das Kleingedruckte in ihren Verträgen nicht.“ Darauf konnte sich die Frau überhaupt keinen Reim machen. Sie hat keinen Internet-Anschluss, bezahlt alles, was sie kauft in der Regel bar und sofort – und bestellt nur gelegentlich etwas bei zwei Versandhäusern aus dem Katalog.

Der Anrufer machte ihr schließlich ein Angebot: Wenn sie für drei Monate bezahle, würden die restlichen Forderungen erlassen. Als sie auch das nicht wollte, wurde der Anrufer grob und laut am Telefon. „Ich habe dann irgendwann einfach aufgelegt“, sagte die Oberadenerin. Angst, dass noch etwas nachkommt, hat sie trotzdem.

Nach Angaben von Elvira Roth, der Leiterin der Verbraucherzentrale in Kamen, ist der Anruf kein Einzelfall, sondern eine gängige Masche, um Menschen Geld aus der Tasche zu ziehen. Unter anderem behaupteten die Betrüger, dass die Angerufenen einen kostenlosen Spielevertrag unterschrieben hätten – der jetzt aber kostenpflichtig werde – angeblich nachzulesen im Kleingedruckten. Auch die Masche mit der Drei-Monats-Einmalzahlung sei durchaus üblich. Roth rät Verbrauchern, sich nicht verunsichern zu lassen. Solche Anrufe sind grundsätzlich gesetzwidrig. Anrufe von Firmen ohne Zustimmung des Angerufenen sind nicht zulässig. Der Haken dabei: Kommt ein Vertrag dabei zustande, gilt er möglicherweise trotzdem. Verbraucher haben aber grundsätzlich eine 14-tägige Rücktrittsmöglichkeit von telefonisch geschlossenen Verträgen – die allerdings erst beginnt, wenn die Verbraucher eine Widerrufsbelehrung bekommen haben.

Damit es gar nicht dazu kommt, sollten Verbraucher einige Regeln beherzigen, sagt die Verbraucherschützerin: Sie sollten sich an keinem Punkt des Gesprächs ein „Ja“ entlocken lassen, das von den Betrügern in einen anderen Zusammenhang geschnitten werden kann – beispielsweise als Zustimmung zu einem Vertrag. Dabei gehen die Anrufer geschickt vor. Üblich sind zum Beispiel scheinbar unverfängliche Fragen wie: „Sie heißen doch...?“ oder „Sie sind doch aus Bergkamen?“.

Verbraucher sollten sich auch dann nicht verunsichern lassen, wenn die Anrufer persönliche Daten kennen, wie Name, Adresse, Geburtsdatum oder sogar die Kontonummer. „Auch die kann man sich über dunkle Kanäle besorgen“, sagt Roth. Die Angerufenen sollten sich auch nicht in Diskussionen verwickeln lassen – denn die Anrufer sind oft rhetorisch gut geschult. Auch dass sie schließlich frech und unverschämt werden, ist offenbar durchaus üblich und soll Wirkung bei den Angerufenen erzielen. „Manchmal drohen sie sogar, vorbeizukommen“, sagt die Verbraucherschützerin. Ihr bester Rat bei solchen Anrufen: Nichts sagen und sofort auflegen.

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