Nichts tun macht alt: Margarete Hackmann geht in den (Un-) Ruhestand

dzGeschäftsführerin Tagesmütterverein

Mit 35 Jahren entschied Hackmann, Sozialpädagogik zu studieren. Bis heute leitet sie den Tagesmütterverein. Mit ihrem bisherigen Leben ist sie sehr zufrieden – und verrät ihr Geheimnis.

Bergkamen

, 26.07.2019 / Lesedauer: 3 min

„Wenn man nichts tut, wird man alt“, sagt Margarete Hackmann. Das größte Vorbild der Wahlbergkamenerin ist ihr 93-jähriger, noch sehr fitter Vater. Obwohl längst in Rente, hat Hackmanns Vater noch immer einen Schreibtisch in seinem ehemaligen Unternehmen stehen, liest viel Zeitung und diskutiert gerne über Politik. „Das zeigt mir: Man muss aktiv bleiben und sich bewegen“, sagt Hackmann, die nun selbst kurz vor ihrem Ruhestand steht. Am 29. August hat die 63-Jährige ihren letzten Arbeitstag. Und Hackmann hat sich entschieden, nicht in den Ruhestand zu gehen – sondern in den Unruhestand. „Das passt besser zu mir.“ Sie hat zwar schon einige Ideen für die Zeit nach dem 29. August, will sich aber erst einmal Zeit nehmen, um in sich zu hören.

Offen für Neues sein und auf Gott vertrauen

„Viele verwechseln Glauben mit Kirche – und die ist fehlbar“, so Hackmann. „Die Bibel ist eine Richtschnur für unser Leben. Aber viele wissen gar nicht, was in der Bibel steht.“
Margarete Hackmann, Tagesmütterverein

„Was ist dran für mich im Leben? Was hält Gott für mich bereit?“, sind Fragen, die sich Hackmann schon in den vergangenen Jahren immer wieder gestellt hat. Sie ist gläubig und hat sich immer darauf verlassen, dass es einen Plan für sie gibt. „Wenn ich zurückblicke, dann erkenne ich einen roten Faden. Aber das hätte ich so nie planen können“, sagt Hackmann. Sie sei immer offen für Neues gewesen. Wenn man sich ihren Lebenslauf anschaut, dann erkennt man schnell, das in vielen Phasen ihre Lebens auch eine Menge Mut dazugehört hat. So entschied sich Hackmann mit 35 Jahren, einen neuen Weg einzuschlagen und begann, Sozialpädagogik zu studieren. Mit 40 war sie fertig und gründete den Verein „Familiäre Kinder-Tagesbetreuung“ mit, dessen Geschäftsführerin sie heute (noch) ist. Wie der Zufall – oder ihr Schicksal – es wollte, half ihr die Tätigkeit, der sie vor ihrem Studium nachging, bei der Vereinsarbeit.

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Margarete Hackmann krempelt ihr Leben mit 35 Jahren um und fängt ein neues Studium an

Hackmann ist gelernte Steuerfachgehilfin und hat bis 1982 in dem Beruf gearbeitet. Nachdem ihre vier Kinder geboren waren, wollte sie wieder in ihren alten Beruf einsteigen, doch das war nicht so einfach, wie sie gehofft hatte. Nicht zu arbeiten war ungewohnt für sie. „Meine Großmutter hatte sieben Kinder und hat gearbeitet und meine Mutter mit vier Kindern auch“.

Hackmann krempelte ihr Leben kurzerhand um, studierte Sozialpädagogik und wurde dann gefragt, ob sie ehrenamtlich in dem noch entstehenden Tagesmütterverein arbeiten möchte. Seit 18 Jahren ist Hackmann dort fest angestellt und hat einiges ins Rollen gebracht: Hackmann hat das Frauennetzwerk mitgegründet, war von Anfang an beim Runden Tisch „Kinder im Zentrum“ dabei und hat einen Arbeitskreis der Bergkamener Kindertagespflegepersonen mitgegründet.

Nichts tun macht alt: Margarete Hackmann geht in den (Un-) Ruhestand

Margarete Hackmann ist von Anfang an beim Tagesmütterverein aktiv. Obwohl sie und ihre Kolleginnen schon viel erreicht haben, gebe es immer noch einen großen Bedarf an Tagesmüttern, sagt Hackmann. © Stefan Milk

Hackmann engagiert sich ehrenamtlich in der Kirche

Gestärkt hat Hackmann auf ihrem Weg stets ihr Glaube – und diese Stärke möchten sie und ihr Mann weitergeben.

„Wenn ich zurückblicke, dann erkenne ich einen roten Faden. Aber das hätte ich so nie planen können.“
MARGARETE HACKMANN, TAGESMÜTTERVEREIN

Ehrenamtlich organisieren sie christliche Fachvorträge, bieten einen Glaubenskreis und einen Hausbibelkurs bei sich im Wohnzimmer an. Auf die Frage hin, wie es um die Kirche in Zeiten wie diesen steht, sagt Hackmann: „Viele verwechseln Glauben mit Kirche – und die ist fehlbar“, so Hackmann. „Die Bibel ist eine Richtschnur für unser Leben. Aber viele wissen gar nicht, was in der Bibel steht.“ Hackmann weiß es und sie will es weitertragen. Es komme nicht darauf an, wie viele Menschen zu den Vorträgen, die sie organisiert, kommen, sondern auf deren Rückmeldung: „Einer hat gesagt, dass ihm das noch nie jemand so erklärt hat und sich sein Leben jetzt verändert hat. Das ist traumhaft.“ Obwohl Hackmann noch nicht weiß, was sie im (Un-)Ruhestand genau machen wird, ist eines gewiss: In der Kirche wird sie ehrenamtlich weiter aktiv bleiben.

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