Neues Bad: Schöne Pläne, aber Skepsis bei der Kommunalpolitik wegen der Kosten

dzGanzjahresbad

Die Pläne für das neue Ganzjahresbad sehen fast alles vor, was sich Vereine und Bürger gewünscht haben. Trotzdem reagieren Teile der Kommunalpolitik skeptisch – und das hat nichts mit dem Entwurf zu tun.

Bergkamen

, 16.06.2020, 21:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich hätten die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses zufrieden sein können mit den Plänen für das neue Bergkamener Ganzjahresbad. Das Architekturbüro Krieger aus Velbert stellte sie in der Sitzung an diesem Dienstag vor – und die Reaktion der Vereinsvertreter auf der Zuschauertribüne zeigte schon, dass sie wenig Wünsche offen lassen. Alle lobten die Ausstattung des Bades. Sie wünschten sich allenfalls noch einen zusätzlichen Vereinsraum und einen Kraftraum. Wünsche, die sich möglicherweise noch in den Detailplänen berücksichtigen lassen, wie Jochen Batz vom Büro Krieger versicherte.

Das Bad vom jetzigen Wellenbad-Parkplatz aus gesehen. Der Bereich mit den Becken soll gläsern und hell werden.

Das Bad vom jetzigen Wellenbad-Parkplatz aus gesehen. Der Bereich mit den Becken soll gläsern und hell werden. © Stefan Milk

Architekten schätzen Baukosten auf knapp 28 Millionen Euro

Er nannte auch erstmals genauere Kosten für das Bad. Sie unterschieden sich nicht allzu sehr von der ersten Kostenkalkulation der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW), die Bauherr und Betreiber des Bades werden sollen – mit Geld, das die Stadt zur Verfügung stellt. Die GSW hatten mit etwa 26,5 Millionen Euro kalkuliert. Die Architekten kommen mit einer verbesserten Ausstattung – beispielsweise für ein pflegeleichteres Edelstahl-Schwimmbecken – auf knapp 28 Millionen Euro.

Jochen Batz vom Architekturbüro Krieger (r.) stellte die Planung im Stadtentwicklungsauschuss vor.

Jochen Batz vom Architekturbüro Krieger (r.) stellte die Planung im Stadtentwicklungsausschuss vor. © Stefan Milk

Virtuelle Tour durch das geplante neue Bad

Batz hatte den Ausschuss und die Besucher zunächst virtuell auf eine Tour durch das geplante Bad mitgenommen, wie sie ein Badegast erleben würde. Was sie zu sehen bekamen, waren Klettertürme vor dem Eingang, in denen die Be- und Entlüftung verborgen ist, ein moderner Empfangsbereich, an den sich ein Sitzbereich mit Aussicht auf die Becken und die Grünflächen anschließt.

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Das Bad soll ein 25-Meter-Sportbecken mit sechs Bahnen bekommen und ein Sprungbecken, das sich auch für Reha-Sport eignet – zusätzlich zu einem Mehrzweckbecken mit wärmerem Wasser, das vor allem für den Reha-Sport vorgesehen ist. Es lässt sich im Sommer aber auch per Hubboden in ein Kinderplanschbecken verwandeln.

Der Grundriss des neuen Bades. Oben befinden sich die Umkleiden, Lager und Vereinsräume. Unten, in Richtung Süden sind die Becken geplant. Links sind die Sport- und Rehasport-Becken, in der Mitte die Rutsche und rechts der Erlebnis- und Kleinkinderbereich.

Der Grundriss des neuen Bades. Oben befinden sich die Umkleiden, Lager und Vereinsräume. Unten, in Richtung Süden, sind die Becken geplant. Links sind die Sport- und Rehasport-Becken, in der Mitte die Rutsche und rechts der Erlebnis- und Kleinkinderbereich. © Stefan Milk

Freizeitbereich mit Erlebnisbecken und Doppelrutsche

Daneben soll ein Freizeitbereich entstehen: mit einem Erlebnisbecken, das zum Beispiel Nackenduschen bietet, einer Textilsauna und einem Kinderbereich mit Planschbecken und Wasserspielen. Zusätzlich zur Wunschliste, die sie bekommen hatten, schlagen die Architekten eine Kletterwand und eine Doppelrutsche vor. Sie soll ein Alleinstellungsmerkmal für das Bad sein und zusätzlich Besucher anlocken.

Kritik am Konzept gab es nur von der Fraktion BergAUF, der ein Freibadbereich fehlt. Jochen Baudrexl, der Chef der GSW, wies jedoch darauf hin, dass sich die Stadtwerke zumindest für ein abgespecktes interkommunales Modell für Bergkamen und Kamen entschieden haben: Es soll in Kamen ein attraktives Freibad geben. Dafür soll das Kamener Hallenbad eher funktional sein und das Bergkamener Hallenbad mehr Erlebnischarakter haben. Die Standorte sollten sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen, sagte er.

Das Schaubild zeigt, wie sich das Bad in die Umgebung einfügen soll. Links oben ist der Parkplatz, rechts oben die Eishalle. Links vom Bad befindet sich der Sportplatz und südlich des Bades die Liegewiese mit Spielplatz.

Das Schaubild zeigt, wie sich das Bad in die Umgebung einfügen soll. Links oben ist der Parkplatz, rechts oben die Eishalle. Links vom Bad befindet sich der Sportplatz und südlich des Bades befindet sich die Liegewiese mit Spielplatz. © Stefan Milk

Grüne trauern gemeinsamer Lösung mit Kamen nach

Die gescheiterte Lösung mit einem großen, gemeinsamen Hallenbad für beide Kommunen wirkt aber offenbar noch nach. Die Grünen äußerten die Hoffnung, dass die Kamener Kommunalpolitik doch noch umdenkt und es zu einer gemeinsamen Lösung kommt. Thomas Heinzel wies darauf hin, dass sich nicht nur die GSW-Standorte Konkurrenz machen, sondern auch die umliegenden Bäder wie in Werne und Lünen.

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CDU, Grüne und FDP treibt vor allem die Angst vor unkalkulierbar hohen Betriebskosten um. Baudrexl versicherte jedoch, dass die GSW damit rechnen, dass die jährlichen Betriebskosten für alle ihre Bäder zusammen nach dem Neubau der Bäder in Bergkamen und Kamen um etwa 1,2 Millionen Euro sinken werden.

Entscheidung wohl erst im neuen Rat

Für die kommenden Monate ist eine intensive Diskussion um das neue Bad zu erwarten. Angesichts der Bedenken, die ausgeräumt werden müssen, ist es unwahrscheinlich, dass der Stadtrat noch vor der Kommunalwahl eine Entscheidung trifft. Entscheiden wird wohl der neue Rat, der sich erst im November konstituiert – mit einer möglichen neuen Zusammensetzung.

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