Planungsamtsleiter Thomas Reichling, Fabian Pollmann von der Tiefbaufirma, Landschaftsplaner Rolf Teschner und Ingrid Voigt (RVR. v.l.) schauten sich an, wo der neue Weg verlaufen soll. © Michael Dörlemann
Biotop auf der Halde

Neuer Weg soll Tiere auf der Halde vor Spaziergängern schützen

Viele Spaziergänger stören den künstlich geschaffenen Lebensraum für Kreuzkröten und Flussregenpfeifer auf der Halde, trotz der Schilder, die dort stehen. Jetzt will die Stadt sie um den Bereich herumleiten.

Als die Stadt Bergkamen den künstlichen Lebensraum für Kreuzkröten und Flussregenpfeifer auf der Halde Großes Holz einrichtete, dauerte es nicht lange, bis er auch in einer lokalen Facebook-Gruppe Beachtung fand.

Jemand postete ein Foto des insgesamt etwa 2500 Quadratmeter großen Habitats aus Geröll, Kies, Haufen von Totholz und Steinen und fragte sinngemäß, was die Stadt denn dort für einen seltsamen Müllabladeplatz eingerichtet habe.

Kein Wunder also, dass auch viele Spaziergänger die Schilder missachten, die darauf hinweisen, dass es sich um den Lebensraum für geschützte Tiere handelt. Wir erleben immer wieder, dass Leute ihre Hunde trotzdem dort von der Leine lassen – trotz der Hinweisschilder“, sagt Ingrid Voigt vom Regionalverband Ruhr (RVR), dem die Halde gehört.

Hinweisschilder machen Spaziergänger auf die geschützten Lebensräume aufmerksam und erinnern an die Leinenpflicht für Hunde. Viele halten sich trotzdem nicht daran. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Da alle Ge- und Verbote wenig nützen und auch niemand wirksam kontrollieren kann, ob sich alle an die Schilder halten, will die Stadt Bergkamen jetzt einen anderen Weg gehen. Sie ist für die Fläche verantwortlich, die sie als Ersatzlebensraum für die ehemalige Zeche Haus Aden geschaffen hat. Dort entsteht die Wasserstadt Aden und die Bauarbeiten haben viele geschützte Tiere verdrängt.

So schön sieht die Landschaft auf der Halde selbst im Winter aus. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Der Weg für Spaziergänger, der bei Regenschauern ohnehin mehr einer Schlammpiste gleicht, soll von den Lebensräumen weg verlegt werden. Statt des bisherigen Wanderweges soll ein Stück weiter südlich ein neuer etwa 300 Meter langer Weg entstehen, der am Ende über eine kurze Rampe auf den bisherigen Weg münden soll. Der alte Weg soll beseitigt werden. Die Stadt lässt die Fläche wahrscheinlich einsäen.

Der ohnehin sehr matschige Weg am Habitat entlang wird aufgegeben. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Bei dieser Gelegenheit will der RVR auch gleich die Wege in diesem Bereich der Halde ausbessern, Senken mit Pfützen und Schlammwüsten trockenlegen. Die Kosten schätzen Stadt und RVR auf insgesamt 105.000 Euro.

Die Kreuzkröten und die Flussregenpfeifer haben ihren neuen Lebensraum übrigens angenommen, wie der Bergkamener Planungsamtsleiter Thomas Reichling vor Ort mitteilte.

Diese Steinhaufen bieten den Flussregenpfeifern Lebensraum und Nistmöglichkeiten. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Er war an diesem Dienstag auf die Halde gekommen, um mit Voigt, Landschaftsarchitekt Rolf Teschner und Fabian Pollmann von dem beauftragten Tiefbauunternehmen den Verkauf des Weges festzulegen.

Die Kreuzkröten hatten wenig Chancen: Sie wurden auf der Zechenfläche eingesammelt und auf die Halde gebracht. Die Flussregenpfeifer fanden allein den Weg. Sie wurden schon mehrfach auf der Fläche gesichtet und brüten auch dort, versicherte Reichling.

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Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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