Für die Wohnungseigentümer aus den geräumten Häusern gibt es Hoffnung, aber keine Gewissheit. Sie erfahren mit Verzögerung, ob sie wohnungslos bleiben oder zurück können.

Bergkamen

, 03.09.2019, 17:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das bange Warten für die Wohnungseigentümer aus den geräumten Häusern an der Töddinghauser Straße geht mindestens für eine Nacht weiter. Am Dienstag schaute sich ein vereidigter Brandschutzsachverständiger, den die Stadt Bergkamen hinzugezogen hatte zwar die Häuser an. Dabei ging es vor allem um die Beurteilung, ob die mittlerweile von den Eigentümern getroffenen Brandschutzmaßnahmen ausreichend sind.

Stadt will Ergebnisse an diesem Mittwoch mitteilen

Ein Ergebnis wollte die Stadt Bergkamen an diesem Dienstag aber noch nicht mitteilen. Bürgermeister Roland Schäfer verwies darauf, dass nicht abzusehen sei, wie lange die Begehung dauerte und wie schnell das Ergebnis der Begehung überhaupt feststeht. „Möglicherweise haben wir auch noch einigen Klärungsbedarf, bevor wir ein Ergebnis bekannt geben können“, sagte er. Die Stadt hat für diesen Mittwoch mittags zu einer Pressekonferenz eingeladen, bei der sie Ergebnisse der neuen Begehung durch den Brandschutzgutachter bekannt geben kann.

Neuer Gutachter, aber noch kein Ergebnis zu den geräumten Häusern

Das Tor im Zaun um die geräumten Häuser stand für den Gutachter und interessierte Wohnungseigentümer offen. © Stefan Milk

Hausverwalter verweigert jeden Kommentar

Immerhin nahmen Vertreter der Stadt überhaupt öffentlich Stellung. Hausverwalter Jörg Berchem dagegen verweigerte jeden Kommentar – sogar zu der Frage, welche Erwartungen er an die Begehung der Häuser durch einen neutralen Gutachter er habe. Er hatte auch die Wohnungseigentümer, von denen einige zu dem Termin gekommen waren zum Schweigen vergattert. Schließlich verwies er Pressevertreter sogar des Geländes.

Bereits im Vorfeld hatten sich Wohnungseigentümer misstrauisch gegenüber den Behörden geäußert, die ganz offenbar keinen Kredit mehr ihnen haben. „Nach den Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben, erwarten wir nicht so viel“, sagte ein Eigentümer.

Neuer Gutachter, aber noch kein Ergebnis zu den geräumten Häusern

Für diejenigen, die in den geräumten Häusern gewohnt haben, gibt es feste Zeiten, in denen der Wachdienst sie aufs Gelände und in die Wohnungen lässt. Viele kommen auch, wenn sie nichts abholen, sondern nur einige Stunden im gewohnten Zuhause verbringen wollen. © Stefan Milk

Stadt hat ehemaligen Leiter der Feuerwehr Bochum angagiert

Dabei hat sich die Stadt offenbar bemüht, einen neutralen Fachmann zu finden. Sie hat Dr. Dirk Hagebölling engagiert, der in Coesfeld ein Architekturbüro betreibt, das sich auch speziell mit Brandschutz beschäftigt. Hagebölling war bis Mitte 2017 Leiter der Feuerwehr in Bochum und arbeitete danach noch in zentraler Funktion beim städtischen Krisenmanagement mit. Er war außerdem Projektleiter für den Neubau der Integrierten Leitstelle in Bochum.

In der Region erarbeitete er unter anderem das Brandschutzkonzept für das vor einigen Jahren neu gebaute Bettenhaus am Evangelischen Krankenhaus (EK) in Unna.

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Warten auf den Gutachter

Hausverwalter Berchem und die Wohnungseigentümer, die zu dem Termin gekommen waren, mussten allerdings erst einmal auf den neuen Gutachter warten. Der Darstellung, er sei bereits für 13.45 Uhr avisiert gewesen, als die Betroffenen schon vor dem Haus warteten, widersprach Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters allerdings. Die Stadt habe lediglich einen Zeitraum „von bis“ genannt, in dem der Gutachter eintreffen sollte.

Die Brandschutzgutachter, die von den Wohnungseigentümern engagiert worden sind, waren nicht vor Ort. Für sie sei der Termin zu kurzfristig gekommen, sagte ein Eigentümer.

Stadt will Chronologie der Ereignisse vorlegen

Ob das neue Gutachten die Hoffnung von Bürgermeister Roland Schäfer erfüllt, dass die Eigentümer wieder einziehen können, wird sich an diesem Mittwoch zeigen. Schäfer hofft, dass nicht noch umfangreiche Analysen notwendig sind, ob der Brandschutz wiederhergestellt ist. Er verwies darauf, dass bisher weder Nachweise über die bei den Brandschutzmaßnahmen verbauten Materialien noch über den Einsatz von Fachfirmen vorlägen.

Er sicherte zu, dass die Stadt bei dem Pressegespräch an diesem Mittwoch auch Forderungen von vier im Stadtrat vertretenen Parteien erfüllen und eine Chronologie der Ereignisse um die geräumten Häuser vorlegen will.

Brandschutz

Häuser schon seit über 110 Tagen geräumt

  • Die Häuser Töddinghauser Straße 135 und 137 mit insgesamt 60 Wohnungen und damals 85 Bewohnern sind seit dem 15. Mai geräumt – mittlerweile seit über 110 Tagen.
  • Die Stadt hatte damals eine Ordnungsverfügung zur Räumung der Häuser erlassen, weil die Behörden zu der Auffassung gekommen waren, dass für die Bewohner im Brandfall Lebensgefahr besteht.
  • Sie gingen davon aus, dass sich Rauchgas und Kohlenmonoxid (CO) schnell unkontrolliert ausbreiten können.
  • Mittlerweile haben die Wohnungseigentümer selbst diverse Brandschutzmaßnahmen durchgeführt. Ob sie ausreichen, um die Ordnungsverfügung wieder aufzuheben, soll der neue Gutachter klären.
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