Schnitzwerkzeuge, ein Holzhammer und eine nicht fertig gewordene Marionette, die den Besucher teuflisch-grinsend anstarrt: Irgendetwas stimmt im Yellowstone in Oberaden nicht.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Oberaden

, 02.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gideon McMack, der stadtbekannte Marionettenbauer, schien seine Marionettenwerkstatt im Oberadener Jugendclub „Yellowstone“ Hals über Kopf verlassen zu haben. Denn alles liegt noch wie gerade benutzt auf der alten Hobelbank verstreut: die Schnitzwerkzeuge, der Holzhammer und sogar eine nicht fertig gewordene Marionette, die den Besucher teuflisch-grinsend anstarrt. Irgendwas konnte hier nicht stimmen …

Das ist doch die passende Kulisse für einen unserer „Escape-Rooms“, meinten vor nunmehr einem Jahr rund zwanzig Jugendliche, als sie sich zusammen mit dem Bergkamener Streetworker-Team anschickten, Ideen für ihre drei „Escape-Rooms“ zu sammeln.

Wer hinaus will, muss Geschick beweisen

„Escape-Rooms“ liegen zurzeit besonders bei Jugendlichen im Trend. Gemäß den Spielregeln werden hier vier bis fünf Personen, natürlich ohne Handy, in einem Raum eingeschlossen, aus dem sie nur mit viel Geschick, Ideen und natürlich Teamwork wieder hinausgelangen bzw. flüchten können. Die Räume sind dabei immer einem Thema gewidmet und entsprechend ausstaffiert.

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Bereits im Juni konnten von den Bergkamener Streetworkern die ersten zwei Escape-Rooms im Spontan in Rünthe ihrer Bestimmung übergeben wurden. Der erste Escape-Room trägt dabei den Titel „Time-Travel-Tourism“ und lädt die Teilnehmer ein zu einer Reise mit einer besonderen Zeitmaschine.

Im Escape-Room „Raumflucht“ haben dagegen die Jugendlichen zum Teil ihre eigenen Fluchterlebnisse zum Thema gemacht, wo dann auch die Teilnehmer die dramatischen Schicksale hinter den Geschichten ergründen können.

„Die perfekte Marionette“: So furchteinflößend ist der neue Escape-Room in Oberaden

Celine Ari und Samir Hassan testen eine der Aufgaben. Oben in der Raumecke ist eine der Kameras zu sehen, über die die Teilnehmer beobachtet werden. © Marcel Drawe

Neuer Escape-Room eröffnet pünktlich zu Halloween

Richtig gruselig wird es aber nun im dritten Escape-Room, der jetzt mit dem Titel „Die perfekte Marionette“ passenderweise und pünktlich zur Nacht von Halloween im Jugendclub Yellowstone eröffnet wurde. In liebevoller Detailarbeit haben hier die Bergkamener Jugendlichen mit Unterstützung des Streetworker-Teams einen echt horrormäßigen Flucht-Raum erschaffen.

Doch sich allein schon in den Fluren des Jugendclubs zurechtzufinden, ist ein wenig abenteuerlich und man sollte sich nicht erschrecken, wenn man aus Versehen in die schaurig-leere Yellowstone-Disco gerät, die im Halbdunkel ebenfalls schon wie Halloween erscheint.

60 Minuten in einer anderen Welt

Hat man aber dann den richtigen Weg gefunden, wartet bereits am Ende des langen Flures einer der fünf Betreuer auf die mutigen Besucher.

Escape-Room in Oberden

Anmeldung im Netz

Gruppen von vier bis fünf Personen, die den Escape-Romme testen wollen, können sich jederzeit über das Buchungsformular auf der Internetseite www.streetwork-bergkamen.de/raumflucht-escaperooms/ anmelden.

In einem bizarren Video werden Teilnehmer dort noch einmal „gebrieft“. Sicherheitshalber sollte man demzufolge unbedingt noch einmal zur Toilette gehen, denn für sechzig Minuten verlässt man ja die vertraute Welt und begibt sich auf ein ziemlich ungewisses Abenteuer.

Fällt dann die schwere Tür des Escape-Rooms ins Schloss, läuft auch schon die Zeit. Der Raum wirkt sofort gruselig. An der Wand hängen offenbar die vergilbten Bilder vom Marionettenbauer und seiner Familie, auf einer Tafel an der Wand stehen eigenartige Sätze und Hieroglyphen. Von irgendwoher ertönen Stimmen wie aus einem Fiebertraum und an den Haken baumeln makaber die fertigen Marionetten.

Doch wo beginnt nun die Indizienkette, die zur Lösung führt, sollten sich die Teilnehmer endlich mal fragen. Denn eine schreckliche Stimme schreit plötzlich aus dem „Off“, dass bereits fünfzehn Minuten vorbei sind und man noch keinen Schritt weiter gekommen sei!

„Die perfekte Marionette“: So furchteinflößend ist der neue Escape-Room in Oberaden

Jan Friese überwacht den Verlauf des Spiels und gibt von außen Spielanweisungen. © Marcel Drawe

Nun heißt es also, endlich die richtigen Fragen zu stellen, die Rätsel zu lösen und die Geheim-Codes zu knacken. Denn nur so geht es Schritt für Schritt weiter. Dass der Raum noch ein ganz besonderes, aber rettendes Geheimnis birgt, wird den Teilnehmern meist aber erst kurz vor Schluss klar.

Zum Glück sind die Probanden nicht so ganz alleine, wie es zuerst erscheint, denn über eine versteckte Kamera werden sie die ganze Zeit genau beobachtet. Und für den Fall, dass doch mal Panik oder die gefürchtete Klaustrophobie ausbricht, klingelt sofort das rote Telefon an der Wand und gibt vielleicht auch noch einen hilfreichen Hinweis für die Auflösung des Rätsels.

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