Neue Stadtgrenze für Bergkamen, weil die Lippe verlegt wird

dzLippe-Renaturierung

Der Lippeverband plant, in die Lippe zwischen Bergkamen und Werne mehr Schleifen zu bauen. Das hat nicht nur zur Folge, dass die Stadtgrenze wohl neu gezogen werden muss. Auch die Wege am Fluss verändern sich.

Bergkamen

, 25.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lange Zeit war der Verlauf der Stadtgrenze zwischen Bergkamen und Werne schwierig. Mal lag ein Stück Werne südlich des Flusses und mal eine Fläche, die zu Bergkamen gehörte am Nordufer. Das hatte historische Gründe: Die Grenze zwischen beiden Städten, früher auch einmal die Grenze zwischen der Grafschaft Mark und dem Fürstbistum Münster, folgte dem alten Lauf der Lippe. Dann wurde sie begradigt, unter anderem um sie schiffbar zu machen – und auf beiden Seiten des Flusses wurden Flächen abgeschnitten.

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Vor Jahren wurde die Grenze begradigt. Die beiden Kommunen verzichteten jeweils auf ihre Flächen jenseits des Flusses. Seitdem verläuft die Stadtgrenze wieder genau in der Flussmitte. Gut möglich, dass sich Bergkamen und Werne bald wieder zusammensetzen und die Grenzfrage neu lösen müssen – zumindest, wenn der Lippeverband seine Pläne zur Renaturierung und dem damit verbundenen Umbau des Flusses umsetzt.

So sehen die Pläne des Lippeverbandes für den ersten Bauabschnitt der Lippe-Renaturierung aus. Rechts ist die neue Lippeschleife zu sehen, die weit in Richtung Forellenhof reichen soll. In der Mitte befindet sich der Bereich, der in Höhe von Rünthe-West und der ehemaligen Deponie nach Norden verschenkt werden soll und mehr Schleifen bekommt.

So sehen die Pläne des Lippeverbandes für den ersten Bauabschnitt der Lippe-Renaturierung aus. Rechts ist die neue Lippeschleife zu sehen, die weit in Richtung Forellenhof reichen soll. In der Mitte befindet sich der Bereich, der in Höhe von Rünthe-West und der ehemaligen Deponie nach Norden verschwenkt werden soll und mehr Schleifen bekommt. © Lippeverband

Die Lippe soll mehr Schleifen bekommen und wird länger

Mittlerweile sind die Pläne für den ersten Bauabschnitt im Rahmen des Programms „Lebendige Lippe“ fertig, der sich von der Umgehungsrinne für den Fischaufstieg bis zum Lippebogen erstreckt, der in Höhe der Ökologiestation weit nach Norden reicht. Die Pläne für den zweiten Bauabschnitt von dort mit Lünen sind noch nicht fertig. In dem jetzt geplanten Bereich soll die Lippe mehr Schleifen bekommen. Er ist bisher 3,5 Kilometer lang. Nach dem Umbau soll er etwa 4,7 Kilometer lang sein, 1,2 Kilometer mehr als bisher.

Der Bereich, in dem die neue Lippeschleife entstehen soll von der Abzweigung an der Fischerhofbrücke Richtung Friedhof Rünthe gesehen. Der Weg, der durch die Felder und Wiesen führt, wird abgeschnitten. Er soll neu angelegt werden.

Der Bereich, in dem die neue Lippeschleife entstehen soll, von der Abzweigung an der Fischerhofbrücke Richtung Friedhof Rünthe gesehen. Der Weg, der durch die Felder und Wiesen führt, wird abgeschnitten. Er soll neu angelegt werden. © Michael Dörlemann

Neue Schleife durchschneidet beliebten Spazierweg

Die einschneidenste Umbaumaßnahme ist im Bereich zwischen dem Parkplatz am Friedhof in Rünthe und der Fischerhofbrücke geplant. Dort will der Lippeverband eine große Schleife in Richtung Süden bauen, die den Weg zur Fischerhofbrücke abschneidet. Die Schleife soll sogar dem Forellenhof-Gelände relativ nahe kommen.

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Im Bereich von Rünthe-West, wo die Lippe jetzt relativ gerade verläuft, soll sie ein Stück in Richtung Werne rücken und deutlich mehr Schleifen bekommen. In diesem Bereich sind auch Bodenabtragungen geplant, damit neue Überflutungsflächen entstehen. Außerdem werden die Einmündungen der Nebenbäche verändert: Die Mündung des Beverbachs auf Rünther Seite wird neu gestaltet. Die Horne auf der Werner Seite bekommt sogar auf mehreren hundert Metern einen neuen Verlauf, bevor sie in die Lippe mündet.

Der erste Planungsabschnitt betrifft den kleineren Teil der Lippe bei Bergkamen. Der zweite soll an Heil entlang bis nach Lünen reichen.

Der erste Planungsabschnitt betrifft den kleineren Teil der Lippe bei Bergkamen. Der zweite soll an Heil entlang bis nach Lünen reichen. © Lippeverband

Umgestaltung ist gut für die Natur und gegen Hochwasser

Die Maßnahmen sollen nicht nur der Pflanzen- und Tierwelt am Fluss nutzen, sondern auch den Menschen. Durch die langsamere Fließgeschwindigkeit der Lippe und die neuen Überflutungsflächen ist die Gefahr von Hochwasser in den Wohnsiedlungen am Fluss nicht mehr so hoch.

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Der Lippeverband will die Pläne für den Bauabschnitt Ende dieses Jahres zur Genehmigung bei der Bezirksregierung Arnsberg einreichen.

Historische Trennlinie


Die Lippe war lange mehr als eine Stadtgrenze

  • Bis zum 1. Januar 1975 war die Lippe mehr als nur die Grenze zwischen zwei Städten, die zu einem gemeinsamen Landkreis gehören.
  • Vom Mittelalter bis Anfang des 19. Jahrhunderts war der Fluss in diesem Bereich zwischen der später mehrheitlich protestantischen Grafschaft Mark und dem katholischen Fürstbistum Münster, die sich immer wieder einmal befehdeten.
  • Überfälle auf die andere Seite des Flusses gab es häufiger.
  • Bis 1975 war die Lippe die Grenze zwischen dem Kreis Unna, Regierungsbezirk Arnsberg und dem Kreis Lüdinghausen, Regierungsbezirk Münster.
  • Zum 1. Januar 1975 wurde der Kreis Lüdinghausen aufgelöst und Werne, Selm und Altlünen kamen zum Kreis Unna.

Er geht davon aus, dass die Arbeiten in der zweiten Jahreshälfte 2023 beginnen und nach etwa zwei Jahren abgeschlossen sind.

Die Sprecherin Anne-Christin Lappe kündigte an, dass es für den abgeschnittenen Weg in Richtung Fischerhofbrücke einen Ersatz geben soll. Der Weg ist bei Spaziergängern und Radlern äußerst beliebt. Der Bergkamener Bürgermeister Roland Schäfer kündigte an, dass er das zum Anlass nehmen will, eine alte Forderung wieder auf den Tisch zu bringen: einen Radweg am Fluss entlang. „Wir möchten auch einen Radweg, wie es ihn auch anderen Flüssen schon gibt – zum Beispiel an der Weser“, sagte er.

Schäfer sieht für die Stadtgrenze zwischen Bergkamen und Werne dagegen wenig Probleme. Nach Lappes Angaben hat der Lippeverband diese Frage bei seinen Planungen nicht berücksichtigt. Schäfer spricht sich dafür aus, dass sich die beiden Städte nach dem Abschluss der Lippe-Renaturierung zusammensetzen und ihre Grenze neu festlegen. „Das dürfte unproblematisch sein, weil keine Siedlungsflächen betroffen sind“, sagte er. Danach dürfte die Grenze zwischen Bergkamen und Werne wieder dort sein, wo sie jetzt verläuft: genau in der Mitte der Lippe.

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