Die Künstler Maxim Wakultschik und Aljoscha schaffen dreidimensionale Kunst. Sie passen sie für eine Ausstellung an die Räume in der Galerie sohle 1 an und schauen sich schon einmal um.

Bergkamen

, 11.08.2019, 18:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn der Künstler Maxim Wakultschik durch Räume geht, in denen er demnächst ausstellen will, kann es sein, dass er auf dem Rundgang plötzlich verschwunden ist. „Er visualisiert wahrscheinlich noch etwas“, sagt die Kunsthistorikerin Nathalie Krall, die ihn begleitet mit einem entschuldigenden Lächeln.

Erste gemeinsame Ausstellung der Künstler

„Visualisieren“ bedeutet in diesem Fall, dass sich Wakultschik mit dem Raum und seinen Lichtverhältnisse vertraut macht und darüber nachdenkt, wie seine Kunst dort am besten zur Geltung kommt. An diesem Sonntag nahm der Künstler zusammen mit seinem Künstlerkollegen „Aljoscha“ die städtische Galerie sohle 1 in Augenschein. Die beiden Künstler kennen sich schon seit etwa 20 Jahren und schätzen sich vermutlich schon ähnlich lange. Die Ausstellung, die ab Sonntag, 8. September, in der städtischen Galerie sohle 1 eröffnet wird, ist ihre erste gemeinsame.

Neue Kunst in 3D für die älteste kommunale Galerie Deutschlands

Der Künstler Maxim Wakultschik zeigt eines seiner Werke, die in der Ausstellung „Polymorphismus“ zu sehen sein werden. Es besteht aus eingefärbten und mit mathematischer Präzision zusammengesetzten Zahnstochern. © Stefan Milk Stefan Milk

Beide Künstler arbeiten in 3D

Sie ist auch für das städtische Kulturreferat wenn schon keine Premiere dann doch äußerst ungewöhnlich. Obwohl die Werke der beiden Künstler sehr unterschiedlich sind, haben sie doch etwas gemeinsam: Beide arbeiten dreidimensional und beide wollen nicht oder nicht nur Kunstwerke ausstellen, die sie schon vorher geschaffen haben. Aljoscha, der farbige Skulpturen aus Acryl macht, will sie sogar speziell an die Räume der Galerie im Stadtmuseum anpassen. Er fertigt die Einzelteile in seinem Atelier an und setzt sie dann vor Ort zusammen, sagte er.

Wakultschik, der Porträts ausstellt, hat zwar schon einige Werke geschaffen, die er ausstellen will, denkt aber auch über Kunstwerke nach, die besonders in der Galerie zur Geltung kommen sollen.

Galerie will Besuchern zeitgenössische Kunst näher bringen

Die Ausstellung mit den Werken der beiden Künstler, die aus Osteuropa stammen und in Düsseldorf leben und arbeiten, gehört zu dem Teil des Ausstellungsprogramms, mit dem das Kulturreferat den Besuchern in der städtischen Galerie die zeitgenössische Kunst näher bringen will. In diesem Fall müssen sich die Besucher in der Tat auf viel Neues einlassen, auch wenn sie sich schon intensiver mit Kunst beschäftigt haben.

Skulpturen aus Acryl schweben im Raum

Die Skulpturen von Aljoscha schweben im Raum und sollen so etwas wie Lebewesen sein. Der Künstler sieht sie als Vorstufe zu einer Kunst, in die auch Lebewesen einbezogen werden und einen Bezug zur aktuellen bioethischen Debatte, ob es erlaubt ist zum Beispiel für medizinische Zwecke neue Lebewesen zu erschaffen. Der Titel seines Ausstellungsteils „Bioethical Aberrations“ passt dazu.

Neue Kunst in 3D für die älteste kommunale Galerie Deutschlands

Kulturreferentin Simone Schmidt-Apel sowie die Künstler Aljoscha und Maxim Wakultschik mit der Kunsthistorikerin Nathalie Krall (v.l.) schauten sich in der städtischen Galerie sohle 1 um. Die wird noch durch die Ausstellung über die Mondlandung dominiert. © Stefan Milk Stefan Milk

Portraits aus eingefärbten Zahnstochern

Maxim Wakultschik schafft Porträts, die aus eingefärbten Zahnstochern bestehen, wie Besucher bei näherer Betrachtung sehen. Der Künstler setzt sie mit mathematischer Präzision zu seinen Porträtbildern zusammen. Besonders die angespitzte Form der Einzelelemente verleihe ihnen ihre besondere Wirkung, sagt Wakultschik. Sie verändern sich je nach Standpunkt des Betrachters und nach dem Winkel, aus dem er sie anschaut. Die Zusammensetzung seiner Bilder, die in Bergkamen unter dem Titel „Polymorphismus“ zu sehen sind, sollen an die Zusammensetzung von Lebewesen aus einzelnen Zellen erinnern.

Auf der Schwelle zur internationalen Anerkennung

Ausstellung

Eröffnung in der sohle 1 am 8. September

Der Mixed-Media-Künstler Maxim Wakultschik ist 1973 in Weißrussland geboren worden und Aljoscha 1974 in der Ukraine. Ihre gemeinsame Ausstellung wird am Sonntag, 8. September, um 11.30 Uhr in der städtischen Galerie sohle 1 im Stadtmuseum eröffnet. Nach der Begrüßung durch Kulturdezernent Marc Alexander Ulrich hält die Kunsthistorikerin Nathalie Krall die Eröffnungsrede. Die musikalische Umrahmung übernimmt der Pianist Meinhard Siegel aus Essen. Die Ausstellung ist bis zum 20. Oktober zu sehen.

Beide Künstler stehen mindestens auf der Schwelle zur internationalen Anerkennung. Aljoscha hat bereits in New York ausgestellt und eines von Maxim Wakultschiks Werken ist für die Biennale in Venedig ausgewählt worden.

Regelmäßige Bescher der städtischen Galerie können damit rechnen, in den kommenden Monaten nicht nur Ausstellungen zu sehen, die ihnen den Zugang zur zeitgenössischen Kunst ermöglichen sollen. Zu diesem Zweck hat der frühere Bergkamener Kulturdezernent Dieter Treeck die Galerie schon 1971 gegründet - übrigens als erste kommunale Galerie in Deutschland überhaupt. Damit kam er Frankfurt und dem damaligen Frankfurter Kulturstadtrat Hilmar Hoffmann knapp zuvor, der damals die „Kultur für alle“ propagierte.

Kunst für die Bergleute und alle anderen

Auch Treeck wollte die Kultur für alle, was schon der Name der Galerie andeutet: Die „sohle 1“ soll an den Bergbau erinnern. Auch der erste Sitz der Galerie war in einer ehemaligen Bergbauvilla. „Treeck wollte die Kunst auch zu den Bergkamener Bergleuten bringen“, sagt seine Nachfolgerin, die Bergkamener Kulturreferentin Simone Schmidt-Apel.

Die Galerie setzt auf den Wechsel

Sie setzt allerdings nicht mehr nur auf die zeitgenössische Kunst, sondern auf einen Wechsel - zwischen der zeitgenössischen Kunst, Künstlern aus der Region und Künstlern, die auch in anderer Weise prominent sind. Ein Beispiel dafür ist die Ausstellung mit Werken des Schauspielers Armin Mueller-Stahl vor einigen Monaten. „Das lockt auch Menschen an, die sonst nicht in Kunstgalerien gehen“, sagt sie. „Der Mix hält die Galerie lebendig“, meint Schmidt-Apel.

Das ließe sich anders auch mit den Worten des Künstlers Aljoscha sagen, die er mit Blick auf seine eigenen Werke gebrauchte. Er findet, dass die Menschen so wie sie sind, in ihrer jetzigen Umgebung tendenziell unglücklich sind. Dagegen hilft die Entdeckung von etwas Unbekanntem, meint er. „Neues entdecken macht die Menschen glücklicher.“

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