Die Unsicherheit macht den Wohnungseigentümern aus den geräumten Häusern an der Töddinghauser Straße zu schaffen. Auch mit Zustimmung der Eigentümer sind jetzt weiter Gutachter am Werk.

Bergkamen

, 03.07.2019, 16:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit gut sieben Wochen teilen sich Günter Luft und seine Frau Rita ein kleines Zimmer mit Küchenzeile und Bad in der städtischen Notunterkunft an der Erich-Ollenhauer-Straße. Sie gehören zu den 95 Bewohnern, die innerhalb weniger Stunden aus den beiden Häusern Töddinghauser Straße 137 und 139 ausziehen mussten, weil die Stadt sie aufgrund von Brandschutzmängeln für unbewohnbar erklärt hat. Das Ehepaar leidet unter der Situation und hat nur wenige Lichtblicke, zum Beispiel vor einigen Tagen, als es zum 30. Hochzeitstag zum Essen ging. „Wir können ja nicht auch noch an einem solchen Tag hier herumsitzen“, sagt Günter Luft.

Hausverwaltung will schnelle Sanierung

Wie lange das Ehepaar und ihre Mitbewohner noch in Notunterkünften oder bei Verwandten und Freunden ausharren muss, kann noch niemand sagen. „Unser vordringliches Ziel ist es, die Bewohner so schnell wie möglich in ihre Wohnungen zu bringen“, sagt Anwalt Alexander Speth zwar, der im Auftrag der Eigentümergemeinschaft spricht. Bis es so weit ist, wird aber mit Sicherheit einige Zeit vergehen.

Weitere Gutachter für die geräumten Häuser

Der Komplex hat acht Stockwerke. In den beiden Häusern befinden sich insgesamt 60 Eigentumswohnungen. © Stefan Milk

Gutachter ermittelt, wie weit der Bestandsschutz gilt

Der Brandschutzgutachter, den die Hausverwaltung beauftragt hat, gleicht die Erkenntnisse seiner Begehung zurzeit mit der ursprünglichen Baugenehmigung für die beiden Häuser ab. Bei der ersten Begehung hatte er die Brandschutzmängel aufgelistet, sei ihm aufgefallen waren. Die richten sich aber offenbar teilweise nach den zurzeit gültigen Normen, die es 1973 zum Teil noch gar nicht gab. Der Gutachter soll ermitteln, was vor mehr als 45 Jahren genau so genehmigt wurde, wie es heute dasteht – und deshalb möglicherweise unter Bestandsschutz fällt und nicht saniert werden muss. Dabei könnte es sich zum Beispiel um die Abstellräume für die Wohnungen handeln, die es auf allen Etagen gibt und für die möglicherweise vor Jahren noch nicht so hohe Anforderungen galten wie heute.

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Korrekte Einschätzung der Kosten

Erst danach könnten die Kosten einigermaßen korrekt eingeschätzt werden, sagte Speth. Auf der Eigentümerversammlung vor einigen Tagen waren die Wohnungseigentümer erschreckt, als Zahlen einer bis über zwei Millionen Euro für die Sanierung genannt wurden. „Es nützt nichts, die Kosten klein zu rechnen, wenn später das böse Erwachen kommt“, sagte der Anwalt. Von den exakten Kosten wird es abhängen, ob sich alle Wohnungseigentümer die Sanierung überhaupt leisten können.

Weitere Gutachter für die geräumten Häuser

Die Häuser werden von einem Wachdienst überwacht – mit Wachleuten und einer Videoüberwachung, um Einbrüche und Plünderungen zu verhindern. © Stefan Milk

Weitere Gutachter mit Einverständnis der Eigentümer

Offenbar herrscht deshalb auch ein gewisses Misstrauen gegenüber dem von der Hausverwaltung bestellten Gutachter. Wie Wohnungseigentümer bestätigten haben am Montag weitere Gutachter die beiden Gebäude unter die Lupe genommen. Ihr Einsatz sei von den Wohnungseigentümern und dem Eigentümerbeirat abgesegnet, teilten Eigentümer mit. Zusätzlich zum Sanierungsbedarf sind aus Sicht der Eigentümer weitere Fragen zu klären. Dabei geht es unter anderem darum, warum nach dem Brand vor etwa drei Jahren noch keine Brandschutzmängel in den Häusern aufgefallen sind. Damals hatte ein Bewohner Feuer in seiner Wohnung gelegt und hatte anschließend Suizid begangen. Die Feuerwehr hatte die Häuser auch bei diesem Brand evakuiert. Die Bewohner konnten aber anschließend in ihre Wohnungen zurückkehren.

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Diskussion um Brandschutzmängel

Speth fürchtet allerdings, dass dabei nicht viel herumkommt. Allenfalls könnte festgestellt werden, dass damals Brandschutzmängel übersehen wurden – und dass die Häuser eigentlich schon früher hätten geräumt werden müssen.

Viele Bewohner sind auch immer noch davon überzeugt, dass die Räumung der Häuser nicht notwendig gewesen wäre, wenn das Kellergeschoss besser gegen die benachbarten leer stehenden Turmarkaden abgedämmt gewesen wäre. Die Bauordnung war allerdings zu einem anderen Ergebnis gekommen: Sie geht davon aus, dass sich Brandrauch und Kohlenmonoxid auch bei einem Brand in einem der Häuser selbst blitzschnell überall ausbreiten würden.

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Bedrückende Situation

Günter und Rita Luft jedenfalls hoffen, dass schnell Maßnahmen ergriffen werden, dass sie in ihre Wohnung zurückkommen. Die Situation und die Betten in der Notunterkunft bringen ihn um den Schlaf, sagt Luft. Mehr als fünf Stunden schafft er nicht. Dann liegt er wach und grübelt.

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