Neue Erdgasleitung: Firma muss eine 22 Meter breite Schneise durch die Stadt ziehen

dzEnergieversorgung

Wenn die Firma Open Grid Europe ab dem Sommer eine neue Erdgasleitung durch Bergkamen zieht, ist dafür eine 22 Meter breite Schneise erforderlich. Die Leitung wird gründlich geprüft, bevor Gas fließt.

Bergkamen

, 14.02.2020, 14:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Firma Open Grid Europe GmbH (OGE) hat seit einigen Tagen die Genehmigung der Bezirksregierung Arnsberg, eine neue, 30 Zentimeter dicke Gasleitung durch Bergkamen zu verlegen. Die Vorbereitungen für die Arbeiten haben schon begonnen. „Wir richten schon einen Baustellenplatz ein“, sagt Pressesprecher Helmut Roloff von der OGE in Essen. Außerdem nimmt das Unternehmen einige Rodungsarbeiten vor, die nur bis Ende Februar möglich sind. Die eigentlichen Arbeiten sollen wahrscheinlich im Sommer beginnen - auch mit Rücksicht auf die Landwirte.

Arbeiten mit Rücksicht auf die Landwirtschaft

Zurzeit seien die Äcker nass und die Arbeiten würden vermutlich erhebliche Schäden auf Wiesen und Äckern verursachen, sagt Roloff. Immerhin muss die OGE eine 22 Meter breite Schneise schlagen, um die neue Leitung zu verlegen. Sie soll an der Kerstheider Straße in Hamm beginnen und von dort durch Overberge und den Norden von Bergkamen-Mitte bis auf das Bayer-Gelände führen.

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Um sie zu verlegen, muss das Tiefbauunternehmen zwei Bodenhorizonte abtragen, die anschließend wieder in der richtigen Reihenfolge aufgebracht werden, wenn die Leitung verlegt ist. Dafür ist der breite Arbeitsstreifen notwendig.

Neue Erdgasleitung: Firma muss eine 22 Meter breite Schneise durch die Stadt ziehen

Das Unternehmen aus Essen betreibt das Gasnetz in der Region. © Foto: Jörg Heckenkamp

Acht Meter breiter Streifen muss frei bleiben

Die Gasleitung soll in einem Meter Tiefe liegen. Nachdem sie verlegt ist, muss ein acht Meter breiter Sicherheitsstreifen von bestimmten Nutzungen frei bleiben, wie Roloff erläutert. „Dort dürfen weder tief wurzelnde Gehölze gepflanzt, noch Bauten errichtet werden“, erläutert der Pressesprecher. Außerdem hat die OGE jederzeit ein Betretungsrecht, um die Leitung warten oder reparieren zu können.

Schon beim Einbau muss das Unternehmen bestimmte Verfahren anwenden, um sicher zu sein, dass die Leitung dicht ist und kein Gas austreten kann. Alle Nähte werden mit Ultraschall und Röntgen geprüft.

Neue Erdgasleitung: Firma muss eine 22 Meter breite Schneise durch die Stadt ziehen

Die neue Leitung soll an eine Hauptleitung anschließen, die von der Nordsee in Richtung Siegen verläuft. © Foto: Daniel Claeßen

„Stressdruckprüfung“, bevor die Leitung in Betrieb geht

Außerdem muss die Leitung eine sogenannte „Stressdruckprüfung“ bestehen. Dazu wird sie abschnittsweise mit Wasser gefüllt, das unter Druck steht. Der Druck ist doppelt so hoch wie später der maximale Gasdruck. Wenn innerhalb von 36 Stunden nirgendwo Wasser austritt, gehen die Experten davon aus, das die Leitung auf Dauer dicht ist.

Das Unternehmen überprüft die Leitung auch nach dem Bau regelmäßig. Es fliegt die Leitungen regelmäßig mit Hubschraubern ab, um zu prüfen, dass dort nichts Unzulässiges gepflanzt oder gebaut wird.

Neue Erdgasleitung: Firma muss eine 22 Meter breite Schneise durch die Stadt ziehen

Auf Gaskunden in Bergkamen und Kamen kommen keine Umstellungen zu. Die Städte wird schon seit den 80er Jahren mt H-Gas versorgt. © picture alliance / dpa

Neue Leitung soll 2021 in Betrieb gehen

Roloff geht davon aus, dass die Leitung Mitte 2021 in Betrieb genommen wird. Sie gehört zu mehreren Leitungen, die gebaut werden, um die letzten Lücken im sogenannten H-Gas-Netz zu schließen. Unter anderem soll Bayer mit dem H-Gas versorgt werden, das einen höheren Brennwert hat als das L-Gas, das in einigen Kommunen noch zum Einsatz kommt.

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Das H-Gas kommt überwiegend aus Norwegen oder aus Russland. Das L-Gas mit niedrigerem Brennwert stammt aus Gasfeldern aus den Niederlanden oder dem Emsland. Dort wird die Förderung aber schon seit Jahren zurückgefahren.

Eigentlich müssen bei der Umstellung von L- auf H-Gas auch die Brenner von allen Gasheizungen umgestellt werden, wie Werner Isermann von der Bezirksregierung Arnsberg erläutert, die für den Planfeststellungsbeschluss – die Genehmigung – für die neue Gasleitung zuständig war.

Die Bergkamener haben damit aber nach Angaben von Timm Jonas nicht zu tun. Jonas ist Sprecher der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW). In deren Versorgungsbereich ist die Gasversorgung schon in den 80er Jahren von L- auf H-Gas umgestellt worden.

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