Neue Chance für Chancenlose – Jugendwerkstatt Lünen zieht nach Oberaden um

dzAWo-Einrichtung

Die Jugendwerkstatt Lünen zieht nach Bergkamen um. Im kommenden Februar soll die Arbeit auf dem Gelände der ehemaligen Albert-Schweizer-Schule in Oberaden aufgenommen werden.

von Werner Wiggermann

Bergkamen

, 12.12.2019, 17:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer richtigen Schule sieht das Gebäude gerade nicht aus. Eher ähnelt es einem Wohnhaus - und gerade deshalb eignet es sich als Ort des Lernens. Für die 16 jungen Menschen, die die Jugendwerkstatt Lünen, eine Einrichtung der AWO-Gesellschaft „Arbeiten und Lernen“, ab Anfang Februar auf dem Gelände der ehemaligen Albert-Schweizer-Schule auf ihre Zukunft vorbereitet.

Keine Lust mehr auf Schule

Eine Zukunft, in der sie es ohne Hilfe aus unterschiedlichen Gründen sehr schwer haben würden. 41 Prozent der Teilnehmer haben einen Förderschulabschluss – allen gemeinsam ist, dass sie auf Schule oder andere Bildungsmaßnahmen der üblichen Art einfach keine Lust mehr haben. Auch nicht auf Angebote der Jobcenter oder Arbeitsagenturen, von denen sie nur neue Frusterfahrungen befürchten.

Genau deshalb finden sie in der AWO-Einrichtung eine Atmosphäre, die ihnen den Spaß an eigener Leistung erst wieder ermöglichen möchte. In einem Haus mit Sozial- und Aufenthaltsraum, mit legerem Mobiliar – und mit einem Konzept, das ihnen erst einmal keine Höchstleistungen abfordert, wie Thorsten Schmitz, Geschäftsführer der AWO-Gesellschaft „Bildung und Lernen“, erklärt.

Sanierungsstau führte zum Umzug

Die Jugendwerkstatt ist eine Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Unna, die fast schon chancenlosen Jugendlichen neue Perspektiven vermitteln möchte. Der weitaus größte Teil (71 Prozent) von ihnen kommt aus Lünen. Bis jetzt werden sie noch in einem Gebäude in Lünen-Süd betreut, das wegen des inzwischen großen Sanierungsbedarfs nach Auskunft von AWo-Kreisgeschäftsführer Rainer Göpfert nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könne. Schon seit Längerem wurde nach einem Ausweichquartier in Lünen gesucht; bisher aber erfolglos, bedauert Thorsten Schmitz. Fündig wurde man dann aber knapp hinter der Stadtgrenze, in Oberaden.

Neue Chance für Chancenlose – Jugendwerkstatt Lünen zieht nach Oberaden um

Das bisherige Domizil der Jugendwerkstatt an der Bebelstraße in Lünen. © Beate Rottgardt

Dennoch werde in Lünen weitergesucht, um irgendwann wieder näher an der Mehrzahl der betreuten Jugendlichen zu sein. Durchaus möglich sei es aber, dass es auch in Bergkamen langfristig eine „Jugendwerkstatt“ geben könnte. Schon jetzt kommen drei Teilnehmer aus Bergkamen. Es könnten schnell mehr werden, eine Warteliste existiert schon, der Bedarf ist eindeutig vorhanden.

Chancen verbesserten sich deutlich

Was vielleicht auch durch nachweisbare Erfolge begründet werden kann: Für die meisten Absolventen der schon seit mehreren Jahren existierenden Jugendwerkstatt hat sich die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben deutlich verbessert: Der größte Teil fühlte sich am Ende fit genug, jetzt doch eines der Jobcenter-Angebote wahrzunehmen; etwa 13 Prozent von ihnen trauten sich doch wieder in eine Schule, um den für weitere Ziele benötigten Abschluss nachzuholen; immerhin 6 Prozent starteten direkt in eine betriebliche Ausbildung.

Zumeist im Bereich Garten- und Landschaftsbau, der auch einen inhaltlichen Schwerpunkt der Arbeit in der Jugendwerkstatt ist. Fachkenntnisse werden von den sozialpädagogisch geschulten Werkanleitern aber auch in den Bereichen Hauswirtschaft und Multimedia vermittelt.

Kenntnisse, die das Selbstbewusstsein stärken und Chancen erhöhen – und ein Weg, der sich herumspricht. „Die Jugendlichen sind gut vernetzt“, erklärt AWO-Geschäftsführer Rainer Göpfert, „manche werden durch einen Streetworker aufmerksam und einige kommen auch selbst zu uns.“

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