Wer in Weddinghofen einkaufen will, ist vorerst auf den Netto an der Schulstraße angewiesen. © Stefan Milk
Bürger diskutieren

Netto-Umzug in der Kritik: „Können uns dann nicht mehr selbst versorgen!“

Beim Politischen Frühschoppen der IGBCE werden viele Probleme diskutiert, die Bergkamener bewegen. Wie ein möglicher Umzug des Netto-Markts. „Dann können wir uns alle nicht mehr selbst versorgen!“

Gemessen am Geräuschpegel ging es wieder einmal ziemlich hoch her, als die IGBCE-Ortsgruppe Weddinghofen am Samstagmittag zum zweiten Politischen Frühschoppen in das Vereinsheim des KGV Krähenwinkel eingeladen hatte.

„Drinnen oder draußen?“ war die allererste Frage. Doch angesichts der noch ziemlich großen Kühle entschlossen sich die IGBCE’ler um Mario Unger für drinnen, was dann dazu führte, dass der Saal denn auch rappelvoll wurde. Kein Problem, denn beim Einlass wurde natürlich genauestens darauf geachtet, dass alle, IGBCE’ler und auch Besucher, die 3G-Regel und die restlichen Corona-Anforderungen erfüllten.

Karl Müller, 87 Jahre alt, kritisiert die Umzugspläne von Netto: „Wenn in zwei Jahren der jetzige Netto zumacht, dann können wir uns alle nicht mehr selbst versorgen!“
Karl Müller, 87 Jahre alt, kritisiert die Umzugspläne von Netto: „Wenn in zwei Jahren der jetzige Netto zumacht, dann können wir uns alle nicht mehr selbst versorgen!“ © Klaus-Dieter Hoffmann © Klaus-Dieter Hoffmann

Effiziente Spielregeln an den Stammtischen

Die Spielregeln waren einfach und zugleich effizient. Aus einem umfangreichen Fragenkatalog, den Mario Unger und seine Genossen im Vorfeld erarbeitet hatten, wurden vier Themenkomplexe ausgewählt, die dann an den jeweiligen vier „Stammtischen“ die Diskussionsgrundlage bilden sollten.

Jedem Tisch wurden wiederum zwei IGBCE’ler als Moderatoren zugeteilt. Die Bürgerinnen und Bürger konnten genau wie die eingeladenen Politiker anhand der dort ausliegenden Themenlisten entscheiden, wo sie denn sitzen möchten, wohlwissend, dass in der Halbzeit die Plätze getauscht würden.

Beim Politischen Frühschoppen der IGBCE kommen am Samstag zahlreiche Themen auf den Tisch, die kontrovers diskutiert werden.
Beim Politischen Frühschoppen der IGBCE kommen am Samstag zahlreiche Themen auf den Tisch, die kontrovers diskutiert werden. © Klaus-Dieter Hoffmann © Klaus-Dieter Hoffmann

Respekt über Parteigrenzen hinweg

Erfreulicherweise haben alle fünf Bergkamener Fraktionen, die CDU, die SPD, die Grünen, die Linke und auch die BergAuf ihre Fraktionsvorsitzenden nebst ihren Stellvertretern entsandt, die sich nun an den vier Stammtischen der direkten Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern stellen durften.

Dass es an den Tischen schon mal laut zuging, war dann auch der Begeisterung geschuldet, denn insgesamt lief alles mit großem gegenseitigen Respekt ab, auch über die Parteigrenzen hinweg. Die IGBCE hatte natürlich für Getränke und reichlich belegte Brötchen gesorgt, so dass zumindest der Magen nicht mehr knurren musste.

Angeregte Diskussionen am Stammtisch der IGBCE Weddinghofen.
Angeregte Diskussionen am Stammtisch der IGBCE Weddinghofen. © Klaus-Dieter Hoffmann © Klaus-Dieter Hoffmann

Bürger haben auch unangenehme Fragen mitgebracht

Nichtsdestotrotz haben die Bürgerinnen und Bürger auch unangenehme Fragen mitgebracht und so manchen Finger in die Wunde gelegt. Beispielsweise, warum denn alles immer so lange dauern müsse, und warum Bergkamen immer noch keinen eigenen Bahnanschluss habe. Oder auch das lärmende morgendliche Verkehrschaos an der Goethestraße und an der Pfalzstraße und ebenso die nächtlichen Saufgelage an der Pfalzschule. Irgendwie passe es auch nicht dazu, dass die Polizeistation nur bis 14 Uhr besetzt sei.

Wie erwartet gab es zur unendlichen PueD-Geschichte und insbesondere zum Netto-Neubau so einige Meinungen. Ein eklatanter Fall von nachteilig betroffen stellt nach eigenen Worten Karl Müller dar: 87 Jahre alt, schwerbehindert und Vater einer alleinerziehenden Mutter von Zwillingen, die gleich nebenan wohnt und ebenfalls keinen Führerschein besitzt. „Wenn in zwei Jahren der jetzige Netto (Anm. der Redaktion: wegen der aktuell zu geringen Verkaufsfläche) zumacht, dann können wir uns alle nicht mehr selbst versorgen!“

Den Armutsbericht viel ernster nehmen

Claudia Schwior von BergAuf bekräftigte in ihrem Resümee, dass man den Armutsbericht Deutschland, wo Bergkamen weit hinten stehe, viel ernster nehmen müsse. Thomas Heinzel (CDU) freut sich, genau wie die Fraktionskollegen der anderen Parteien auch, besonders über Diskussionsrunden wie diese, wo durch direkte Gespräche zwischen Bürgern und Politikern die Politikverdrossenheit abgebaut werden könne und man so die Kommunalpolitik in der Wahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger stärken könne. Mario Unger kündigte seinerseits an, dass er zusammen mit seinen Moderatoren eine Zusammenfassung der Diskussionsergebnisse erstellen und veröffentlichen werde.

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