Neben der Cannabisplantage lagen Schlagstock und Wurfsterne

dzProzessauftakt in Dortmund

Bei einer Wohnungsdurchsuchung in Bergkamen wurde im Dezember 2017 eine Cannabisplantage entdeckt und einige gefährliche Waffen. Der Mieter liefert vor Gericht eine ungewöhnliche Erklärung.

Bergkamen

, 22.06.2020, 13:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor dem Dortmunder Landgericht hat am Montag der Prozess gegen einen mutmaßlichen Drogendealer aus Bergkamen begonnen. Der 39-Jährige soll fast vier Jahre lang im Geschäft gewesen sein und mindestens einmal pro Woche fünf Gramm Marihuana an einen Bekannten verkauft haben.

Wäre es bei diesen Mengen verblieben, wäre die ursprünglich vorgesehene Verhandlung am Amtsgericht garantiert ausreichend gewesen. Der dort zuständige Richter hat die Akten aber sofort nach Dortmund weitergeleitet, weil er fürchtete, mit der ihm zustehenden Strafgewalt nicht auszukommen. Am Amtsgericht dürfen maximal vier Jahre Haft verhängt werden.

Durchsuchung im Dezember 2017

Dass dem 39-Jährige nun sogar eine deutlich härtere Strafe droht, hängt mit dem Ergebnis einer Wohnungsdurchsuchung zusammen, die der Bergkamener im Dezember 2017 über sich ergehen lassen musste. Dabei waren die Beamten nämlich nicht nur auf eine größere Cannabisplantage gestoßen, die rund drei Kilo Rauschgift abgeworfen hatte. Darüber hinaus lagen in der Wohnung auch ein Teleskop-Schlagstock, mehrere Wurfsterne und ein Messer herum.

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Sollten die Richter den Fall deshalb am Ende als bewaffneten Drogenhandel bewerten, läge schon die Mindeststrafe bei fünf Jahren Haft. Entsprechend versuchte der Angeklagte schon am Montag alles, um das Vorhandensein der Waffen anders zu erklären. „Mein Mandant ist Sammler, zum Teil handelt es sich sogar um Erbstücke“, sagte der Verteidiger im Prozess.

Die Polizei fand in der Wohnung auch einen Teleskop-Schlagstock und Wurfsterne. Deshalb steht eine Anklage wegen bewaffneten Drogenhandels im Raum – Mindeststrafe fünf Jahre Haft.

Die Polizei fand in der Wohnung auch einen Teleskop-Schlagstock und Wurfsterne. Deshalb steht eine Anklage wegen bewaffneten Drogenhandels im Raum – Mindeststrafe fünf Jahre Haft (Symbolbild). © picture alliance / dpa

Angeblich drohte Hausverkauf

Auch für die Größe der Plantage und die Menge der sichergestellten Drogen lieferte der Anwalt im Namen seines Mandanten eine ungewöhnliche Erklärung. Im Herbst 2017 habe sich der Besitzer des Mehrfamilienhauses in Oberaden nämlich mit dem Gedanken getragen, das Haus zu verkaufen. Der Angeklagte habe deshalb befürchten müssen, aus der Wohnung geworfen zu werden. Also habe er sich gedacht: „Da baue ich lieber noch mal schnell eine größere Menge an, damit ich einen Vorrat habe, ehe ich eine neue Wohnung finde.“

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Ob der 39-Jährige die Richter mit diesen Erklärungen überzeugen kann, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass die Kammer jetzt erst einmal überlegt, ob sie nicht einen psychiatrischen Sachverständigen hinzuziehen muss. Immerhin behauptet der Angeklagte, im Tatzeitraum selbst täglich große Mengen Marihuana geraucht zu haben. Gut möglich, dass ein Fachmann deshalb eine Unterbringung des Mannes in einer geschlossenen Entziehungsklinik empfiehlt.

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