Die Stadt denkt beim Bau von Wohnungen um: Es sollen nicht mehr nur Eigenheime, sondern auch Wohnungen in Mehrfamilienhäusern entstehen.

Bergkamen

, 02.01.2019, 15:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Noch vor kurzer Zeit mussten die Planer sich in Bergkamen keine Gedanken um Wohnungen machen: Es gab weder Investoren, die in Mehrfamilienhäuser investieren wollten, noch eine große Nachfrage nach solchen Wohnungen. Ein Blick in die einschlägigen Online-Portale reichte meist aus, um leerstehende Wohnungen im dreistelligen Bereich zu finden, unter denen Interessenten die freie Auswahl hatten.

Mittlerweile drängt die Stadt aber darauf, dass in neuen Baugebieten auch Grundstücke mit Mehrfamilienhäusern vorgesehen werden. Freie Wohnungen gibt es längst nicht mehr so viele – und wenn, ist das Angebot oft nicht deckungsgleich mit der Nachfrage: Gesucht werden vor allem kleinere, meist auch barrierefreie Wohnungen mit einem guten Standard. Viele Wohnungen aus den Mehrfamilienhäusern aus den vergangenen Jahrzehnten entsprechen diesen Anforderungen nicht. Sie sind für Singles und Paare zu groß, nicht barrierefrei und oft auch in nicht mehr in einem zeitgemäßen Zustand, wie das Sozialdezernat festgestellt hat. Hinzu kommt, dass Bergkamenern verglichen mit dem Landesschnitt immer noch eine relativ kleine Quadratmeterfläche an Wohnraum zu Verfügung steht.

Wohnungen und Baugrundstücke gesucht

Im Bereich der Siedlung „Unter den Telgen“ baut eine Bauträgergesellschaft zurzeit ein weiteres Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen. © Stefan Milk

Baudezernat forciert Bau von Mehrfamilienhäusern

Deshalb forciert das Baudezernat schon seit einiger Zeit den Bau von größeren Mehrfamilienhäusern in allen neuen Baugebieten in der Stadt. „Bisher war es allenfalls üblich, zwei Geschosse zu bauen. Bei zwei bis drei Wohneinheiten pro Etage entstehen höchstens sechs Wohnungen insgesamt“, sagt die stellvertretende Planungsamtsleiterin Christiane Reumke – zu wenig, um den Bedarf an Miet- und Eigentumswohnungen in der Stadt zu decken.

Im vergangenen Jahr sind trotzdem praktisch keine neuen Etagenwohnungen in Bergkamen entstanden. In der nächsten Zeit soll sich das ändern: Allein im „Stadtfenster“, das die Kreis-Baugesellschaft UKBS gegenüber vom Rathaus baut, sollen neben Ladenlokalen und Praxen rund 30 Wohnungen entstehen. Darunter sind nach Reumkes Angaben auch viele, deren Größe für Paare und Singles passt. „Dafür ist das Gebäude auch aufgrund der Lage gut geeignet“, sagt die Planerin. Bei anderen Projekten wird es noch etwas länger dauern, bis sie verwirklicht sind. Im Gesundheitszentrum „PueD“ in Weddinghofen sind zwar auch 50 Wohnungen geplant. Wann sie komplett zur Verfügung stehen, steht aber noch nicht fest. Die PueD GmbH hat den Baubeginn für das Frühjahr angekündigt. Die Stadt drängt aber vor allem darauf, dass die Kindertagesstätte fertiggestellt wird, die sie noch dringender benötigt. Immerhin baut ein Bergkamener Bauträger gegenüber am Baugebiet „Unter den Telgen“ ein weiteres Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen. Mehrfamilienhäuser sind auch im Neubaugebiet „Berliner Straße“ in Weddinghofen und am Maiweg in Mitte geplant. Wann sie fertig sind, steht aber noch nicht fest.

Wohnungen und Baugrundstücke gesucht

Das Wichernhaus und der ehemalige Kindergarten an der Hochstraße sollen abgerissen werden und Platz für die „Wichernhöfe“ mit über 50 Wohneinheiten machen. © Stefan Milk

Verzögerungen auf dem Wichernhaus-Gelände

Auch bei der Bebauung des Wichernhaus-Geländes an der Hochstraße mit Mehrfamilienhäusern haben sich Verzögerungen ergeben – vor allem, weil der Bauherr, die „NLD Consultants GmbH“ aus Mönchengladbach, Probleme hat, Bauhandwerker zu finden. Das Unternehmen ist noch dabei, ein Abrissunternehmen zu finden, dass das alte Gemeindehaus und die Kindertagesstätte auf dem Gelände abreißt, wie Geschäftsführer Rob de Regt auf Anfrage mitteilte. Das ist nach seinen Angaben nicht die einzige Verzögerung bei der Realisierung der „Wichernhöfe“, wie das Projekt mit 54 Wohneinheiten heißt. Auch das Unternehmen, das die vorgefertigten Bauteile für die Häuser liefern soll, sei ausgelastet und habe Wartezeiten.

Immerhin sind im Hintergrund die Vorbereitungen für den Bau weitergegangen. Unter anderem seien alle Vermessungsarbeiten erledigt, sagte de Regt. Er geht davon aus, dass der Abriss und der Bau der Häuser auf jeden Fall im Laufe des Jahres beginnen. Auf einen Termin, wann sie bezugsfertig sind, wollte er sich nicht festlegen. Geplant sind Häuser mit größeren Mietwohnungen für Familien im Erdgeschoss und kleineren Wohnungen in den Obergeschossen. Wenn es so weit ist, bedeute das schon eine deutliche Entspannung für den Wohnungsmarkt, erwartet Reumke. „54 Wohneinheiten sind schon ein Quantensprung.“

Wohnungen und Baugrundstücke gesucht

Nachfrage nach Baugrundstücken für Eigenheime wie hier an der Büscherstraße gibt es noch immer in allen Stadtteilen. © Stefan Milk

Nachfrage nach Eigenheim-Grundstücken und der ganzen Stadt

Auch die Nachfrage nach Grundstücken für Eigenheime in Bergkamen ist ungebrochen. „Wir stellen in allen Stadtteilen eine Nachfrage fest“, sagt die stellvertretende Planungsamtsleiterin. In den meisten Stadtteilen gibt es auch immer noch bebaubare Flächen. Nur in Rünthe ist es schwierig, ein Baugrundstück zu finden, denn die Baugebiete sind fast alle voll.

Neubaugebiete, in denen jetzt schon oder zumindest bald Baugrundstücke zur Verfügung stehen, gibt es vor allem in Bergkamen-Mitte, Weddinghofen und Oberaden. In Bergkamen-Mitte soll das Bebauungsplanverfahren für das Baugebiet „Maiweg“ in diesem Jahr weitergeführt werden. Sobald der Bebauungsplan rechtskräftig ist ist, wollen die Investoren das Gelände erschließen.

In Weddinghofen hat die Vermarktung von Baugrundstücken im Baugebiet Berliner Straße bereits begonnen – vor allem im westlichen Bereich an der Straße „Am Hauptfriedhof“. Auch die übrigen Flächen sollen bald zur Verfügung stehen. Die Fakt AG plant noch Anfang diesen Jahres den Abriss der ehemaligen Heide-Hauptschule, damit auch diese Fläche zur Verfügung steht. Eine weitere Fläche für Eigenheime, die schnell zur Verfügung steht, ist die Fläche des ehemaligen Gesundheitshauses auf der früheren Zeche Grimberg 3/4. Dort ist eine Bebauung möglich, sobald die Stadt einen Vertrag geschlossen hat, die frühere Werkszufahrt als Zufahrtstraße zu nutzen.

Auch für den nördlichen Buchweizenkamp im Oberaden ist noch ein Erschließungsvertrag notwendig, bevor er bebaut werden kann. Eine weitere Wohnbaufläche plant die Stadt im Sundern auf einem Gelände, auf dem sich früher ein Lehrlingswohnheim und dann eine Außenstelle der Polizeischule befanden. Das Neubaugebiet könne den gesamten Bereich aufwerten, meint Reumke.

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