Die Römer haben das Lager in Oberaden in kurzer Zeit gebaut und schnell wieder aufgegeben. Museumsleiter Mark Schrader hofft, einen Teil nachzubauen – und deutlich länger stehen zu lassen.

Bergkamen

, 20.11.2018, 15:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn die Römer in der Antike es mit der deutschen Bauordnung zu tun gehabt hätten – dann wäre wohl auch die Geschichte des Römerlagers wohl ganz anders verlaufen. Die Römer hätten vermutlich keine Chance gehabt, schnell ein Lager für mehrere tausend Legionäre zu bauen, die Brukterer zu unterwerfen und das Lager wenige Jahre später schon wieder abzureißen. Wahrscheinlich hätten sie sich so lange mit Statik, Brandschutz und städtebaulichen Gestaltungsfragen herungeschlagen, dass sie sich auch ohne Niederlage in der Varusschlacht aus dem kalten Germanien zurückgezogen hätten.

Nachbau des Nordtors soll schon 2019 beginnen

Die Holz-Erde-Mauer wurde 2012 nach langer Planungsphase nach alten Handwerkstechniken gebaut. Schrader hofft, dass der Tor-Nachbau schneller geht. © Stefan Milk

Authentischer Nachbau

Ihr Nachfolger mehr als 2000 Jahre später – zumindest was die Bauabsichten angeht – aber kommt nicht darum herum, sich mit der Bergkamener Bauaufsicht zu arrangieren. Museumsleiter Mark Schrader plant zusammen mit dem Museumsförderverein den Nachbau des Nordtores des Römerlagers – als neuen Höhepunkt im „Römerpark Bergkamen“ und als Ergänzung des Stücks Holz-Erde-Mauer, das bereits dort steht. Schrader hofft, dass sich die Bauaufsicht darauf einlässt, das Tor möglichst „authentisch“ wieder aufzubauen – also weitgehend am römischen Vorbild orientiert. Alles andere könnte die Kosten in nicht zu finanzierende Höhen treiben und die Bauzeit deutlich verlängern. Schrader hat den ehrgeizigen Plan, den neuen Besuchermagneten im Römerpark schon im kommenden Jahr zu planen und dann möglichst zügig zu bauen.

Nachbau des Nordtors soll schon 2019 beginnen

Dr. Kees Peterse bei einem Vortrag über die Holz-Erde-mauer vor einigen Jahren. Er stellt am Freitag vor, wie das Nordtor wahrscheinlich ausgesehen hat. © Roman Grzelak

Erkenntnisse von Dr. Kees Peterse

Die Pläne sollen sich – wie bei der Holz-Erde-Mauer – nach den Erkenntnissen des niederländischen Geschichtswissenschaftlers Dr. Kees Peterse richten. Er hat geforscht, wie das Tor am Oberadener Römerlager vor mehr als 2000 Jahren wahrscheinlich ausgesehen hat und wie es konstruiert war. Er wird seine Erkenntnisse am Mitgliederabend des Museumsfördervereins präsentieren. Aus diesen Erkenntnissen wollen Schrader und der Förderverein einen Bauantrag für den Nordtor-Nachbau entwickeln. Dabei ist jetzt schon klar, dass sie Kompromisse eingehen müssen. Der Nachbau soll begehbar sein. Deshalb können bei dem modernen Nachbau keine Spalten-Bohlen verwendet werden, wie es vermutlich die Römer getan haben. Damit wäre die Oberfläche zu uneben. Deshalb kommen bei dem modernen Tor-Nachbau wahrscheinlich gesägte Bretter zum Einsatz, die eine glatte und spaltenfreie Lauffläche bilden.

Schrader hat bereits Erfahrungen damit. Auch der Nachbau eines Stücks der Lagerbefestigung – die Holz-Erde-Mauer – ist nicht komplett originalgetreu, sondern ein Kompromiss zwischen historischem Vorbild und den Anforderungen der modernen Bauordnung.

Nachbau des Nordtors soll schon 2019 beginnen

Die Holz-Erde-Mauer ist das beeindruckende Kernstück des Römerparks. Das Tor soll direkt im Anschluss an historischer Stelle gebaut werden. © Stefan Milk

Erfahrungen aus Haltern

Eine ähnlich lange Planungs- und Bauzeit wie bei der Holz-Erde-Mauer möchte Schrader beim Nordtor-Nachbau auf jeden Fall vermeiden. Zwischen den ersten Plänen im Jahr 2008 und der Fertigstellung 2912 verstrichen vier Jahre. Zwischendurch schien das Vorhaben nicht finanzierbar. Infolge aller möglichen Vorgaben – unter anderem sollte der Bau ein innenliegendes Stützkorsett aus Stahl bekommen – waren die Baukosten von ursprünglich kalkulierten 150.000 Euro auf etwa eine Million gestiegen. Den Bau machte schließlich ein Kompromiss möglich, der sich deutlich stärker an der römischen Originalkonstruktion orientiert. Nachteil ist allerdings, dass sich in einigen Jahrzehnten Erneuerungsbedarf ergibt. Selbst Eichenbohlen, wie sie verwendet werden sollen, müssten an einigen Stellen nach 40 oder 50 Jahren repariert oder erneuert werden.

Er setzt beim Bau des Nordtors darauf, dass der Förderverein durch den Nachbau der Holz-Erde-Mauer deutlich mehr Erfahrung mit Beuten nach historischem Vorbild hat. Außerdem setzt er auf einen Präzedenzfall an anderer Stelle. Im „kleineren Schwesterlager“ in Haltern, wie Schrader es nennt, sind schon größere Teile der Lagermauer und der -tore nachgebaut worden.

Nachbau des Nordtors soll schon 2019 beginnen

Museumsleiter Mark Schrader (l.) hat schon häufiger Hand im Römerpark angelegt. Jetzt will er zusammen mit dem Museumsförderverein das Nordtor nachbauen. © Stefan Milk

Baubeginn noch vor dem Römerfest

Zum Römerfest im kommenden Jahr sollen die Besucher schon etwas vom Nordtor-Nachbau sehen können. „Und wenn es nur die Fundamente sind“, sagt Schrader. Bevor der Bau beginnen kann, muss der Bau allerdings nicht nur genehmigt und finanziert sein. Vom Bauplatz, auf dem das Tor nach Erkenntnissen von Archäologen vor gut 2000 Jahren tatsächlich stand, müssen vor Baubeginn etwa 300 Kubikmeter Lehm abgefahren werden. Es handelt sich um Bodenaushub, der bei den Ausgrabungen und beim Bau der Holz-Erde-Mauer mit dem historischen Spitzgraben angefallen ist. Der Boden wurde damals nicht abgefahren, sondern neben der Mauer auf dem Gelände zwischengelagert.

Eine genaue Kostenschätzung für den Nachbau hat der Museumsleiter noch nicht. Er kann sich bisher nur an den Baukosten für die Holz-Erde-Mauer orientieren. Wenn er sie hochrechne, komme er auf etwa 300.000 bis 400.000 Euro, sagt er.

Schrader will den Ausbau des Römerparks im kommenden Jahr mit vollem Elan angehen. Die Zeit dafür hat er nach seiner Ansicht. Mit der Neugestaltung der Ausstellung im Stadtmuseum seien er und seine Mitarbeiter am Jahresende fertig, sagt der Museumsleiter.

Vortrag von Dr. Peterse am Freitag

  • Dr. Kees Peterse hält seinen Vortrag „Das Nordtor – Neues aus dem Legionslager Oberaden“ am Freitag, 23. November, im Stadtmuseum.
  • Der Vortrag in der städtischen Galerie sohle 1 im Stadtmuseum beginnt um 18 Uhr.
  • Peterse wird erläutern, wie das Nordtor vermutlich aussah und wie es konstruiert war.
  • Seine Kenntnisse stützt er unter anderem auf Beispiel aus den Niederlanden über jene Zeit.
  • Im Anschluss ist der Mitgliederabend des „Vereins der Freunde und Förderer des Stadtmuseums“.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Freiherr-von-Ketteler-Schule

Nach Brandstiftung: Arbeiter reinigen die Turnhalle der Rünther Grundschule

Hellweger Anzeiger Bergkamener und Töddinghauser Straße

An der Sperrung vorbei über Busumleitung oder Fräskanten: Erste Baustellen-Rowdys ertappt

Meistgelesen