Fall „Sky“: Nicht alle öffentlichen Stellen kooperieren mit Tierschützern

dzTierschutz

Die Geschichte von dem Huskywelpen Sky hat große Wellen geschlagen. Mittlerweile geht es der Hündin gut. Aber es stellt sich die Frage, ob der Welpe schneller hätte gerettet werden können.

Bergkamen, Kamen

, 27.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist ein Fall, der für hitzige Diskussionen in den Sozialen Medien sorgte: An Weihnachten fanden Tierschützer einen unterkühlten, verwundeten Husky-Welpen. Er wurde in Bergkamen in einem Kellereingang entdeckt. Die junge „Sky“ soll laut den Tierrettern dem Tode nahe gewesen sein.

Der Verein Tierfreunde Kamen brachte die Hündin sofort zum Tierarzt, dann ging es weiter in eine Tierklinik nach Duisburg. Mittlerweile erholt sich Sky bei ihrer neuen Besitzerin, bleibende Schäden sind nach dem Vorfall nicht auszuschließen.

Nun meldet sich eine Zeugin zu Wort, die miterlebt haben will, was passiert ist, als die Hündin entdeckt wurde. Ihrer Aussage nach soll noch vor den Tierfreunden Kamen die Polizei vor Ort gewesen, aber wieder gefahren sein. Die Frau fragt sich nun, was passiert, wenn ein verwundetes Tier gefunden wird und ob die Polizei zuständig ist.

Fall „Sky“: Nicht alle öffentlichen Stellen kooperieren mit Tierschützern

Sky war erst wenige Wochen alt, als sie in Bergkamen unterkühlt und verletzt in einem Kellereingang gefunden wurde. Nun geht es ihr besser. © privat

Die Polizei im Kreis Unna arbeitet nicht mit Tierschutzvereinen zusammen

Das ist sie, allerdings arbeitet sie nicht mit den Tierschutzvereinen vor Ort zusammen. Laut Polizeisprecher Bernd Pentrop kooperiert sie mit dem Veterinäramt des Kreises. „Wir konzentrieren und auf öffentliche Stellen und sind in der Lage, ohne Vereine Maßnahmen zu treffen“, erklärt er. Die Polizei habe ein entsprechendes Netzwerk, es gibt etwa eine Firma, die die Tiertransporte übernimmt.

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Es gibt aber auch Polizeistellen, die durchaus mit Vereinen kooperieren – zum Beispiel in Dortmund. Dort ist die Tierschutzorganisation „Arche 90“ mit Polizei und Feuerwehr vernetzt. „Bei Notfällen (wie z.B. verletze oder angefahrene Tiere, extreme Notsituationen, etc.) rufen Sie bitte umgehend die Polizei oder Feuerwehr der Stadt Dortmund an, da diese die direkte Durchwahl zur Einsatzleitung der Arche90 e.V. besitzt, die 24 Stunden erreichbar ist“ , ist auf der Seite des Vereins zu lesen.

Wer im Kreis Unna ein verletztes Tier findet, kann sich ebenfalls an die Polizei wenden. In Not befindliche Tiere werden laut Pentrop von den Kollegen an einen Tierarzt übermittelt. Wenn ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz möglich ist, ermittelt die Polizei.

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Polizei ermittelt in dem Fall von Husky Sky

So ist es auch in dem Fall Sky. Die Ermittlungen gegen die mutmaßliche Täterin, die den Hund möglicherweise verletzt hat, laufen. Laut Aussage der Tierfreunde Kamen war der Hund mit Erde bedeckt, sie schließen nicht aus, dass er lebendig begraben wurde.

Die Frau, die mit ihm alleine war, soll gesagt haben, dass er gestorben ist und sie ihn dann vergraben hat. Der Hund könnte sich selber befreit und in den Kellereingang geschleppt haben. Doch was genau geschehen ist, ist noch nicht klar. Es ist ein komplizierter Fall, in den die Polizei und die Staatsanwaltschaft nun Licht bringen werden.

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Die Polizei und Tierschutzvereine sind aber nicht die einzigen beiden Stellen, die über verletzte Tiere informiert werden oder sie auffinden. Auch das Ordnungsamt hat manchmal damit zu tun. „Das sind aber Einzelfälle“, sagt Amtsleiterin Patricia Höchst. Es komme vor, dass Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Außendienst auf verwundete Tiere stoßen, selten wenden sich auch Bürger an die Stadt. Handele es sich um Wild, dann werde der Jagdaufsichtsberechtigte kontaktiert. Haustiere wie Hunden oder Katzen bringt das Ordnungsamt zum Tierarzt. Eine Zusammenarbeit mit Tierschutzvereinen gibt es auch bei der Stadt nicht.

Fall „Sky“: Nicht alle öffentlichen Stellen kooperieren mit Tierschützern

Die Dortmunder Tierschutzorganisation Arche 90 ruft die Bürger dazu auf, sich bei der Polizei oder bei der Feuerwehr zu melden, weil man dort die direkte Durchwahl zur Einsatzleitung hat. Auch die Bergkamener Feuerwehr kooperiert mit den hiesigen Tierschutzvereinen. © Claudia Pott

Feuerwehr liegen sämtliche Nummern vor – auch von den Tierfreunden Kamen

Anders sieht das bei der Feuerwehr aus. Laut Feuerwehrchef Dirk Kemke liegt der Leitstelle eine Liste mit Telefonnummern vor. Darauf stehen nicht nur Tierärzte, sondern zum Beispiel auch die Tierfreunde Kamen. Die Feuerwehr weiß, dass der Verein sich vor allem um Katzen kümmert und wendet sich an die Tierfreunde, wenn sie ein Kätzchen gerettet hat.

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Die Einsatzkräfte bringen Tiere, die Hilfe benötigen und wenn kein Besitzer in der Nähe ist, dorthin, wo ihnen geholfen wird.

„Wir lassen kein Tier zurück.“
Dirk Kemke, Feuerwehrchef

Das können spezielle Anlaufstellen wie Eichhörnchen-Auffangstationen sein, Tierärzte oder eben die Tierfreunde Kamen.

Und es kommt nicht selten vor, dass die Bergkamener Feuerwehr zu tierischen Einsätzen gerufen wird. Im Sommer retten Kemke und seine Leute regelmäßig Kätzchen, die im Kippfenster eingeklemmt sind.

Das sei ein „bekanntes Phänomen“, das für die Tiere tödlich enden kann. Ist in solchen Fällen kein Halter in Sicht, eilt die Feuerwehr selber zum Tierarzt. „Wir lagern auch Tiertransportboxen in einem Gerätehaus“, erklärt Kemke. „Wir lassen kein Tier zurück.“

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