Nach dem 29. Februar: Finger weg von Bäumen und Büschen

dzGrünschnitt

Wer Büsche und Bäume im eigenen Garten beschneiden oder sogar fällen will, sollte damit nicht mehr lange warten. Sonst droht Ärger. Der Baumexperte der Stadt wirbt aber ohnehin für mehr Grün.

Bergkamen

, 13.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Regen und die Kälte zurzeit laden nicht unbedingt zur Gartenarbeit ein. Trotzdem sollte sich der eine oder andere Gartenbesitzer überlegen, ob er lieber die Zähne zusammenbeißt und bestimmte Arbeiten schon jetzt in Angriff nimmt. Das gilt immer dann, wenn er Büsche roden, Bäume fällen oder Grün stark beschneiden will.

Auch der Landesbetrieb Straßen muss sich bei Rodungsarbeiten ans Gesetz halten. Mit der Rodung für den ersten Bauabschnitt der L 821n begann er im vergangenen Jahr am vorletzten möglichen Tag.

Auch der Landesbetrieb Straßen muss sich bei Rodungsarbeiten ans Gesetz halten. Mit der Rodung für den ersten Bauabschnitt der L 821n begann er im vergangenen Jahr am vorletzten möglichen Tag. © Stefan Milk

Bundesnaturschutzgesetz verbietet Arbeiten ab dem 1. März

Solche Arbeiten sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz nur bis Ende Februar erlaubt. Das heißt: Der 29. Februar ist in diesem Jahr der letzte Tag, an dem sie erlaubt sind, ab dem 1. März sind sie bis zum Herbst verboten.

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Die Stadt und andere öffentliche Auftraggeber wissen das. Deshalb nimmt der Baubetriebshof Pflegemaßnahmen auf Grünflächen in Schönhausen schon jetzt vor, bei denen Sträucher stark zurückgeschnitten werden. Auch der Landesbetrieb Straßen NRW will und muss die Trasse für die geplante L 821n noch im Februar freischneiden.

Auch Eigentümer von Privatgärten müssen sich an das Bundesnaturschutzgesetz halten. Außerdem können Gehölze durch Satzungen unter Schutz stehen. Die Stadt rät, sich vor Rodungs- oder Rückschnittarbeiten bei ihr zu erkundigen.

Auch Eigentümer von Privatgärten müssen sich an das Bundesnaturschutzgesetz halten. Außerdem können Gehölze durch Satzungen unter Schutz stehen. Die Stadt rät, sich vor Rodungs- oder Rückschnittarbeiten bei ihr zu erkundigen. © Foto: Tina Nitsche.

Gesetz gilt auch für Privatgrundstücke

Das Gesetz gilt auch für Privatgrundstücke, auch wenn die Regel dort nicht ganz so strikt angewendet wird, wie Frank Golz sagt, der so etwas wie der Baumbeauftragte der Stadt Bergkamen ist. Grundsätzlich dürfen private Eigentümer auch nach dem 29. Februar Bäume fällen, Büsche roden oder beschneiden – jedoch mit einer Einschränkung: Sie dürfen dabei brütende Vögel nicht stören und auch andere Tiere nicht beinträchtigen, die im Baum oder den Büschen leben.

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Mit anderen Worten: Wenn sich Eichhörnchen eine Hecke als Lebensraum ausgesucht haben, ist sie in dieser Zeit tabu – genau so, wenn sich dort Vögel eingenistet haben.

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Gartenbesitzer können dabei viel falsch machen, auch wenn es in Bergkamen keine Baumschutzsatzung gibt. Oft könnten Laien gar nicht beurteilen, ob in der Hecke oder im Baum Tiere leben, sagt er. Er hat außerdem oft mit Beschwerden von Nachbarn zu tun, weil sich doch jemand am Grün vergriffen hat, obwohl dort Tiere leben.

Grün- und Strauchschnitt nimmt der Wertstoffhof entgegen.

Grün- und Strauchschnitt nimmt der Wertstoffhof entgegen. © Roman Grzelak

Stadt rät, vor den Arbeiten nachzufragen

Golz rät deshalb bei solchen Maßnahmen, schon vorher Kontakt mit ihm aufzunehmen. Er begutachtet Bäume und Sträucher und sagt, ob es auch keine Probleme macht, sie zu fällen oder zu beschneiden. Hinzu kommt, dass ganz unterschiedliche Behörden für den Schutz von Grün zuständig sein können.

Entsorgung

Der Wertstoffhof nimmt den Grünschnitt an

  • Wer seinen Grünschnitt nicht häckseln und selbst kompostieren will, kann ihn zum Wertstoffhof an der Justus-von-Liebig-Straße bringen.
  • Er nimmt auch Rasenschnitt an.
  • Die Kosten richten sich nach der Menge. Ein 100-Liter-Sack kostet einen Euro, ein Kofferraum Grünschnitt 2,50 Euro, ein Kombi fünf Euro, ein Kleinanhänger bis 750 Kilogramm zulässigen Gesamtgewicht 10 Euro und der Inhalt eines größeren Anhängers, eines Kleintransporters oder eines Kleinbusses 20 Euro.
  • Die Kreisabfallgesellschaften bietet an den Wertstoffhöfen mehrfach verwendbare Transportsäcke für 1,50 Euro pro Stück an. Das Viererpack kostet fünf Euro.
  • Baumstämme nehmen die Wertstoffhöfe nicht an. Sie müssten zur Abfüllanlage in Fröndenberg-Ostbüren gebracht werden.
  • Die GWA-Abfallberatung regt an, jemanden zu suchen, der einen Kaminofen und Interesse an Brennholz hat.

Wenn ein Garten schon am Ortsrand und im Bereich eines Landschaftsplans liegt, ist nicht die Stadt, sondern die Untere Landschaftsbehörde beim Kreis Unna zuständig. Der Kreis hat auch eine ganze Liste von Bäumen, die als „Naturdenkmal“ unter Schutz stehen.

Bäume oder Büsche können auch durch einen Bebauungsplan oder durch eine Gestaltungssatzung unter Schutz stehen, auch wenn sie auf einem Privatgrundstück stehen. Es ist deshalb auf jeden Fall besser, sich vor Fäll- oder Rodungsarbeiten bei der Stadt zu erkundigen, bevor Gartenbesitzer anschließend Ärger bekommen.

Pflanzen sind gut für das Klima in der Stadt

Golz appelliert ohnehin an Gartenbesitzer, sich genau zu überlegen, ob es notwendig ist, die Büsche oder Bäume zu fällen. Falls es sein muss – zum Beispiel, weil sie krank sind – sollten sie sich überlegen, ob sie Ersatz pflanzen. „Pflanzen liefern Sauerstoff, binden Staub und verbessern das Mikroklima am Haus“, erklärt der Fachmann. Außerdem haben sie nachweislich positive Auswirkungen auf die menschliche Psyche – gute Gründe, Büsche und Bäume zu pflanzen.

Wenn es darum geht, neue Bäume zu pflanzen, sind der städtische Baumexperte und seine Kollegen bereit zu helfen. Wegen des Klimawandels sind nicht alle Bäume gleich gut für ein Leben in der Stadt geeignet. Birken oder Fichten sind Flachwurzler, die bei Stürmen schnell umgerissen werden. Außerdem kommen nicht alle Baumarten gleich gut mit dem Klima in der Stadt zurecht. Die Strahlungshitze vom Pflaster, wenig Wasser und Nährstoffmangel lassen manche Bäume schnell krank werden.

Frank Golz vom Amt für Planung, Tiefbau und Umwelt ist im Bergkamener Rathaus unter Tel. (02307)965-317 zu erreichen.
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