Cold Case: Junge Männer gaben vor 22 Jahren schon DNA-Proben ab

dzRaubmord in Oberaden

Nach dem Mord an Anne Saußen hat die Polizei hat die Polizei DNA-Spuren 1998 DNA-Spuren gesichert. Junge Männer aus der Umgebung wurden zum Test gebeten. Jetzt keimt neue Hoffnung auf.

Bergkamen

, 16.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unmittelbar nach dem Tötungsdelikt an der damals 84 Jahre alten Anne Saußen in der Nacht zum 24. März 1998 war der ermittelnde Staatsanwalt Dr. Heiko Artkämper noch sehr zuversichtlich. Er ging davon aus, dass die Polizei den oder die Täter spätestens nach wenigen Tagen gefasst haben würde. Er sollte sich täuschen. Der mutmaßliche Raubmord an der allein lebenden Witwe ist immer noch nicht aufgeklärt.

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Der Staatsanwalt war damals zuversichtlich, weil es viele Spuren gab. Der oder die Täter hatten bei der Tat zwar wahrscheinlich Handschuhe getragen und keine Fingerabdrücke hinterlassen. Die Polizei konnte damals aber schon DNA-Spuren feststellen und sichern.

Das Opfer Anne Saußen, genannt „Änne“, war damals 84 Jahre alt. Sie wohnte schon seit über 30 Jahren in der Wohnung in der sogenannten „Ruhr-Lippe-Siedlung“, in der sie umgebracht wurde.

Das Opfer Anne Saußen, genannt „Änne“, war damals 84 Jahre alt. Sie wohnte schon seit über 30 Jahren in der Wohnung in der sogenannten „Ruhr-Lippe-Siedlung“, in der sie umgebracht wurde. © Polizei Dortmund

Auch damals gab es schon den Versuch, anhand der DNA den Täter zu fassen. Die Polizei rief vor allem jüngere Männer aus Oberaden auf, eine Probe abzugeben. Sie ging davon aus, dass der Täter aus dem näheren oder zumindest dem weiteren Umfeld des Opfers stammte. 1998 gelang es der Polizei jedoch nicht, den Täter auf diesem Wege zu finden. Sie stellte keine Übereinstimmung fest.

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„Es gab damals keinen dringenden Tatverdacht gegen irgendjemanden“, fasst Sandra Lücke von der Staatsanwaltschaft Dortmund zusammen. Sie hat mittlerweile die Ermittlungen in dem „Cold Case“ übernommen. Dennoch hofft sie, dass die DNA den Täter jetzt, nach 22 Jahren, doch noch überführen könnte. Mittlerweile könnten die Wissenschaftler wesentlich mehr Erkenntnisse aus der damals sichergestellten Täter-DNA gewinnen, die auf den Täter hinweisen.

Das Opfer lebte im ersten Obergeschoss. Der oder die Täter stiegen nachts mithilfe einer Leiter ein.

Das Opfer lebte im ersten Obergeschoss. Der oder die Täter stiegen nachts mithilfe einer Leiter ein. © Stefan Milk

Die Ermittler gingen damals aufgrund von mehreren Indizien davon aus, dass der oder die Täter aus dem weiteren Umfeld des Opfers stammten. Das erste Indiz: Sie suchten sich Anne, genannt „Änne“ Saußen offenbar gezielt als Opfer aus. Die Täter stiegen damals nachts gezielt über eine Ausziehleiter in die Wohnung des Opfers ein, die sich im ersten Obergeschoss befand. Zuvor hatte jemand die Telefonleitung am Haus durchtrennt. Damals gab es zwar schon Handys, aber die hatte fast noch niemand.

Telefonkabel am Haus war durchtrennt

Die Tat ereignete sich in der Nacht vom 23. auf den 24. März 1998, damals ein Montag und ein Dienstag. Schon am Freitag zuvor hatte jemand das Telefonkabel am Haus durchtrennt. Es gab Vermutungen, dass der Einbruch schon für diesen Tag geplant war, aber aus irgendwelchen Gründen scheiterte.

Der Täter verwendete damals ein solche dreiteilige Ausziehleiter, um ins Obergeschoss einzusteigen. Sie ist schon zusammengeschoben sehr lang. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass der Täter sie über eine größere Distanz unbemerkt zum Tatort mitgenommen hat.

Der Täter verwendete damals ein solche dreiteilige Ausziehleiter, um ins Obergeschoss einzusteigen. Sie ist schon zusammengeschoben sehr lang. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass der Täter sie über eine größere Distanz unbemerkt zum Tatort mitgenommen hat. © Polizei Dortmund

Ein weiteres Indiz, dass für einen Einbrecher sprach, der in der Nähe wohnte, war die Leiter. Die Polizei vermutete zunächst, dass der Täter sie in der Nähe aus einem Keller oder Gartenschuppen gestohlen hatte. Wie sich später herausstellte, stammte sie aber wohl aus einem Diebstahl im Götzen-Baumarkt in Hamm – heute der Toom-Baumarkt an der Dortmunder Straße in Hamm. Der Täter muss die auch zusammenschoben über zwei Meter hohe Leiter mitgebracht haben – was über eine weite Strecke eher unwahrscheinlich ist.

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Ob er Anne Saußen tatsächlich töten wollte, steht nicht fest: Die 84-Jährige erstickte auf ihrem Bett an dem Knebel, den ihr der Täter angelegt hatte.

Bis zu diesem Montag hatte die Polizei in Dortmund noch keine neuen Erkenntnisse zu dem Fall. So schnell sei damit aber auch nicht zu rechnen, sagt Kriminalhauptkommissar Torsten Sziesze von der Pressestelle der Polizei in Dortmund. Diejenigen, die etwas zu dem Fall wissen, müssten die erneute Fahndung erfahrungsgemäß noch etwas sacken lasen, sagt er. Sie benötigten Zeit zu überlegen – ob sie ihr Gewissen erleichtern oder ob sie bereit sind, für die Belohnung von 5000 Euro Informationen preiszugeben.

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