Mutmaßlicher Doppelvergewaltiger äußert sich nun auch zur zweiten Tat

dzProzess in Dortmund

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Doppelvergewaltiger von Kamen und Bergkamen ist auf die Zielgerade eingebogen. Kurz vor den Plädoyers meldete sich der Angeklagte noch einmal zu Wort.

Bergkamen

, 21.09.2020, 17:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

An den ersten 17 Verhandlungstagen hatte sich der 25-jährige Kamener – wenn überhaupt – dann nur zu einem der beiden Anklagepunkte geäußert. Am Montag änderte sich das. Über das Wochenende hatte der Angeklagte zusammen mit seinem Verteidiger Marco Ostmeyer eine Erklärung zu der zweiten mutmaßlichen Vergewaltigung vorbereitet. Tenor: Auch in diesem Fall sei alles einvernehmlich abgelaufen.

Die Anklage wirft dem vorbestraften 25-Jährigen vor, im August 2019 am Koppelteich in Kamen eine damals 16 Jahre alte Jugendliche gegen ihren Willen zum Sex gezwungen zu haben. Als ein Passant vorbeigelaufen sei, habe er ihr den Mund zugehalten und Todesdrohungen gezischt. Am Ende habe die Jugendliche die Misshandlungen über sich ergehen lassen.

„Keine Drohungen, kein Zwang“

Geht es nach dem Kamener ist das aber gar nicht wahr. „Wir waren am Koppelteich, weil sie in dieser Nacht einfach nicht nach Hause wollte“, hieß es in der von Verteidiger Ostmeyer verlesenen Erklärung. Das Mädchen habe ihn dann gebeten, mit ihrem Geld Drogen kaufen zu gehen. „Das wollte ich aber nicht“, so der Angeklagte.

Schließlich habe er die Situation dann tatsächlich für sich ausgenutzt, gab er zu. Für den Fall, dass sie sich zu spontanem Geschlechtsverkehr in einem Gebüsch am Koppelteich einverstanden erklären würde, würde er darüber nachdenken, ihr doch Drogen kaufen zu gehen. „Ich habe sie aber nicht bedroht oder sonst irgend etwas in Richtung Zwang getan“, so der 25-Jährige. Die Jugendliche habe jedenfalls eingewilligt.

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„Sie hätte gehen können“

In dem Gebüsch ist es dann nach Angaben des Angeklagten tatsächlich zu sexuellen Handlungen gekommen. Dass die 16-Jährige dies nicht wollte, will der Kamener nicht mitbekommen haben. Im Anschluss sollen sich beide wieder auf ihre Fahrräder gesetzt und den Heimweg angetreten haben. „Sie hätte aber auch schon vorher jederzeit gehen können“, hieß es am Montag in der Erklärung des Angeklagten.

Die Richter planen nun, das Verfahren in noch zwei Verhandlungstagen abzuschließen. Noch im September sollen Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung plädieren. Und an einem weiteren Termin Mitte Oktober soll dann der Angeklagte die Gelegenheit zu seinem sogenannten letzten Wort erhalten, ehe anschließend das Urteil verkündet wird.

Im Fall einer Verurteilung droht dem Kamener vor allem wegen seiner einschlägigen Vorstrafen eine lange Haftstrafe und möglicherweise die Sicherungsverwahrung.

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