Mord und Totschlag in Skandinavien

dzLesung mit drei Autoren

Auch in den statistisch glücklichsten Ländern gibt es Mord und Totschlag - zumindest in Büchern. Drei Autoren aus Skandinavien stellen ihre spannenden Ermittler-Reihen vor.

von Alexandra Prokofev

Bergkamen

, 09.11.2018, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Leichter Kerzenschein erhellt gemütlich die Tische, im Hintergrund spielt luxuriöse Verbrechermusik. Als die sympathischen und gewitzten Autoren dann ihre Werke vorstellen, vergeht den Besuchern plötzlich das Lachen. Denn an Tag 55 des Krimi-Festivals „Mord am Hellweg“ wird kein Blatt vor den Mund genommen. Moderatorin Alexa Christ führt das Publikum von einer kaltblütigen Geschichte zur nächsten.

Es beginnt im Süden Skandinaviens: Bevor Steffen Jacobsen aus Dänemark seinen Roman „Hybris“ vorstellt, lernen ihn Zuschauer und Moderatorin besser kennen. Der Autor erzählt von seiner Liebe zu arktischen Regionen und von endlosen Nächten der Arbeit. „Ich habe 5 Kinder und war orthopädischer Chirurg“, berichtet der Kopenhagener. Nach seiner Doktorarbeit wollte er weiter schreiben. „Ein Verleger hatte Mitleid mit mir und dann erschien mein erstes Buch“, scherzt der Autor. Nach dem englischsprachigen Interview liest der deutsche Schauspieler Peter Lohmeyer einen Ausschnitt von Jacobsens neuem Werk. Zwei Ermittler arbeiten an zwei grausamen Morden, die miteinander verstrickt sind. Ob das Blut, das aus den pulsierenden Venen fließt oder die schmerzhafte Amputation des linken Daumens: Bei den detailreichen Beschreibungen des Autors zucken die Zuhörer auf ihren Plätzen zusammen und atmen auf.

Zwischen den Auftritten der Autoren gibt es Live-Musik vom Hellweg-Crime-Trio: Die bekannte Tatort-Melodie oder klassische Hits aus den James-Bond-Filmen schaffen eine noble und geheimnisvolle Verbrecherstimmung, wie man sie aus den Filmen mit Sean Connery kennt.

Mord und Totschlag in Skandinavien

Viveca Sten lässt Thomas Andreasson in den Schären ermitteln.

Horror in den Schären vor Stpckholm

Dann geht es weiter in den Norden: Viveca Sten aus Stockholm stellt eine ganz andere Art von Horror vor. Sten war 49-jährige Juristin mit drei Kindern, als sie ihren ersten Roman schrieb. „Ich dachte: Man muss nicht jeden Tag schlafen“, berichtet die Autorin. Schließlich gab sie ihren Beruf als Juristin auf und widmete sich neuen, psychologischen Horrorszenarien.

Auch die Figuren in ihren Büchern haben private Sorgen und Schwierigkeiten, zum Beispiel mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Das Leben ist so, manchmal schwierig, manchmal fantastisch“, sagt die Autorin. Dass es auch haarsträubend sein kann, zeigt ihr neuester Roman „Flucht in den Schären - ein Fall für Thomas Andreasson“. Darin geht es um eine Frau, die von ihrem gewalttätigen Mann, Kopf einer Drogenbande, geschlagen und misshandelt wird. Der Mord geschieht erst auf Seite 300, doch die Spannung staut sich mit jedem Kapitel. „Ich habe viel recherchiert, mit Betroffenen gesprochen und mit Psychologen“, berichtet sie. Ulrike Froleyks vom WDR liest einen Ausschnitt, bei dem der Druck des Mannes auf die junge Frau fast schon greifbar wird.

Mord und Totschlag in Skandinavien

Leena Lehtolainen beschäftigt sich mit dem Tod einer Sexualtäterin. © picture alliance / dpa

Beratung über Giftstoffe

Es geht weiter zum äußersten Norden. Leena Lehtolainen aus Finnland ist international für ihre schaurigen Geschichten bekannt. Ihr neuestes Buch handelt von Kindesmissbrauch – ein Thema, dass sie in 25 Jahren der „Maria Kallio“-Reihe immer vermeiden wollte.

„Ich habe zwei Söhne, es wäre mir unmöglich gewesen, dieses Buch zu schreiben, als sie noch klein waren: Ich hätte zu große Angst gehabt“, sagt die Autorin. Mit zwölf schrieb sie bereits ihren ersten Roman, der nächste folgte mit 17. Die Frage, wie viele Menschen sie bereits „um die Ecke gebracht“ hätte, kann sie nicht genau beantworten. „Wahrscheinlich so 35, mit den Kurzgeschichten 50“, schätzt die Autorin nachdenklich. Dabei hilft ihr ein Freund, ein Pharmakologe, der sie bei den Giftstoffen für ihre nächsten „Opfer“ berät. Ihr neuestes Buch handelt von einer Sexualstraftäterin, die Jungen missbraucht hat und nach ihrer Entlassung tot aufgefunden wird. Auch hier stockt den Besuchern bei der Lesung Peter Lohmeyers der Atem: präzise Beschreibungen der Umgebung und Gedankengänge wirken authentisch und angsteinflößend.

Am späten Abend verlassen die Besucher in schauernder Stimmung den Saal. Was bleibt, ist die Frage: Hat Skandinavien wirklich eine so düstere Seite?

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Das hat Folgen

Abkürzung Baustelle: Autofahrer ignorieren die Sperrung der Bergkamener Straße

Hellweger Anzeiger Feuerwehreinsatz

Fehlalarm durch Rauchmelder: So vermeidet man, dass die Feuerwehr die Tür eintritt

Hellweger Anzeiger Heiraten in Bergkamen

Neue Homepage: Mit diesem Angebot macht ein Hof dem Rathaus und der Marina Konkurrenz

Hellweger Anzeiger Hochstraße

Ehemaliges Wichernhaus: In die „Wichernhöfe“ sollen 2020 die ersten Bewohner ziehen

Meistgelesen