Mitten in der Corona-Krise verlieren elf Bergkamener das Dach über dem Kopf

dzHaus einsturzgefährdet

Mitten in der Corona-Krise haben elf Bergkamener ihre Wohnung verloren. Die LEG hat ein Haus an der Ernst-Reuter-Straße geräumt. Nach Angaben einer Bewohnerin hat das Gebäude schon lange Risse.

Bergkamen

, 23.03.2020, 19:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als ob die Corona-Krise nicht schon schlimm genug wäre: Elf Bergkamener haben jetzt auch noch ihr Zuhause verloren. Vermieter LEG hat am Wochenende ein Mehrfamilienhaus an der Ernst-Reuter-Straße in der City geräumt. Acht Mietparteien zu denen insgesamt elf Menschen gehören, mussten innerhalb kürzester Zeit ihre Wohnung verlassen. Wer an dem Eckhaus an der Ernst-Reuter-Straße vorbeikommt, sieht sofort, wie ernst die Lage ist. Das ganze Haus ist mit einem stabilen Bauzaun eingezäunt. Der Weg in den Vorgarten ist durch rot-weiße Sperrbalken versperrt. An der Wohnung unten rechts klaffen Risse im Mauerwerk. In Höhe der Decke hat sich die Außenwand schon einige Zentimeter nach außen herausgeschoben.

Einige Mieter räumen ihr Hab und Gut noch aus. Das Haus ist mit von einem stabilen Bauzaun umgeben und muss wohl abgerissen werden.

Einige Mieter räumen ihr Hab und Gut noch aus. Das Haus ist von einem stabilen Bauzaun umgeben und muss wohl abgerissen werden. © Michael Dörlemann

Hotelzimmer angeboten, aber viele gehen lieber zu Verwandten

Vor dem Haus ist eine Frau dabei, ihr Hab und Gut ins Auto zu packen. Die Pflanzen stehen noch auf dem Gehweg. Anderes hat sie schon verstaut. An der Haustür hängen Zettel der Mieter, wo sie jetzt zu erreichen sind. Nur auf einem der Zettel wird das „Hotel Stadt Kamen“ als neue Adresse angegeben. Alle anderen sind offenbar trotz der Corona-Gefahr lieber bei Verwandten und Freunden untergekommen.

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Der Vermieter LEG habe allen Mietern übergangsweise ein Hotelzimmer angeboten, ist zu erfahren. Angenommen hat es kaum einer der Bewohner. „Das wollten wir in diese Zeiten mit dem Virus nicht“, sagt eine Bewohnerin. Bei den Verwandten fühlt sie sich sicherer.

Probleme mit Bergschäden hat es nach Angaben von LEG-Sprecher Mischa Lenz schon länger gegeben. Das Haus stand schon länger unter der Beobachtung eines Sachverständigenbüros. Bei einer Mieterversammlung im Herbst seien die Mieter noch beruhigt worden: Wenn es zu einer Räumung komme, werde die LEG langfristig Bescheid geben.

Mieter haben Zettel an die Haustür geklebt, wo sie jetzt zu erreichen sind.

Mieter haben Zettel an die Haustür geklebt, wo sie jetzt zu erreichen sind. © Michael Dörlemann

Sachverständige empfehlen die sofortige Räumung

Dafür war offenbar nach dem letzten Besuch der Gutachter keine Zeit mehr. Er kam zu dem Ergebnis, dass das Haus so stark einsturzgefährdet ist, dass die Mieter es schnellstmöglich verlassen müssen. Noch am Samstag hatte die LEG die Mieter verständigt, dass sie ihre Wohnungen bis spätestens Dienstag verlassen müssen. Der Vermieter hatte ein Umzugsunternehmen engagiert und die Einlagerung der Möbel organisiert. Die LEG habe die Kosten der Unterbringung übernommen oder zahle denjenige, die bei Verwandten untergekommen ist , eine Pauschale, teilte Lenz mit.

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Zurück in ihre Wohnungen können die Mieter nie wieder. Die LEG will ihnen Ersatzwohnungen anbieten.

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