Der Impfbus steht auf dem Bergkamener Wochenmarkt und Hevidar Yildirim und Ibrahim Celiktas, Mitarbeiter der Stadt Bergkamen, werben bei Marktbesuchern dafür, dass die Menschen sich impfen lassen. Die beiden sprechen Menschen mit Migrationshintergrund gegebenenfalls auch in ihrer Muttersprache an. © Stefan Milk
Impfbus in Bergkamen

Mit Video: „Viele sprechen kaum Deutsch“ – Impf-Werbung mal anders

Mit den Impfbussen sollen möglichst alle Menschen erreicht werden – doch was ist mit denen, die kaum Deutsch sprechen? Auf dem Markt in Bergkamen wurde dafür eine Lösung gefunden, die funktioniert.

„Wenn ich höre, dass auf Türkisch geredet wird, spreche ich die Menschen direkt in ihrer Landessprache an“, sagt Hevidar Yildirim. Damit bricht die Kurdin gleich eine Barriere zu den Händlern oder den Besuchern des Bergkamener Marktes, die vielleicht nicht so gut oder nicht so gern Deutsch sprechen.

Die Integrationsmanagerin Yildirim spricht unter anderem Türkisch und Kurdisch. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Ibrahim Celiktas, Verwaltungsfachangesteller im Rathaus, ist sie am Donnerstag auf dem Stadtmarkt unterwegs. Die beiden werben für die Corona-Impfung, die es an diesem Tag am Impfbus gibt, der auf dem Markt steht. Und zwar nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Türkisch und Kurdisch.

Hevidar Yildirim und Ibrahim Celiktas beraten auf dem Wochenmarkt über die Corona-Impfung. © Stefan Milk © Stefan Milk

Die beiden sind erfolgreich: Über 20 Menschen haben sie noch vor 12 Uhr überzeugt. Wobei „Überzeugen“ eigentlich das falsche Wort ist.

Denn Celiktas und Yildirim informieren viel mehr und klären auf. Menschen, die unsicher Deutsch sprechen und vielleicht gar nicht mitbekommen haben, was es mit dem Impfbus auf sich hat, bekommen von ihnen in der Muttersprache Informationen rund um die Corona-Impfung – und werden darauf aufmerksam gemacht.

Ängste nehmen und alles verstehen: Mehrsprachige Impf-Aufklärung

Yildirim findet es wichtig, dass mehrsprachig auf die Menschen zugegangen wird. Ihr ist aufgefallen, dass tatsächlich viele Marktbesucher und Händler kaum Deutsch sprechen. Mit einer Ansprache in der Muttersprache würden Sprachbarrieren überwunden und auch Menschen erreicht, die bislang nicht so viel mitbekommen haben. „Es ist wichtig, auf sie zuzugehen statt zu warten.“

Der Erfolg der beiden zeigt, dass es hier offenbar wirklich Bedarf gibt. Und die Sprache hilft nicht nur bei der Verständigung. Wenn sie mit den Menschen in ihrer gewohnten Sprache kommuniziere, in der sie sich auch wohlfühlen, nehme das auch Ängste, erklärt Yildirim.

Einige ließen sich denn auch gleich vor Ort impfen, andere haben mit den beiden einen Termin für eine Impfung am nächsten Tag vereinbart. „Manche sind beim Impfbus unsicher und möchten vorher noch einmal mit ihrem Arzt sprechen“, hat Celiktas in Gesprächen auf dem Markt erfahren. Einige seien auch bereits geimpft oder genesen. Manche sind noch skeptisch, was die Impfung betrifft, berichtet Celiktas.

Aufklärung würde auch in noch mehr Sprachen Sinn machen

Yildirim glaubt, dass es sich lohnen würden, so eine Aufklärung in noch mehr Sprachen anzubieten. Die Integrationsmanagerin hat auf dem Markt auch Menschen getroffen, die Arabisch und Afghanisch sprechen. Ihnen konnte sie nicht in ihrer Muttersprache begegnen.

Aufgehalten hat sie das nicht. Sie und Celiktas haben am Donnerstag alle Menschen, egal wie alt und egal mit welcher Herkunft, über das Angebot des Impfbusses informiert und aufgeklärt. „ Auf Deutsch und zur Not auch mit den Händen“, schmunzelt Yildirim.

Die Impf-Aktion auf dem Bergkamener Wochenmarkt wurde gut angenommen. © Stefan Milk © Stefan Milk

Die beiden sind mit vollem Elan dabei. Das ist löblich, doch ihr Einsatz auf dem Markt zeigt zudem auch, dass solche Angebote noch ausgeweitet werden können und Bedarf da ist. Schließlich will der Kreis mit den mobilen Impf-Aktionen, die übrigens weiterhin gut angenommen werden, alle Menschen direkt vor Ort ansprechen.

Und dazu gehören eben auch jene, die auf einer anderen Sprache angeredet werden möchten oder müssen. Die Idee, den Türken Celiktas und die Kurdin Yildirim ins Boot zu holen, war eine gute, die nun weiter ausgebaut werden kann.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott

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