Kaan Eren vor dem Haus, in dem er noch bei seiner Mutter wohnt. Der 27 Jahre alte Sportwissenschaftler will ein Haus kaufen, aber die Suche ist schwierig. © Marcel Drawe
Häuser und Wohnungen

Mit Video: Stau auf dem Immobilienmarkt – Bergkamener sucht jetzt „offline“

Junge Familien, die ein Haus und ältere Menschen, die eine Wohnung suchen, haben das gleiche Problem: Das Angebot ist gering. Der Bergkamener Kaan Eren hat für sich eine ungewöhnliche Lösung gefunden.

Das Problem ist schon beim Blick auf die Immobilienangebote zu sehen, die in der Eingangshalle der Sparkasse Bergkamen-Bönen hängen. Ein großer Teil der wenigen Exposés von Häusern und Wohnungen, die dort hängen, tragen in rot den Vermerk „verkauft“. Er habe eine Warteliste von Kunden, die eine Immobile suchen als er Angebote machen kann, räumt Frank Friße, der Immobilienberater der Sparkasse ein.

Auch bei Neubaugebieten gibt es meist viele Interessenten. Das Unternehmen Bonava, das Häuser auf dem Gelände der ehemaligen Heide-Hauptschule in Weddinghofen baut, hatte schon Interessenten, bevor überhaupt öffentlich war, welche Häuser gebaut werden.

Wie schwer es ist, in Bergkamen eine Wohnung oder ein Haus zu finden, hat auch der Bergkamener Kaan Eren festgestellt. Der Sportwissenschaftler, der vor kurzem das Studium abgeschlossen hat, sucht schon seit etwa zwei Jahren eine Immobilie, weil er seine Freundin in diesem oder im nächsten Jahr heiraten und mit ihr zusammenziehen möchte. Bisher lebt er noch bei seiner Mutter in einer Wohnung in einem Wohn- und Geschäftshaus an der Töddinghauser Straße.

Was preisgünstig ist, befindet sich oft in einem schlechten Zustand

Erst habe er nach einer Wohnung gesucht. Die wenigen Wohnungen, die er überhaupt gefunden habe, seien zu teuer gewesen, berichtet Eren. „Das, was meinen Preisvorstellungen entsprochen hat, war meist in einem sehr schlechten Zustand“, sagt er. Er suchte und sparte weiter. Vor einiger Zeit begann er, nach einem Haus als Alternative zur Wohnung zu suchen. Er will erst einmal ein kleineres Haus kaufen, um seine Ersparnisse anzulegen und Kapital zu bilden. „Wenn ich später etwas größeres kaufen will, dann habe ich schon einen Grundstock“, sagt er.

Bei vielen Immobilien, die über die Sparkasse angeboten werden, gibt es bereits den Vermerk „verkauft“. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Bei der Suche nach einem Haus, machte er jedoch ähnliche Erfahrungen wie vorher bei der Wohnungssuche. Er schaute sich zunächst auf den Online-Portalen um, auf denen Immobilien angeboten werden. Seine Erfahrung: „Wenn sie dort stehen, sind sie eigentlich schon weg.“ Wenn er sich meldete hörte er meist das gleiche, was an den meisten Immobilienangeboten in der Sparkasse steht: „Schon verkauft“.

Durch die Straßen gelaufen und Bekannte gefragt

Eren machte sich deshalb auf eine im Internet-Zeitalter ungewöhnliche Art und Weise auf die Suche – „offline“, wie er es nennt. Er fuhr oder lief durch die Straßen und hielt Ausschau nach Häusern, die unbewohnt aussahen. Er erzählte im Freundes- und Bekanntenkreis herum, dass er ein Haus sucht – und hoffte so auf ein Angebot zu stoßen, dass noch nicht den Weg in ein Online-Immobilienportal gefunden hat.

Zurzeit werden Fernwärme- und andere Leitungen auf das Baugelände verlegt. © Stefan Milk © Stefan Milk

Dabei ist es noch nicht einmal so, dass es keine verkaufswilligen Hauseigentümer gibt, hat Friße festgestellt. Es ist vielmehr so, dass der Generationenwechsel bei den Immobilien gestört ist. Viele ältere Haueigentümer, bei denen die Kinder aus dem Haus sind, seien durchaus bereit, sich von dem großen Haus und Garten zu trennen.

Viele, die verkaufen würden, finden nichts neues

Voraussetzung: Sie finden eine geeignete, möglichst barrierefreie Wohnung, die sie kaufen oder mieten können. Und genau daran mangelt es. Wer beispielsweise über das Immobilienportal der Sparkasse sucht, muss den Umkreis um Bergkamen schon weit ziehen, um überhaupt einige wenige Wohnungen und Häuser zu finden – zum Beispiel in Hamm oder Holzwickede. Auch auf den anderen Portalen ist das Angebot überschaubar.

Mit anderen Worten: Auf dem Immobilienmarkt herrscht ein Stau, weil die Zirkulation an einer entscheidenden Stelle verstopft ist. Das ist offenbar eine Folge davon, dass in den vergangenen Jahren zu wenig neue Wohnungen gebaut wurden.

Die Stadt will sich dafür einsetzen, dass im neuen Quartier Berg-Karree Wohnungen gebaut werden, die den Ansprüchen zur Kinderbetreuung genügen. © 3dpixel © 3dpixel

In Bergkamen zumindest könnte eine gewisse Entspannung eintreten, wenn das „Berg Karree“ auf der Fläche der ehemaligen Turmarkaden fertig ist. Dort sollen schon allein mehr als 100 barrierefreie Mietwohnungen entstehen. Auch auf der ehemaligen Zeche Grimberg 3/4, auf dem Gelände des Wichernhauses an der Hochstraße und auf der Fläche einer ehemaligen Gärtnerei am Stadtmuseum in Oberaden sind Wohnungen geplant.

Kaan Eren hat möglicherweise bei seiner Offline-Suche etwas gefunden. Er hat Chancen, ein Reihenhaus in Weddinghofen zu kaufen.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann
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