Poco-Markteiter und sein Team gehen stellvertretend für ihre Kunden auf Shopping-Tour: Was telefonisch bestellt wird, sammeln sie per Einkaufswagen im Markt ein. © Marcel Drawe
Möbel-Discounter

Mit Video: So läuft es bei Poco im Lockdown

Der Poco-Möbelmarkt in Rünthe ist geschlossen, nimmt aber Bestellungen an – per Internet und Telefon. Damit die Kunden ihre Ware kontaktlos abholen können, betreiben die Mitarbeiter großen Aufwand.

Wenn nicht die Fahrstuhl-Musik aus den Lautsprecher erschallen würde, wäre es ruhig in dem großen Poco-Markt an der Industriestraße. Sehr ruhig. Die eingängigen Melodien finden allenfalls den Weg in die Ohren der wenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die durch die leeren Gänge laufen.

Schließlich gilt der Lockdown auch für Poco, alle Filialen in Deutschland sind geschlossen. In Bergkamen bleiben Marktleiter Markus Blacha und seine Kollegen unter sich.

Poco-Mitarbeiterin Manuela Krämer nimmt telefonische Bestellungen entgegen und kassiert – kontakt- und bargeldlos versteht sich. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Das bedeutet aber keineswegs, dass sie gar keinen Kundenkontakt haben. In der Vorwoche habe das Telefon 100 bis 150 Mal am Tag geklingelt, berichtet Blacha. Und nachdem Poco, dessen Zentrale sich auf der anderen Seite der Industriestraße befindet, seit diesem Montag mit der telefonischen Bestellmöglichkeit wirbt, dürften noch deutlich mehr Anrufe kommen.

Wer anruft, landet nicht im Call-Center

Wer zwischen 9 und 15 Uhr die Nummer (02389) 9900450 wählt, der landet nicht etwa in einem Call-Center, verspricht Blacha. Wer durchkommt, spricht tatsächlich mit einem der Mitarbeiter des Bergkamener Poco-Marktes.

Zu Beginn des Lockdowns hätten sich vor allem Kunden gemeldet, die Ware bestellt hatten und nicht wussten, ob sie sie auch noch abholen können, berichtet Blacha. Können sie. Inzwischen rufen aber vermehrt Käufer an, die Möbel oder Einrichtungsgegenstände bestellen möchten. Natürlich geht das auch online. Aber das direkte Gespräch hat eben auch Vorteile.

Ein Poco-Mitarbeiter bringt die Ware auf den Parkplatz, der Kunde wartet so lange im Auto. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Nicht jeder Kunde hat die Bestellnummer des Artikels parat, den er erwerben möchte. „Idealerweise schaut man vorher im Internet nach“, sagt Blacha. Das vereinfacht den Bestellvorgang enorm. Aber es gibt auch Kunden, die das nicht tun oder auch solche, die noch gar nicht ganz genau wissen, was für ein Stück sie kaufen wollen.

Mitarbeiter suchen im Markt den richtigen Artikel

In so einem Fall macht sich ein Mitarbeiter auf den Weg durch den Markt, bis der richtige Artikel gefunden ist. „Wir bemühen uns, alle Wünsche zu erfüllen“, sagt Blacha. Auch, wenn der Kunde exakt weiß, was er möchte, ist das mit Fußarbeit verbunden.

Zumindest dann, wenn sich der gewünschte Artikel nicht im Lager gegenüber des Marktes, sondern tatsächlich in den Verkaufsräumen befindet. Das ist vor allem bei kleineren Einrichtungsgegenständen und Zubehör der Fall, sagt Blacha. Und gerade die seien während des Lockdowns sehr nachgefragt.

Dann macht sich ein Poco-Mitarbeiter auf den Weg durch die leeren Gänge. Er packt die gewünschten Sachen in einen Einkaufswagen und stellt außerdem einen Kaufvertrag aus. „Der Kunde bekommt dann von uns ein Zeitfenster, wann er die Ware abholen kann“, erläutert Blacha.

Die Kundin steigt erst aus, wenn der Poco-Mitarbeiter den Wagen mit den Bestellungen abgestellt und sich entfernt hat. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Bezahlt wird kontakt- und bargeldlos an einem Fenster seitlich des Haupteinganges. Danach setzt sich der Kunde wieder in sein Auto, ein Marktmitarbeiter stellt die bestellten Sachen daneben ab. Wenn er sich entfernt hat, kann der Kunde aussteigen und seine Einkäufe einpacken – ohne auch nur mit einem Poco-Menschen in Kontakt gekommen zu sein.

Es gibt viele Stammkunden aus Bergkamen

Natürlich würden Blacha und Co. die Käufer viel lieber im persönlichen Gespräch beraten. „Wir haben viele Stammkunden aus Bergkamen, die wir mit Namen kennen“, sagt der Marktleiter. Aber die können er und seine Kollegen derzeit nur auf die coronakonforme Weise bedienen. Weil dadurch deutlich weniger Betrieb herrscht, wird auch weniger Personal benötigt.

Als noch Kunden kommen durften, wurden sie in eine improvisierte Wartezone gelenkt. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Normalerweise gibt es bei Poco in Bergkamen rund 76 volle Stellen, auf denen insgesamt etwas 100 Menschen arbeiten. Im Markt sind derzeit gerade einmal zwölf Leute aktiv. „Der Arbeitgeber hat sie nach sozialen Kriterien ausgesucht“, versichert Blacha.

Im Lager ist etwas mehr los, dort arbeiten rund 70 Prozent der Belegschaft. Das hängt nicht nur mit den aktuellen Bestellungen zusammen. Der Warenbestand müsse gesichert sein, meint Blacha. Irgendwann ist der Lockdown vorbei und Poco darf wieder öffnen.

Und dann rechnet Blacha mit einem ähnlichen Ansturm wie bei der Wiedereröffnung im Frühjahr: „Am ersten Tag standen die Leute in einer 100 Meter langen Schlange.“

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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Johannes Brüne
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