Wer diesen Einkaufswagen mitnehmen will, hat Pech. Er ist mit einer Wegfahrsperre gesichert. Marktleiter Tuna Elmülk kann ihn per Fernbedienung wieder entsperren. © Stefan Milk
Schutz vor Einkaufswagen-Klau

Mit Video: Ein Bergkamener Markt hat eine Wegfahrsperre für Einkaufswagen

Unter den vielen Einkaufswagen, die in Bergkamen in der Gegend herumstehen, ist eine bestimmte Discounter-Marke nur sehr sparsam vertreten. Sie setzt in ihrer Filiale auf eine technische Lösung.

Im Penny-Markt an der Landwehrstraße herrscht am Samstagmittag reger Betrieb. Die Kunden wollen offenbar nicht dazu beitragen, dass Bergkamen zum Friedhof für herrenlose Einkaufswagen wird: Sie stellen die Wagen nach dem Einkauf dort ab, wo sie hingehören. Allerdings ist es auch gar nicht so leicht, einen Penny-Einkaufswagen aus Bergkamen-Mitte mitzunehmen und vom Parkplatz zu schieben.

Der Discounter ist der einzige Einkaufsmarkt rund um den Nordberg, der über eine Wegfahrsperre für Einkaufswagen verfügt. Man erkennt sie daran, dass die vordere linke und hintere rechte Rolle der Wagen schwarz und nicht grau sind. Darin befinden sich Chips.

Unter dem Pflaster der Ausfahrt zur Landwehrstraße liegt eine Induktionsschleife. Wenn die schwarzen Räder darüber rollen, blockieren sie, der Wagen lässt sich nicht mehr bewegen. Erst wenn Marktleiter Tuna Elmülk oder einer seiner Mitarbeiter ihn per Fernbedienung entsperren, kann man ihn wieder schieben.

Penny setzt die Sperre da ein, wo es Probleme gibt

„Wir setzen das System in vielen unserer Märkte ein“, sagt Penny-Bezirksleiter Benedikt Ungerechts. Dort, wo es die räumlichen Gegebenheiten es zulassen – und vor allem dort, wo das Problem mit den abhanden gekommenen Einkaufswagen besonders groß ist. In Bergkamen-Mitte ist es das, überall in den Wohngebieten und rund um die Erich-Ollenhauer- und die Fritz-Husemann-Straße stehen herrenlose Wagen herum.

Die Wegfahrsperre scheint zu funktionieren. Einkaufswagen von Penny sichtet man in Bergkamen-Mitte außerhalb des Marktgeländes nur sehr selten. Die Oberadener Penny-Filiale an der Jahnstraße verfügt nicht über so ein System. Aktuell sei dort so eine Investition auch nicht geplant, heißt es aus der Regionsleitung West in Köln.

Weitere Wegfahrsperren sind in Bergkamen nicht geplant

Auch andere Handelsketten haben Erfahrungen mit Wegfahrsperre gesammelt, wie sie auf Anfrage mitteilen. Kaufland, Netto und Lidl berichten, dass sie die Sperr-Technik an einzelnen Standorten einsetzen. In Bergkamen ist das aber nicht geplant.

Einen gewissen Aufwand muss man dafür schon treiben. Der Penny an der Landwehrstraße ist 2014 mehr oder weniger komplett neu gebaut worden. Die Sperre gegen den Einkaufswagen-Klau ist allerdings erst ein paar Jahre später installiert worden. Das Pflaster der Einfahrt wurde aufgerissen und nach dem Einbau der Schleife erneuert.

Penny-Marktleiter Tuna Elmülk (r.) und Bezirksleiter Benedikt Ungerechts müssen sich keine Sorgen über abhanden gekommene Einkaufswagen machen. © Stefan Milk © Stefan Milk

Es gibt auch Supermarkt-Ketten, die wenig von einem solchen System halten. Rewe Dortmund zum Beispiel, zu der die Märkte in Oberaden und Am Roggenkamp gehören. Eine „Zweckentfremdung von Einkaufswagen ist kein Massenphänomen“, schreibt die Dortmunder Pressestelle in einer E-Mail. Daher verzichte Rewe auf „komplizierte Wegfahrsperren“, um die Kunden nicht unter Generalverdacht zu stellen oder beim Einkauf zu behindern.

Ein Einkaufswagen kostet um die 160 Euro

Gleichwohl ist ein verschwundener Einkaufswagen ein Kostenfaktor. Der Preis für einen neuen beträgt laut Penny-Bezirksleiter Ungerechts bei etwa 160 Euro. Außerdem sind die Einkaufswagen in der Corona-Pandemie nützlich: Mit ihrer Hilfe lässt sich einfach überprüfen, wie viele Menschen gerade in einer Filiale sind.

Damit möglichst jeder Kunde einen Einkaufswagen benutzt, hat der Penny an der Landwehrstraße derzeit das Pfandsystem deaktiviert, sagt Ungerechts: „Das machen wir nur in Märkten, die eine Wegfahrsperre haben.“

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
Zur Autorenseite
Johannes Brüne
Lesen Sie jetzt