Gisbert Hebeler am Klavier. Der 79-Jährige aus Unna gibt am kommenden Mittwoch ein Konzert im Herrmann-Görlitz-Zentrum. © Marcel Drawe
Hermann-Görlitz-Zentrum

Mit Video: Besucher im Seniorenheim wird durch Zufall Konzertpianist

Eigentlich war Gisbert Hebeler aus Unna nur zu einem Besuch im Hermann-Görlitz-Seniorenzentrum in Bergkamen. Jetzt hat er dort einen außergewöhnlichen Besuchstermin: Er gibt ein Konzert.

Etwa alle zwei Wochen macht sich der Unnaer Gisbert Hebeler zusammen mit seiner Schwester Brigitte Mosebach auf zu einem Besuchstermin im Bergkamener Hermann-Görlitz-Seniorenzentrum. Der Anlass ist eigentlich schon ungewöhnlich genug: Der 79-Jährige und seine Schwester besuchen dort regelmäßig sein ehemaliges Kindermädchen, das jetzt schon 97 Jahre alt ist.

Sie habe selbst keine Nachkommen und deshalb kommen die Kinder, die sie als junge Frau betreut hat, sie immer noch regelmäßig besuchen. Unter anderem spielen die beiden Geschwister dann immer Rommé mit ihrem früheren Kindermädchen.

Beim Warten auf das Ende eines Gewitters auf dem Klavier gespielt

Der letzte Besuch vor einigen Tagen endete jedoch völlig anders als geplant. Er sei schon auf dem Weg nach draußen gewesen, berichtet Mosebach, aber wegen eines Gewitters hätten sie noch gewartet. Da sei ihm im Lichthof ein altes Klavier aufgefallen. „Meine Schwester hat gesagt: Du kannst doch Klavier spielen – spiel´ doch mal was“, erinnert sich Hebeler. Er habe dann ein wenig auf dem Klavier herumgespielt – wenn auch nicht besonders gut, wie er findet. Das Klavier sei völlig verstimmt gewesen und einige Tasten hätten gar keinen Ton mehr hervorgebracht.

Das ist auch kein Wunder: Es handelt sich um das alte Klavier der Einrichtung. „Es ist nicht mehr zu stimmen und dient deshalb nur noch der Dekoration“, sagt Einrichtungsleiter Ludger Moor. Eindruck hat Habelers kleine Klaviereinlage aber trotzdem gemacht. Es hätten sofort viele Bewohner geschaut. „Und jemand hat gesagt: Endlich spielt mal jemand Klavier“, erinnert sich der 79-Jährige.

Seniorenzentrum hat auch ein gestimmtes Klavier

Am kommenden Mittwoch, 14. April, ab 15.30 Uhr zeigt er im Hermann-Görlitz-Zentrum, was er auf einem gestimmten Klavier kann. Hebeler hat sich bereit erklärt ein kleines Konzert für die Bewohner zu geben. Das Klavier, auf dem er spielt, steht im großen Saal des Seniorenzentrums und wird sonst für die Gottesdienste verwendet, wie Moor sagt. Beim Konzert werden natürlich alle Corona-Auflagen eingehalten, versichert der Einrichtungsleiter.

Eigentlich hatte der Unnaer bei einem Besuch im Seniorenzentrum nur ein wenig auf einem Klavier geklimpert. Er hatte dort sein ehemaliges Kindermädchen besucht. Sie ist jetzt schon 97. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Für Gisbert Hebeler ist das Konzert ein ungewöhnliches Vorhaben. Klavier spielen sei für ihn ein „reines Hobby“ und er sei dabei auch fast ein Autodidakt. Bei seinem Aufritt im Hermann-Görlitz-Zentrum will er unter anderem Variationen von Tschaikowsky spielen, kündigt er an. Die Musik und die Kultur wurden ihm aber in die Wiege gelegt: Beide Eltern hätten Klavier gespielt, berichtet er und er selbst engagiert sich schon lange für Kunst und Kultur. Unter anderem ist er Mitglied im Kulturkreis Unna, für den er schon Fahrten für Kinder ins Konzerthaus nach Dortmund organisiert hat.

Klassik muss sich gegen die Liebe zur Volksmusik durchsetzen

Moor hofft, dass Hebeler mehr als nur das eine Konzert ehrenamtlich im Seniorenzentrum gibt und regelmäßig wiederkommt. Das Hermann-Görlitz-Zentrum bietet immer wieder einmal Musikern eine Bühne. Ab und zu sind sogar schon Schüler aufgetreten, die sich gemeldet haben und die städtische Musikschule hat ein großes Neujahrskonzert gegeben.

Auf Gisbert Hebeler wartet auch die Aufgabe, die Bewohner von der klassischen Musik zu überzeugen, die er macht. Moor ist jedenfalls schon gespannt wie ein Klavierkonzert mit Klassik bei ihnen ankommt. Die Vorlieben im Hermann-Görlitz-Zentrum sind jedenfalls eindeutig. „Wir sind hier nun einmal in einer Bergbaugegend“, sagt er. „Etwa 80 Prozent der Bewohner lieben Volksmusik.“

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann
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