Anna Kuhfuß rettet Igel – viele davon sind jung und unterernährt. Zurzeit wohnt aber auch eine angeschlagene Igel-Mama bei Kuhfuß. © Stefan Milk
Tierschutz

Mit Video: Bergkamenerin rettet dieses Jahr besonders viele Igel

Anna Kuhfuß päppelt Igel auf. Häufig sind sie zu klein und zu schwach für ihr Alter. Wer ein Tier findet, kann sich bei der Bergkamenerin melden. Sie erklärt, warum es immer mehr Tiere werden.

Hier raschelt Zeitungspapier, in einer anderen Ecke hustet jemand leise und in einer anderen Box schmatzt ein Igel genüsslich vor seinem Napf mit Katzenfutter, bevor er sich wieder zurückzieht in seinen Handtuchhaufen.

Nebenan ist Anna Kuhfuß damit beschäftigt, einen jungen Igel von einer Zecke zu befreien, danach gibt es Medizin, denn der kleine „Jasper“ hat einen Hautpilz. Kuhfuß trägt eine Stirnlampe, damit sie gut sehen kann, was sie da tut. Immerhin ist der Kleine winzig. Viel zu winzig und leicht für einen Igel, der bald Winterschlaf halten soll.

Noch nicht einmal 200 Gramm wiegt der Kleine. Normalerweise müsste er 400 oder mehr wiegen, damit er mit 550 bis 600 Gramm in den Winterschlaf gehen kann. Er ist längst nicht der einzige unterernährte Igel, der ohne Hilfe nicht über den Winter kommen würde. „Wir hatten einen großen Wurf mit neun Babys, die nur 120 bis 140 Gramm wogen“, erzählt Kuhfuß.

Besonders viele hilflose Igel in diesem Jahr

Kuhfuß weiß genau, wie sie die kleinen Igel auf Winterschlaf-Gewicht bringt: Gutes Futter und Wärme, damit die stacheligen Körper nicht zu viel Energie verbrennen. Für die Igelexpertin ist das mittlerweile Routine. Sie weiß, wie viel und welche Medizin ihre Schützlinge brauchen. Sogar ein Inhalationsgerät steht bereit, falls eine Atemwegserkrankung behandelt werden muss.

Aktuell päppelt Kuhfuß in ihrem Wohnzimmer 28 Tiere auf – die meisten davon sind unterernährt oder haben Lungenprobleme. 20 Tiere sind bei ihrer Partnerin untergebracht und weitere in Pflegestellen. „Aktuell versorgen wir über 80 Tiere“, sagt Kuhfuß. Tiere, die dank des Einsatzes der Ehrenamtler in den meisten Fällen überleben.

Anna Kuhfuß gibt den Igeln selbst Medikamente und bringt die Tiere aber auch zum Tierarzt ihres Vertrauens. © Stefan Milk © Stefan Milk

Dass es so viele sind, ist laut Kuhfuß ungewöhnlich. „Dieses Jahr ist es die Hölle.“ Das liege einerseits daran, dass es generell immer weniger Insekten, also Futter für die Igel, gibt. Das Hochwasser habe zusätzlich Insekten und Larven aus dem Boden gespült, so die 39-Jährige. Nahrung ist dieses Jahr also besonders knapp und durch die vom Wasser zerstörten Baue verzögerten sich laut Kuhfuß zum Teil die Geburten. Viel Zeit bleibt den Kleinen dann nicht, sich ordentlich Masse anzufuttern.

Gut, dass Kuhfuß mittlerweile bekannt ist in Bergkamen und die Menschen sich bei ihr melden, wenn sie einen Igel finden – entweder nimmt die 39-Jährige die Tiere auf oder gibt den Findern Tipps zur Pflege und zur Ernährung. Wenn nichts mehr hilft, lässt Kuhfuß die Tiere einschläfern, damit sie keine Qualen erleiden müssen.

Anna Kuhfuß aus Bergkamen freut sich über Spenden für die Igel

Die 39-Jährige päppelt seit eineinhalb Jahren Igel auf. Was mit einem Findling begann, ist heute ein Fulltimejob. Kuhfuß arbeitet ehrenamtlich und freut sich deshalb über Spenden jeglicher Art. Auch für handwerkliche Hilfe beim Aufbauen von Regalen für die Tiere wäre sie sehr dankbar. Ebenso über Pflegestellen oder auch Außenstellen, wo die Tiere Futter bekommen. Wer helfen will, wie auch immer, erreicht Kuhfuß unter Tel. (0152) 31808099.

Bei der Behandlung der Igel setzt Kuhfuß eine Stirnlampe auf, um zum Beispiel die Haut besser untersuchen zu können. © Stefan Milk © Stefan Milk
Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott

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