Wer auf den Hof des Umweltkontors fährt, erblickt riesige Berge Holz. Draußen wird es sortiert und gelagert. Im Inneren der großen Halle rappelt es dann ordentlich.

18.10.2019, 17:52 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kraftvoll schiebt ein Bagger mit seiner Schaufel einen großen Holzhaufen zusammen. Paletten, Leisten, Platten und andere Holzreste krümmen sich oder brechen, während sie nach oben auf den Holzberg wandern. Der Haufen wächst immer weiter in die Höhe und ergibt mit den übrigen Holzhaufen eine Art Hügellandschaft im Innenhof des Umweltkontors.

Lkw in allen Größen fahren dort ein und aus, um ihre Holzabfälle abzuladen. Auch ein paar Pkw mit kleinen Anhängern wagen sich hierhier. Im Jahr sind es rund 9.000 Fahrzeuge, die rund 200.000 Tonnen Holz anliefern. Sie fahren beladen auf eine Waage, die aussieht, wie eine einfache Betonplatte. Ohne das Holz müssen sie auf der anderen Seite ebenfalls über eine Waage fahren. Daraus errechnet sich der Preis, den die Lieferanten dafür zahlen, dass sich das Umweltkontor um ihren Abfall kümmert.

Mit Mammut-Maschinen: So werden im Umweltkontor Paletten zerstückelt

Lkw liefern ununterbrochen Altholz an. Das will sortiert und danach zerkleinert werden. © Borys P. Sarad

Und das tut er auf zweierlei Arten. „Das Holz geht in die stoffliche Verwertung in die Spanplattenindustrie oder in die thermische Verwertung“, erklärt Martin Görner, der Geschäftsfeldleiter Recycling. Aus dem Holz entstehen also entweder neue Möbel oder Strom. „Nichts wird entsorgt.“

Die Besonderheit an dem Bayer-Nachbar auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Monopol ist die direkte Verbindung mit einem Kraftwerk. Holz das sortiert und zerstückelt worden ist, findet seinen direkten Weg in die Öfen des Biomasse-Kraftwerkes nebenan. „Es kommt nur selten vor, dass ein Kraftwerk direkt versorgt wird“, sagt Görner. Das Kraftwerk sei auch der Hauptabnehmer des Umweltkontors.

Mit Mammut-Maschinen: So werden im Umweltkontor Paletten zerstückelt

Direkt neben der großen Halle des Umweltkontors befindet sich ein Biomasse-Kraftwerk, das mit Altholz gespeist wird. © Pott

Mammut und Grizzly zerstückeln das Holz

Die Anlieferer müssen zunächst an der gewaltigen, 1,5 Hektar großen Halle vorbeifahren, bis sie auf dem Hof der Firma ankommen. Der ist noch einmal knapp 10 Hektar groß. Während das Holz dort die meiste Zeit auf Haufen herumliegt, geht es in der Halle ordentlich zur Sache. Dort warten auf die Paletten und Co. Maschinen mit Namen wie Grizzly oder Mammut. Dass solche Maschinen Tiernamen haben, sei nicht unüblich, meint Betriebsleiter Christian Blank.

Zunächst wird das Holz aber erst einmal auf Laufbändern und sogenannten Vibro-Rinnen transportiert und ordentlich durchgerüttelt. Dann geht es den Stücken richtig an den Kragen. „Der Zerkleinerer schafft bis zu 80 Tonnen pro Stunde“, sagt Blank. Der Zerkleinerer ist denn auch die Maschine, die den Namen Grizzly trägt, der kleinere Zerkleinerer heißt Mammut. Es folgen Maschinen, die mit Magneten Metalle wie Nagelschrott herausfiltern, „Keiner will Metalle in seinem Möbelstück haben.“

Mit Mammut-Maschinen: So werden im Umweltkontor Paletten zerstückelt

Auf Laufbändern wandern die Holzstücke durch die große Halle – entweder werden sie zu Möbeln oder zu Energie. © Borys P. Sarad

So sichert das Unternehmen den Brandschutz

In der großen Halle ist es düster – und feucht. Auf dem Boden haben sich am Nachmittag schon kleine Pfützen gebildet. Dass die Halle, in der rund 90 Mitarbeiter im Zwei-Schicht-Betrieb arbeiten, an eine Tropfsteinhöhle erinnert, hat zwei Gründe: Brandschutz und Reduzierung der Staubentwicklung. Feine Düsen besprühen den Raum, in dem es sonst sicherlich unangenehm staubig wäre.

Dass das Umweltkontor Brandschutz groß schreibt, ist naheliegend. „In der Halle gibt es keinen Zentimeter, der nicht mit Löschwasser erreichbar ist“, erklärt Görner und zeigt auf die Rohre und Anschlüsse, an denen die Feuerwehr im Notfall Wasser abzapfen kann. Auch auf dem Platz, wo die Holzhaufen liegen, sind reichlich Wasserquellen vorhanden.

Dass die Holzhaufen ständig zusammengeschoben werden und durch Gassen voneinander getrennt sind, hängt ebenfalls mit dem Brandschutz zusammen. Die Haufen dürften maximal 40 mal 40 Meter groß sein und der Abstand zwischen den Haufen müsse 10 Meter groß sein, erklärt Blank.

Mit Mammut-Maschinen: So werden im Umweltkontor Paletten zerstückelt

Betriebsleiter Christian Blank (l.) und Geschäftsfeldführer Martin Görner führen über das riesige Firmengelände des Umweltkontors. © Borys P. Sarad

Sternchenholz wird verbrannt

Auf einigen dieser Haufen liegt unbearbeitetes Holz, das noch zu Möbeln verarbeitet werden kann, auf anderen, größeren Haufen lagert Holz, das bearbeitet wurde. Neben kleineren Stücken wie Fensterrahmen oder alten Türen, liegen dort auch ganze Telegrafenmasten, die damals noch aus Holz waren. Auch sie sind laut Görner bearbeitet.

Firmenporträt

Das Umweltkontor in Zahlen

  • Die Firma, die bis vor kurzem noch Holzkontor hieß, gehört zur Geiger-Unternehmensgruppe aus Oberstdorf im Allgäu.
  • Es bereitet seit über 21 Jahren Altholz auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Monopol auf. Wo früher eine Kohlewäsche untergebracht war, wird heute Holz sortiert, zerkleinert und gefiltert.
  • Das Unternehmen arbeitet auch mit den Wertstoffhöfen vieler Kommunen zusammen. Holz, das Verbraucher dort hinbringen, landen also oftmals auch auf dem 11 Hektar großen Gelände der Firma Umweltkontor.
  • Der Umweltkontor besitzt 19 eigene Lkw, mit denen es Holz von Betrieben oder Kommunen abholen kann. In ein Fahrzeug passen rund 20 Tonnen Altholz.
  • Jährlich laden dort rund 9.000 Lkw 200.000 Tonnen Holz ab.
  • Theoretisch kann dort auch jede Privatperson ihr Holz loswerden. Das Kontor ist montags bis freitags zwischen 6 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Weitere Informationen zu dem Unternehmen gibt es unter www.umweltkontor.de

Auf den Haufen liegt auch sogenanntes Sternchenholz – das allerdings nicht so harmlos ist wie der Name anmuten lässt. Ein Sternchen hinter der Bezeichnung des Holzes stehe dafür, dass es belastet ist, erklärt Blank. So sei etwa ein eingebauter Fensterrahmen harmlos – sobald er aber ausgebaut ist, werde das Holz zu gefährlichem Abfall.

Dass es dafür eine Bezeichnung gibt, mit dem ein fachfremder Mensch nicht viel anfangen kann und dass Maschinen im Holzsektor Tiernamen haben können, erklärt sich Blank ganz einfach: „Das ist hier eine eigene Welt.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Bergbau-Erinnerung

Mit vielen Bildern: Die Oberadener Bergleute holen die Heilige Barbara nach Hause

Meistgelesen