Mit dem Segway auf die Halde

dzTour durch das Ruhrgebiet

Auf seiner Segway-Tour durch alle Städte und Gemeinden des Ruhrgebietes macht Dirk Welter natürlich auch in Bergkamen Station. Und hier gefällt es ihm so gut, dass er wiederkommen will.

Bergkamen

, 13.11.2018, 14:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Dirk Welter am Dienstagvormittag das Hafencafé in der Marina betritt, wirft er zunächst einmal einen suchenden Blick auf die Steckdose im Gastraum. Ein kurzes Gespräch mit dem freundlichen Personal und schon hat er die Erlaubnis, den Elektro-Motor seines Segways hier aufzuladen, während er seinen Kaffee trinkt. Also schiebt Welter das zweirädrige Gefährt, auf dem der Fahrer aufrecht steht, in das Café und schließt es an das Stromnetz. Das muss er häufiger tun. „Wenn es kalt ist, hat der Akku eine Reichweite von 15 bis 20 Kilometer“, sagt Welter. Und weil er seit Ende Oktober auf einer Segway-Tour durch alle 53 Kommunen des Ruhrgebietes ist, sucht er oft nach einer Steckdose. Aber das hat auch seine Vorteile: „Man lernt dadurch viel nette Menschen kennen und hat interessante Begegnungen.“ Ähnlich geht es ihm bei seinen Übernachtungen: Die bucht er über das Internet-Portal „Couch Surfing“, auf dem Privatleute Gästen ihren Unterkünfte anbieten. So lernt Welter die Menschen in den Ruhrgebietsstädten kennen – eines der Ziele seiner Reise. Dabei ist dem Mann mit dem Segway die Region alles andere als fremd: „Ich bin in Essen geboren worden und 1,2 Kilometer von der Zeche Zollverein entfernt aufgewachsen“, erzählt er. „Mein Vater ist dort als Bergmann eingefahren.“ Umso mehr interessiert er sich für die Veränderungen im Ruhrgebiet. Bei seiner Tour will er einen Blick auf den Strukturwandel werfen. Die Marina ist dafür natürlich ein passender Ort. Schließlich war das schicke Sportbootzentrum einst ein schnöder Industriehafen.

Welter, der für seine Rundfahrt als „Ruhrlander“ firmiert, hat auch eine andere Bergkamener Bergbau-Hinterlassenschaft besucht: Mit seinem Segway ist er auf die Halde gefahren. „Die Aussicht ist großartig“, schwärmt er. Und das interessiert ihn auch aus professionellen Gründen. Welter betreibt in Essen eine Agentur, die geführte Segway-Touren im Ruhrgebiet anbietet. Nachdem er die Fahrt von der Halde zur Marina ausprobiert hat, hat er sie in sein Angebot aufgenommen. Die „Bergkamener Alpentour“ findet sich bereits auf der Homepage der Agentur „vorwärts! ruhr“.

Bis sich allerdings die ersten Segway-Fahrer tatsächlich über die Halden-Wege und durch die Marina rollen, muss es erst einmal Frühjahr werden. „Die Segway-Saison ist für dieses Jahr vorbei“, sagt Welter. Das gibt ihm ja die Zeit für seine ausgiebige Rundfahrt: Er startete am 29. Oktober in Essen und will sie am 21. Dezember in Bottrop abschließen. An jenem Tag, an dem mit der letzten Schicht der dortigen Zechen Prosper-Haniel die Geschichte des Steinkohlebergbaus in Deutschland zu Ende geht.

Dabei hält er natürlich auch Ausschau nach neuen Touren für seine Agentur. Aber das sei eigentlich nur ein positiver Nebeneffekt, sagt er. „Im Mittelpunkt steht die Lust, das Ruhrgebiet, seine Geschichte und die Menschen, die hier leben, kennenzulernen. Ein Segway sei dafür das ideale Gefährt. Dafür gelten die gleichen Regeln wie für Fahrräder, Welter darf also auf öffentlichen Wegen und Straßen und zum Beispiel auch entlang des Datteln-Hamm-Kanals fahren. Dort ist er relativ gemächlich unterwegs. „Das Segway hat eine Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h“, sagt er. „Ich fahre aber im Schnitt höchstens 13 km/h.“ Das ist viel langsamer als ein E-Bike. „Aber deren Fahrer machen zwar Strecke, aber sie sehen kaum etwas von der Landschaft“, hat der Ruhrlander beobachtet. Der Segway hingegen ist auch als Aussichtsplattform geeignet. Denn dank der Plattform steht der Fahrer 21 Zentimeter höher als er es gewohnt ist: „Das verschafft eine ganz neue Perspektive.“

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