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Der Eichen-Prozessionsspinner macht vielen Menschen Angst. Der Baubetriebshofs ist jeden Tag im Einsatz, um die Raupen zu bekämpfen. Sie haben sich in diesem Jahr fast explosionsartig vermehrt.

Bergkamen

, 11.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Michael Schulde vom Bergkamener Baubetriebshofs, der mit dem Hubsteiger zu den Kronen der Eichen in der Otto-Wels-Straße in Rünthe aufsteigt, sieht aus wie bei einem Kampfeinsatz. Er ist komplett in einen weißen Schutzanzug mit Kapuze gehüllt, trägt Handschuhe, Mundschutz und eine Schutzbrille. Seine Kollegen am Boden halten Passanten vom Hubsteiger fern. Eine Mutter, die vorbeikommt, warnt ihren halbwüchsigen Sohn: „Komm bloß nicht zu nah´ an die Bäume.“

Mit dem Sauger auf der Jagd nach giftigen Raupen

Der Gärtner zeigt die Raupen und ihr Nest an einer Eiche. Die Tiere können sich in fünf Minuten bis zu zwei Meter weit fortbewegen, haben die Mitarbeiter des Baubetriebshofs festgestellt. © Stefan Milk

„Brennhaare“ verursachen allergische Reaktionen

Der Einsatz des Baubetriebshofs gilt einem Feind, der maximal fünf Zentimeter lang wird und auf den ersten Blick harmlos wirkt: den Raupen des Eichen-Prozessionsspinners. Die Raupen bilden in der dritten von insgesamt sechs Entwicklungsstufen sogenannte „Brennhaare“ mit Widerhaken aus, die ein Nesselgift enthalten. Wenn sie sich bedroht fühlen, schießen sie die Haare ab. Das Gift an den Haaren löst allergische Reaktionen aus – die von juckenden Quaddeln bis zu Asthmaanfällen reichen können. Im Extremfall ist sogar ein lebensgefährlicher allergischer Schock möglich.

Keine Gefahr beim Vorbeigehen

Heike Schneider, die zum Bekämpfungstrupp des Baubetriebshofs gehört, gibt allerdings zumindest Teilentwarnung. Wer nur an Eichen vorbeigeht oder nur kurz unter den Bäumen stehen bleibt, ist ungefährdet. Anfassen sollte man weder die Tiere noch ihre Nester, die wie Zuckerwatte aussehen. Auch ein längerer Aufenthalt, zum Beispiel zum Picknick, unter Eichen ist nicht ratsam, wenn man keine unangenehmen Bekanntschaft mit den Brennhaaren machen will. Während die Tiere und die Nester von den Bäumen abgesaugt werden, sollten sich Passanten nicht in der Nähe aufhalten. Die Tiere nutzen auch Brennhaare zum Nestbau. Teile von alten Nestern können beim Absaugen herunterfallen.

Mit dem Sauger auf der Jagd nach giftigen Raupen

Michael Schulde ist durch Schutzkleidung, Atemmaske, Brille und Handschuhe vor den Brennhärchen geschützt. Die Schutzkleidung wechselt er nach jedem Einsatz, also mehrmals am Tag. © Stefan Milk

Stadtverwaltung spricht von einer „Epidemie“

In diesem Jahr hat der Befall von Eichen im Bergkamener Stadtgebiet die Form einer Epidemie angenommen, sagt Hans Irmisch, der Sachgebietsleiter Tiefbau und Grünflächen bei der Stadtverwaltung. Nach Beobachtung des Baubetriebshofs sind in Bergkamen etwa drei Viertel aller Eichen von den Raupen befallen. „Wir gehen davon aus, dass die Situation in den Nachbarstädten ganz ähnlich ist“, sagt Irmisch.

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Eigenen Sauger angeschafft

Anders als die meisten Nachbarstädte hat der Bergkamener Baubetriebshof einen eigenen Sauger, mit dem sich die Tiere und die Nester wirkungsvoll aus den Bäumen entfernen lassen. Die Raupen waren im vergangenen Jahr erstmals in größeren Mengen an Bergkamener Eichen aufgetreten. In der Zeit, in der die Raupen die Brennhaare ausbilden, wollte die Stadt eigentlich ein Unternehmen beauftragen sie abzusaugen. „Die waren aber Ende Juni/Anfang Juli komplett ausgebucht“, sagt der städtische Baumexperte Frank Golz. Deshalb hat die Stadt einen eigenen Sauger angeschafft.

Mit dem Sauger auf der Jagd nach giftigen Raupen

Wenn die Raupen mit einem Stock berührt werden, ziehen sie sich zusammen und verschießen die Brennhaare in die Umgebung. © Stefan Milk

Bakterium sollte erneuten Befall verhindern

Wie sich herausgestellt hat, war das der richtige Schritt. Im Frühjahr hatte die Stadtverwaltung noch gehofft, die Ausbreitung des Eichen-Prozessionsspinners einzudämmen, indem sie die Bäume, die 2018 befallen waren, mit einen Bakterium impfte, das die Raupen zum Absterben bringt. Ohne großen Erfolg, wie sich jetzt zeigt. Ob zumindest die behandelten Eichen nicht erneut befallen wurden, steht noch nicht fest. „Wir sind noch nicht dazu gekommen, das zu kontrollieren“, sagt Schneider.

Einsatz an Kindergärten, Schulen und Sporthallen

Der Baubetriebshof entfernt die Tiere vor allem an Kindergärten, Schulen und Sporthallen – überall dort, wo die besondere Gefahr besteht, dass Kinder mit den Raupen in Kontakt kommen. An befallenen Waldstücken müssen meist Warntafeln reichen, die vor der Gefahr warnen.

Mit dem Sauger auf der Jagd nach giftigen Raupen

Schulde nimmt auch die alten Nester von den Bäumen und verpackt sie in Kunststoffbeutel. Die Raupen bauen die Nester auch aus ihren Haaren. Auch Brennhaare sind dabei. Deshalb sollten auch alte, verlassene Nester nicht berührt werden. © Stefan Milk

Beseitigung auf Privatgrundstücken ist Privatsache

Wer feststellt, dass eine Eiche auf seinem Privatgrundstück von den Prozessionsspinnern befallen sind, kann sich übrigens nicht an die Stadt wenden, um sie entfernen zu lassen. „Das würden wir auch gar nicht schaffen“, sagt Irmisch. Er gibt privaten Grundstückseigentümern den Rat, eine Fachfirma mit der Beseitigung zu beauftragen. Auf keinen Fall sollten sie versuchen, Nester selbst zu entfernen, zum Beispiel durch Abflämmen. „Dann besteht die Gefahr, die Brennhaare erst richtig in der Umgebung zu verteilen“, sagt Irmisch. Dann ist es besser, einfach einen längeren Aufenthalt unter der Eiche zu vermeiden.

Wenn sich die Raupen verpuppen, ist die Gefahr fast vorbei

Spätestens wenn sich die Raupen verpuppen und Nachtfalter aus ihnen werden, ist die unmittelbare Gefahr vorbei. Dann ist es nur gefährlich, mit alten Nestern in Kontakt zu kommen.

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Baubetriebshof trifft aufwendige Sicherheitsvorkehrungen

Im Moment ist der direkte Kontakt jedoch so gefährlich, dass der Mitarbeiter des Baubetriebshofs, der den Sauger betätigt, nach jedem Einsatz den Schutzanzug wechselt. Auch nachdem der Trupp an der Otto-Wels-Straße fertig ist und zur Rünther Straße weiterzieht, ist der Wechsel fällig. „Fünf bis sechs Schutzanzüge verbrauchen wird am Tag“, sagt Schneider. Und die kosten pro Stück immerhin 25 Euro. Auch der Hubsteiger wird jeden Abend gründlich gereinigt, sodass kein Härchen haften bleibt.

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