Anna ist kein normales Schaf. Während ihre Artgenossen eher scheu sind, liebt sie Kuscheln. Das nutzen die Kinder bei den Kinderkulturtagen im Wasserpark aus. Einige hatten etwas Angst.

12.08.2019, 17:34 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sanft streicht ein Junge Anna über den Kopf. Die reckt sich nach vorn, schließt genussvoll die Augen und genießt die Streicheleinheit in vollen Zügen. Anna ist ein Schaf – aber kein normales, sondern ein regelrechtes Schmuse-Schaf. Seit Sonntag steht sie mit vier Lämmern in einem kleinen Gehege im Wasserpark und wartet nur so darauf, gestreichelt zu werden.

Normalerweise sind Schafe scheu. Doch die Exemplare, die die Jugendkunstschule für die Ferienaktion „Kinderkulturtage“ nach Bergkamen geholt hat, sind anders. Sie sind den Kontakt zu Menschen gewöhnt und wissen ihn zu schätzen. Und wenn sie ihre Ruhe wollen, dann legen sie sich einfach in eine Ecke des Geheges – und die Kinder akzeptieren das. „Sie sind ganz vorsichtig und behutsam“, sagt die Theaterpädagogin Birgit Schwennecker.

Schwennecker ist nicht zum ersten Mal Teil der Kinderkulturtage. Deshalb weiß sie, dass die Atmosphäre dieses Jahr eine andere ist. „Sonst gibt es Musik und Tanz. In diesem Jahr sind die Kinder ruhiger und konzentrierter.“ Und das ist nicht nur den stabilen, bequemen Strohballen verdanken, die die eher wackeligen Bierbänke in diesem Jahr ersetzen. Und auch nicht nur der Gruppengröße, die in diesem Jahr um etwa die Hälfte geschrumpft ist, um intensiver zu arbeiten, wie Gereon Kleinhubbert, Leiter der Jugendkunstschule, erklärt.

Mit Anna wollen alle kuscheln: Der Höhepunkt der Kinderkulturtage ist ein Schaf

In der Musikgruppe erzeugen die Kinder mit Klangstäben unterschiedliche Rhythmen. © Stefan Milk

Kinderkulturtage: Schafe haben eine beruhigende Wirkung

Einen großen Anteil an der entspannten Atmosphäre im Wasserpark haben sicherlich die Schafe. „Es sind genügsame und ruhige Tiere. Das weckt bei den Kindern Offenheit für die Tiere und beruhigt auch“, sagt Nic Koray vom Begegnungshof „HerzBerg“ in Herdecke. Koray hat selbst Schafe und wenn sie von den Qualitäten dieser Tiere spricht, dann färbt ihre Begeisterung fast ab.

Koray ist mit ihrer Kollegin – und ebenfalls Schafbesitzerin – Anna von der Lohe eine Woche lang im Wasserpark. Sie vermitteln den Kindern auf künstlerische Art, Werte, die in auch einer Schafherde einen hohen Stellenwert haben. Einer davon Gemeinschaft. „Wenn ein Schaf fehlt, dann kehrt der Hirte mit der ganzen Herde um und sucht das verlorene Tier“, sagt Koray. Aber auch ohne Hirte habe die Gemeinschaft bei den Herdentieren einen sehr hohen Stellenwert. Das Gemeinschaftswohl stehe noch über dem eigenen Wohl.

Koray und von der Lohe betreuen die Tanz- und Musikgruppe – eine von insgesamt vier Gruppen, die sich auf dem Gelände verteilt haben. Das Thema Gemeinschaft wollen die beiden in Klang und Schauspiel nachempfinden. Am Montag arbeiten sie mit Klangstäben. „Ein Kind erzeugt einen Klang, die anderen antworten“, sagt Koray. In den nächsten Tagen wird von der Lohe gemeinsam mit den Kindern aus den Bewegungen von Herdentieren einen Tanz erarbeiten – also gemeinschaftlich.

Mit Anna wollen alle kuscheln: Der Höhepunkt der Kinderkulturtage ist ein Schaf

Die Gestaltungsgruppe arbeitet konzentriert an Plastiken: Lara (l.) modelliert einen Hund, Sarah formt einen Hirten. © Stefan Milk

Am Freitag stellen die Kinder ihre Arbeit vor

Die Hirtengruppe ist dort stationiert, wo auch die Schafe untergebracht sind. Sie kuscheln nicht nur mit Anna, sondern füttern sie und die Lämmer auch und geben ihnen Wasser. Klara Ratajczak betreut die Station. „Manche Kinder hatten erst Angst“, sagt sie. Doch die Begegnung mit Kuschel-Schaf Anna änderte das schnell. Und darum geht es bei der Station unter anderem Auch: Ängste abbauen und den Kontakt zu den Tieren herstellen.

An der Station dreht sich aber nicht alles um die tierischen Gäste. Während drei Kinder ins Gehege dürfen, schnitzen andere Hirtenstöcke. Die Kinder schnitzen Muster ins Holz und dekorieren die Stöcke anschließend mit Federn und Leder. Zudem lernen die Kinder, wie man Wolle herstellt und hergestellt hat. Mithilfe einer Wollkämmmaschine stellen sie selbst Schnüre her und lernen an einer Handspindel, wie Schafwolle früher bearbeitet wurde.

Mit Anna wollen alle kuscheln: Der Höhepunkt der Kinderkulturtage ist ein Schaf

Mit einer echten Wollkämmmaschine lernen die Kinder, was aus Wolle entstehen kann. © Stefan Milk

Kinder modellieren kleine Figuren

Auf eine ganz andere Weise beschäftigt sich die Künstlergruppe mit dem Motto der Kinderkulturtage „Hirten der Welt“. Die Kinder sitzen konzentriert an Tischen und stellen kleine Figuren her, die zum Thema passen. Was genau sie herstellen, entscheiden sie selbst. Es entstehen nicht nur Schafe, sondern auch Hirten und Hunde. Zunächst werden die Figuren aus Draht geformt, der dann mit einer festen Knetmasse ummantelt wird.

Sind die Figuren getrocknet, werden sie bemalt. Das ist eine Herausforderung, im letzten Jahr hatte die Gruppe eine ganze Woche Zeit. „Jetzt nur einen Tag“, sagt Organisator Gereon Kleinhubbert. Im vergangenen Jahr gab es feste Gruppen, dieses Jahr probieren die Kinder jeden Tag ein anderes Modul aus.

Mit Anna wollen alle kuscheln: Der Höhepunkt der Kinderkulturtage ist ein Schaf

Im DRK-Zelt gab es in der Mittagspause eine frisch zubereitete Mahlzeit. © Stefan Milk

Eltern sollen ihre Kinder frühzeitig anmelden

Die Kinderkulturtage sind jedes Jahr wieder eine der beliebtesten Ferienaktionen in Bergkamen. Dieses Jahr sind 67 Kinder angemeldet, die Veranstaltung war schon früh ausgebucht. Es habe sehr viele Anfragen gegeben, sagt Kleinhubbert und gibt interessierten Eltern den Rat, ihre Kinder frühzeitig anzumelden. „Die Veranstaltung findet immer in der fünften Woche der Sommerferien statt.“ Wenn es nächstes Jahr wieder tierische Gäste gibt, dann ist eine frühe Anmeldung definitiv zu empfehlen: Anna, die einst Nummer 33306 hieß, kommt bei Jung und Alt sehr gut an.

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