Mit 90 gärtnern zwischen Kiwi und Rosenstock

dzKleingartenanlage „Immergrün“

Die Ferien neigen sich dem Ende zu und auf den Autobahnen staut es sich. Viele Kleingärtner sparen sich diesen Stress: Sie machen lieber Urlaub in ihren persönlichen Naherholungsgebieten.

von Sharin Leitheiser

Bergkamen

, 14.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Wir haben einen Blick in Bergkamener Kleingartenanlagen geworfen und nachgefragt, wie Pächter und Pflanzen die Hitzewelle und den Sommer überstehen.

Wasser werde nicht umsonst auch gern als Elixier des Lebens bezeichnet, erklärt Paul-Udo Eggert, der mit seiner Frau das Vereinsheim im KGV „Immergrün“ betreibt. „Der Grundwasserspiegel ist gesunken, es regnet nicht – das macht uns und den Pflänzchen natürlich zu schaffen.“
Winzige Kartoffeln haben die Eggerts in diesem Jahr geerntet, weil der Boden schlichtweg zu trocken sei. „Drei Mal haben wir versucht, neue Salatköpfe heranzuziehen, aber die sind immer sofort kaputt gegangen.“

Auf der anderen Seite entwickeln sich Eggerts Zucchini ohne viel Zutun zu „richtigen Schiffen“, seine Gewächshaus-Tomatenpflanzen tragen hunderte saftige, rote Früchte. Darauf ist der Kleingärtner merklich stolz. Und das, obwohl er als ehemaliger Bergmann eigentlich nie Interesse am Kleingärtnerwesen hatte: „Aber auf dem Campingplatz war es mir einfach zu eng und die Nachbarn zu kleinlich. Also habe ich mich von meiner Frau überreden lassen, einen Kleingarten anzumieten“, erinnert er sich.

Mit 90 gärtnern zwischen Kiwi und Rosenstock

Paul-Udo Eggert ist seit 27 Jahren zufriedener Kleingartenbesitzer im KGV „Immergrün“. Leitheiser

Persönliche Oase

Heute ist Paul-Udo Eggert seit 27 Jahren zufriedener Kleingarten-Besitzer im KGV „Immergrün“. „Das ist hier jetzt meine ganz persönliche Oase, hier bin ich glücklich.“

Einige Parzellen-Nummern weiter haben sich Lydia und Eduard Raisig ihre eigene Oase erschaffen. Zwar sind die beiden gebürtigen Russen schon 90 und 93 Jahre alt – aber wer ihren Garten Eden betritt, merkt schnell, dass sie körperlich genauso gut dreißig Jahre jünger sein könnten. Als sie ihren Kleingarten vor 15 Jahren angemietet haben, seien die Zweifel des damaligen Vorsitzenden bereits groß gewesen, verrät Lydia Raisig schmunzelnd. „Aber die anderen haben schnell gemerkt, dass wir unsere Arbeit gut machen. Immerhin sind wir ja noch nicht 100.“

Mit 90 gärtnern zwischen Kiwi und Rosenstock

Diese Riesenkürbisse wachsen im Garten des Ehepaares Raisig. Heben können sie sie nicht, sie werden die Früchte zur Ernte „kullern.“

Goldbraune Kiwi

Goldbraune Kiwi, tiefrote Johannisbeeren, duftende Blumen und süße Tomaten wachsen in dem kleinen, versteckten Paradies der Raisigs an der Bogenstraße. Nur die vielen Früchte an ihrem Apfelbaum haben Lydia Raisig in diesem Jahr keine Freude, sondern Sorge bereitet. In Kombination mit der Dürre habe der alte Stamm seine schwere Last nicht mehr tragen können und einer der Äste sei abgebrochen, bedauert sie. „Da habe ich ein bisschen geweint. Aber der Baum hat uns so viel Gutes getan, er soll stehen bleiben so lange er will.“ Nur den toten Ast werde ihr Sohn möglichst bald versägen, den Stamm wollen die Eheleute mit allen Mitteln retten.

50 Rosenstöcke

Trost spenden Lydia und Eduard Raisig ihr Fischteich mit insgesamt zwölf kleinen Bewohnern, ihre gedeihenden Kürbisse sowie ihre 50 Rosenstöcke – auch, wenn viele die Blütezeit bereits hinter sich haben. „Rosen sind meine Lieblingsblumen, da könnte ich alles mit vollpflanzen“, schwärmt Lydia Raisig mit Blick auf ihren Garten. Trockenheit und Hitze machen dem Ehepaar nicht das Geringste aus. Das sei manchmal eben so, es kämen auch wieder bessere Zeiten mit mehr Regen, beruhigt Eduard Raisig. Darüber, wie sie ihre Riesen-Kürbisse ernten wollen, sind sich die zwei auch schon einig: „Heben können wir sie nicht, also werden wir sie kullern.“

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