Sieben Nächte lang war der erste Längsträger von Plauen in Sachsen bis zur Lippebrücke unterwegs. Den direkten Weg konnte der Transport nicht nehmen – auch auf den letzten Kilometern nicht.

Bergkamen

, 19.05.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Montagmorgen in aller Herrgottsfrühe war es da – das erste gewaltige Bauteil für die neue Lippebrücke zwischen Bergkamen und Werne. Sieben Nächte war der 160 Tonnen schwere Längsträger unterwegs, bis er den Weg von Plauen in Sachsen den Weg bis zum Lippeübergang bewältigt hatte. Insgesamt war der Weg rund 1000 Kilometer lang. Der Schwertransport konnte nicht den direkten Weg zwischen dem Ort, an dem der hergestellt worden ist und der Lippe nehmen.

Die letzte Nacht beispielsweise verbrachte der Transport bei Bonn, bevor er nach Rünthe weiterreisen konnte – fernab der direkten Route zwischen Sachsen und Bergkamen.

Der Transport war so schwer, dass er nicht den direkten Weg nehmen konnte.

Der Transport war so schwer, dass er nicht den direkten Weg nehmen konnte. © Stefan Milk

Schwertransport muss viele Umwege nehmen

„Es gibt viele Stellen, die ein solcher Transport nicht passieren kann“, erläutert Markus Feller, der Projektleiter für den Brückenbau bei Straßen NRW in Bochum. Dabei spielt noch nicht einmal die übermäßige Länge eine Rolle, sondern vor allem das hohe Gewicht. Die Routenplaner müssen berücksichtigen, welche Brücken überhaupt tragfähig genug für den Transport sind.

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Dabei kam eine Route heraus, die von Plauen erst einmal nach Bayern führte, von dort nach Baden-Württemberg und dann über die A 3 und die A 1 bis zur Lippeüberquerung. Der riesige Transporter durfte ohnehin nur nachts unterwegs sein, jeweils von 22 bis 6 Uhr, wie Torsten Lucan von der Firma Kahl Schwertransport erläuterte. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Moers. Zuständig für den Transport ist die Niederlassung in Erfurt.

Der Stahlträger traf am Montagmorgen ein und wurde abends auf der Baustelle abgesetzt.

Der Stahlträger traf am Montagmorgen ein und wurde abends auf der Baustelle abgesetzt. © Stefan Milk

Nur maximal Tempo 60 war erlaubt

Der Transport bewegte sich in den sieben Nächten mit maximal 60 Stundenkilometern vorwärts. Das ist nach Lucans Angaben die zulässige Höchstgeschwindigkeit. „Meist sind wir aber nur Tempo 40 gefahren“, sagte er. Ein echtes Hindernis auf der Autobahn: Der Transport benötigt zwei Fahrspuren. Nur bei dreispurigen Autobahnen ist überhaupt überholen möglich. Begleitet wurde er von zwei Begleitfahrzeugen mit gelbem Blinklicht und in NRW auch von der Polizei. Insgesamt begleiteten ihn ständig fünf Mitarbeiter der Spedition. An engen Stellen der Strecke waren es auch bis zu 20.

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Insgesamt muss die Schwerlastspedition sich mit drei der Längsträger auf den Weg machen – insgesamt ein Gewicht von 480 Tonnen. Der nächste bei der Firma Stahlbau Plauen vorgefertigte Träger macht sich in wenigen Tagen auf den Weg. In zwei Wochen sollen alle drei Längsträger auf der Baustelle eingetroffen sein.

Der Kran lud nur einige kleinere Teile ab. Der Längsträger wurde auf Böcke abgelassen, damit er mit Querträgern verschweißt werden kann.

Der Kran lud nur einige kleinere Teile ab. Der Längsträger wurde auf Böcke abgelassen, damit er mit Querträgern verschweißt werden kann. © Michael Dörlemann

Montagetrupp schweißt die Querträger an

Sie werden nach Fellers Angaben zunächst vor einer Montagetruppe der Stahlbaufirma aus Plauen mit jeweils einem halben Querträger auf jeder Seite verschweißt. Wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, sollen sie am Wochenende 4. und 5. Juli von zwei 500-Tonnen-Autokränen auf die dann fertigen behelfsmäßigen Widerlager gehievt werden.

An diesen Tagen wird der Lippeübergang komplett gesperrt. „Anders wäre das nicht möglich“, sagt Projektleiter Feller. Eine Umleitung ist ausgeschildert. Auch die Busse der VKU fahren an diesem Wochenende eine weiträumige Umleitung. Ein Notfallplan mit Feuerwehr und Rettungsdienst ist abgesprochen.

Sobald die Längsträger aufliegen, verschießen die Monteure die Querträger miteinander. Anschließend wird die Fahrbahntafel aufgelegt und alle andere Aufbauten eingebaut.

Wie gewaltig die Dimension des Brückenträgers wird deutlich, als ein Mitarbeiter der Spedition darauf geht.

Wie gewaltig die Dimension des Brückenträgers ist wird deutlich, als ein Mitarbeiter der Spedition darauf geht. © Michael Dörlemann

Brücke soll Ende des Jahres als Umfahrung fertig sein

Feller geht davon aus, dass die neue Brücke Ende des Jahres in Betrieb gehen kann, als Umfahrung für die alte Brücke. Sie soll dann abgerissen und die endgültigen Widerlager für die neue Brücke gebaut werden. Sobald die fertig sind, wird die neue Brücke an die richtige Stelle verschoben.

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Die alte Brücke, die aus der zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg stammt, ist schon recht baufällig. Sie kann nur noch begrenzt Lasten tragen. Deshalb musste der Schwertransport zum Schluss noch einen letzten Umweg nehmen: Er fuhr an der Ausfahrt Hamm-Bockum/Werne ab und dann die letzten acht Kilometer durch Werne.

Den kürzeren Weg über den Ostenhellweg in Rünthe konnte er nicht nehmen: Die Last hätte die alte Lippebrücke nicht mehr tragen können. „Deshalb muss ja eine neue gebaut werden“, sagt Lucan.

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