Miriam Gehrke ist eine Meerschweinchenexpertin. Sie rettet die flauschigen Gesellen und kümmert sich um sie. Eine einfache Aufgabe ist das nicht immer.

27.09.2019, 13:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Miriam Gehrke am Morgen das kleine Zimmer betritt, wird sie mit lautem, aufgeregtem Fiepen empfangen. Ihre Schützlinge haben offenbar großen Hunger. Zehn Meerschweinchen, die Gehrke der Einfachheit halber auch gerne „Schweine“ nennt, sind in einem eigens dafür eingerichteten Zimmer untergebracht. Flauschige, bunte, kleine und größere Tiere erwarten sie jeden Morgen zur ersten Fütterung.

„Das Züchten sollte den Züchtern überlassen werden.“
Meerschweinchenretterin Miriam Gehrke

Gehrke wirft frisch gepflücktes Grünzeug in die Gehege und das fröhliche Knabbern und Mampfen beginnt sogleich. Nur zwei der Tiere gehören Gehrke selbst. Die anderen hat sie bei sich aufgenommen. Drei „Opis“ in einem Gehege bekommen bei ihr ihr Gnadenbrot, anderen hat sie aus ganz unterschiedlichen Gründen Obdach gewährt – zum Beispiel weil sie nicht mit ihren Mitgenossen klarkamen oder die Mitbewohner gestorben sind. „Es sind keine Tiere für Einzelhaltung“, sagt Gehrke.

Dass Gehrke einmal eine Meerschweinchenretterin werden würde, war eigentlich gar nicht geplant. Als ihr Mann vor einigen Jahren für längere Zeit ins Ausland ging, kaufte sich die Oberadenerin Meerschweinchen. „Ich hatte als Kind schon als Meerschweinchen und Kaninchen.“ Nach und nach wuchs die Meerschweinchengemeinde an. „Ich war hilfsbereit und habe quasi die Reste aufgenommen“, sagt sie.

Die Suche nach dem perfekten Partner: Meerschweinchen sind süß, aber charakterstark

Uli ist ein älteres Meerschweinchen. Er gehört zu den „Opis“ in Miriam Gehrkes Bande. © Stefan Milk

Die Suche nach dem perfekten Partner: Meerschweinchen sind süß, aber charakterstark

Hexe ist eine komplizierte Meerschweinchendame, die in Sascha (l.) ihren idealen Partner gefunden hat. © Stefan Milk

Der Verein Notmeerschweinchen nimmt auf, vermittelt und berät

Vor drei Jahren entschied sie sich dann, dem Verein Notmeerschweinchen beizutreten. Seitdem ist sie eine offizielle ehrenamtliche Pflegestelle. Gehrke will vor allem beraten und aufklären, denn der Umgang mit den Meerschweinchen ist alles andere als unkompliziert.

„Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere“, sagt sie. Die kleinen Gesellen sind Fluchttiere, die zudem Platz brauchen. Gehrke hält ihre Schützlinge in mindestens 2 m² großen Gehegen – und vermeidet Käfighaltung. Einmal in der Woche führt sie einen kleinen TÜV durch, bei dem sie die Meerschweinchen genau untersucht und wiegt. „Es sind Beobachtungstiere.“

„Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere.“
Meerschweinchenretterin Miriam Gehrke

Doch die Haltung ist freilich nicht das komplizierteste, denn die Tiere sind „richtig starke kleine Persönlichkeiten“, sagt Gehrke. Zwar sind sie liebevoll und sehr sozial – das aber erst, wenn sie mit dem richtigen Partner bzw. den richtigen Partnerinnen zusammenleben. Die Meerschweinchendame Hexe war ein besonders schwieriger Fall. Sie kam lange Zeit mit keinem anderen „Schwein“ zurecht – bis Gehrke ihr den flauschigen Sascha ins Gehege setzte. „Er hat es geschafft, mit ihr klarzukommen. Bis jetzt haben wir immer eine Lösung gefunden“, sagt die 34-Jährige.

Die Suche nach dem perfekten Partner: Meerschweinchen sind süß, aber charakterstark

Hexe versteckt sich vor der Kamera. © Stefan Milk

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Meerschweinchen brauchen den richtigen Partner

Die Suche nach dem richtigen Partner ist nicht immer einfach. Die Bergkamener Meerschweinchenretterin steht in engem Kontakt zu ihren Vereinskollegen. Sie stehen sich nicht nur beratend zur Seite und nehmen an Schulungen teil, sondern spielen auch Partneragentur für ihre Schützlinge.

Kastraten – so heißen die kastrierten Männchen – sollten nach Möglichkeit mit einem oder mehreren Weibchen gehalten werden. Aber auch eine Männer-WG ist unter gewissen Voraussetzungen möglich.

Tipps im Internet

Meerschweinchenhaltung

  • Miriam Gehrke ist Mitglied im Verein Notmeerschweinchen. Er ist unter der Internetseite www.notmeerschweinchen.de oder bei Facebook zu finden.
  • Der Verein vermittelt Meerschweinchen und steht Tierhaltern beratend zur Seite.
  • Miriam Gehrke aus Bergkamen kann Meerschweinchenhaltern zudem die zwei folgenden Seiten empfehlen:
  • Kontakt zu Miriam Gehrke kann man über den Verein Notmeerschweinchen aufnehmen.

Besonders wichtig ist auch, dass die Männchen schon früh kastriert werden – da sie sehr schnell reif sind. Wiegen sie mehr als 250 Gramm können sie sich schon fortpflanzen – und auch innerhalb von sechs Wochen nach der Kastration noch. „Das Züchten sollte den Züchtern überlassen werden“, sagt Gehrke. Je nach Stammbaum können sonst Missbildungen entstehen.

Für Gehrke sind ihre kleinen Mitbewohner faszinierende Gesellen. „Sie sind sozial, fürsorglich und liebevoll zueinander.“ Manche mögen es auch, gestreichelt zu werden. Und obwohl es keine Kuscheltiere sind, die auf den Arm genommen werden wollen, können durchaus auch Kinder mit ihnen umgehen.

So ist auch Gehrkes vierjähriger Sohn ein Meerschweinchenfan. Er beobachtet und kümmert sich um die Tiere. „Sie können für Kinder eine Bereicherung sein.“

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Herr Kai ist durstig. © Stefan Milk

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