Miniaturzüge rollen durch die Schützenheide

Ausstellung der Eisenbahnfreunde

Aus einer Lok steigt eine Dampfwolke auf. Im Nebenraum spielt eine kleine Eisenbahn Weihnachtslieder: Modellbauer aus ganz Deutschland präsentierten in der Schützenheide ihre Eisenbahnen.

von Alexandra Prokofev

Bergkamen

, 02.12.2018 / Lesedauer: 3 min
Miniaturzüge rollen durch die Schützenheide

Bei der Modelleisenbahn-Ausstellung in der Schützenheide wurden auch Erinnerungen an den Bergbau wach: Dr. Lutz Gerland (r.) und Christian Rabe an einem Modell der Schachtanlage Germania Dortmund-Marten. © Stefan Milk

Es fährt ein: Der schwere Güterzug mit roten Wänden, vorbei an einer märchenhaften Tannen-Landschaft und Bauarbeitern in Miniaturgröße. Modellbauer aus Osnabrück, der Eifel oder aus der Umgebung ließen am Wochenende ihre aufgearbeiteten Modellbahnen in der Schießhalle der Schützenheide rollen.

Martin Krane aus Hildesheim ist einer von ihnen. Eigentlich beschäftigt er sich mit Modellflugzeugen. „Aber im Winter schlägt mein Herz für die Modellbahn“ berichtet Krane, während er gerade eine Lok an kleinen Tannen und Bäumen vorbei steuert. Mit sechs Jahren hat er seine erste Modellbahn bekommen. Heute, 60 Jahre später, trifft er sich regelmäßig mit seiner „Hannover-Truppe“ zum Ausbauen und Testen der Bahnen. „Jeder braucht einen Bereich, in dem er sich wohlfühlt und bei dem man von der Arbeit abschalten kann“, findet Krane.

Miniaturzüge rollen durch die Schützenheide

Die Miniatur-Eisenbahnen faszinieren Erwachsene wie Kinder: Winfried Nowara mit seinen Enkelkindern Lieselotte (8), Oskar (1 1/2) und Fritz (6). © Stefan Milk

Vom Hobby zum Beruf

Ein anderer Aussteller hat sich sein Hobby zum Beruf gemacht. Karlheinz Stümpfl hat sich auf den Figuren-Scan spezialisiert. Mit einem bestimmten Gerät werden Personen oder Objekte eingescannt und dann mit einem 3D-Drucker zu kleinen Figuren gedruckt. Zahlreiche Triebwagen, Familienmitglieder und technische Geräte sind bereits Teil seiner Sammlung. „Ich habe auf einer Baustelle einen Stampfer gesehen, den wollte ich einscannen“, sagt Stümpfl. Und das hat er getan, mitsamt einem Bauarbeiter. Das Bemalen der meist knapp vier Zentimeter großen Figuren dauert etwa zwei Stunden und ist feinste Handarbeit. Auch die Besucher der Ausstellung können sich einscannen lassen und erhalten sich dann einige Tage später als Miniatur per Post.

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Modelleisenbahnausstellung

02.12.2018
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Neben den Ausstellern sind auch Händler auf der Messe. Die Besucher haben eine große Auswahl an Eisenbahnen und Zubehör. „Hier findet man alle Spannweiten, von groß bis klein, das ist interessant, weil ich das zuhause selber mache“, berichtet Besucher Günther Pöppmann aus Hamm. In seinem Einkaufskorb liegen bereits verschiedene Ersatzteile. „Mein Mann ist Eisenbahner“, sagt seine Begleitung Elisabeth Pöppmann. Zum zweiten Mal besucht das Ehepaar die Ausstellung. Erstmals in der neuen Kulisse, in der Schießhalle an der Schützenheide. Auf die Frage, wie Ihm die Ausstellung am neuen Standort gefällt, antwortet Pöppmann schlicht: „Besser“.

Die neue Halle bietet mehr Platz für Eisenbahnen und Loks, Wagen und Streckgelände. In der einen Ecke rollt die 44er Güterzug-Lok vorbei, im Nebenraum montieren zwei Eisenbahnkräne eine Brücke auf der HO-Anlage. Alles digital und mit großer Fingerfertigkeit gesteuert. Eine Modellbahn spielt Weihnachtslieder beim Vorbeirollen, die andere dampft zwischen Miniatur-Tannen und Sträuchern.

Miniaturzüge rollen durch die Schützenheide

Ralf Rühl, Joachim Schneider und Ulrich Goos lassen einen Zug auf einem Spur 1 Gleis fahren © Stefan Milk

Kostspieliges Hobby

Die Ausstellung zieht pro Tag etwa 500 Besucher an, darunter Hobby-Modellbauer und interessierte Familien. „Unser Hobby ist nicht billig, wir leben davon, dass Menschen zu unserer Ausstellung kommen“, sagt Joachim Schneider, Geschäftsführer des Vereins. Erstmals weitet sich die Veranstaltung auch auf den Sonntag aus, dann werden Familien mit einer Tombola begrüßt. Nach zwei Tagen großen Rollens werden die Module für die verschiedenen Eisenbahn-Strecken in speziellen Rahmen transportiert und gestapelt.

Mit der Ausstellung endet aber nicht die Weiterarbeit an den Modellen. Die Ausarbeitung einer über zwei Meter großen, alten Zeche ist laut Schneider bereits in Planung: „Modellbauer dürfen nie fertig werden, der Reiz liegt darin, immer weiterzubauen“.

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