Mehr Komfort und Sicherheit für alle, die in Bergkamen zu Fuß gehen

dzFußverkehrs-Check

Die Situation für Fußgänger soll sich an der Rünther Straße und der Jahnstraße verbessern. Die Bürger haben viele kleine und manche große Mängel ausgemacht. Planer bemühen sich, Lösungen zu finden.

Bergkamen

, 15.11.2019, 15:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich stellt Lara Wohland vom Dortmunder Planungsbüro „Planersocietät“ der Rünther Straße ein recht gutes Zeugnis aus, wenn es um den Fußgängerverkehr geht. Die in den 90er Jahren zur Tempo-30-Zone umgebaute Straße sei für Fußgänger eigentlich recht komfortabel, meint sie. Der Autoverkehr fließt einigermaßen langsam. Es gibt sichere Möglichkeiten, die Straße zu überqueren und sogar den einen oder anderen Platz mit Aufenthaltsqualität an der Straße, urteilt sie. Trotzdem kleben auf dem Abschlussworkshop zum Fußgänger-Check viele gelbe Zettel auf einem Luftbild, dass die Straße und ihre unmittelbare Umgebung zeigt.

Mehr Komfort und Sicherheit für alle, die in Bergkamen zu Fuß gehen

Für den Bereich vor der Sparkasse an der Sugambrerstraße schlagen die Planer eine farbige Aufpflasterung vor, um den Autoverkehr zu bremsen und mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen. © Stefan Milk

Bürger sehen viel Verbesserungsbedarf

Das sind all die Punkte, an denen Bürger trotz des positiven Urteils der Planer Verbesserungsbedarf angemeldet haben. Ein Anwohner hat beispielsweise beklagt, dass der Verbindungsweg zwischen der Martin-Luther- und der Ringstraße völlig unbeleuchtet ist. Der Weg vom Schacht III ist für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator nur schwer passierbar und den größten Ärger machen die Elterntaxis an der Freiherr-von-Ketteler-Grundschule, von denen sich viele Fußgänger bedrängt und gefährdet fühlen.

Mehr Komfort und Sicherheit für alle, die in Bergkamen zu Fuß gehen

Die Einmündung der Sugambrerstraße in die Jahnstraße ist für Fußgänger besonders unübersichtlich und gefährlich. Dort könnte ein Kreisverkehr mit Überwegen Abhilfe schaffen. © Stefan Milk

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Jahnstraße ist noch für Autos und nicht für Fußgänger gebaut

An der Oberadener Jahnstraße ist die Lage noch einmal deutlich anders: Die Straße ist noch eine Landesstraße (L 821) und deshalb auch für den Durchgangsverkehr gedacht. Entsprechend unsicher fühlen sich Fußgänger, die dort unterwegs sind.

Abschluss-Workshop

Nur zehn Kommunen beim Fußverkehrs-Check

Bergkamen ist eine von nur zehn Kommunen in NRW, die am Fußverkehrs-Check teilgenommen haben. Die Initiative dafür ist vom „Zukunftsnetz Mobilität NRW“ ausgegangen. Vor etwa zwei Monaten gab es einen Auftaktworkshop, dann zwei Begehungen mit Bürgern an den beiden ausgewählten Straßen. Den Abschluss bildete jetzt ein weiterer Workshop, auf dem Planer ihre Vorschläge vorstellten und Bürger sich dazu äußern konnten. Die Stadt hofft für die eine oder andere Maßnahme auf eine Landesförderung.

Das sind viele: Vor allem im Abschnitt zwischen der dem Kreisel mit der Erich-Ollenhauer-Straße und der Einmündung Helmstedter Straße befindet sich ein großer Teil des Einzelhandels in dem 12.000-Einwohner-Stadtteil. Oberadener beklagen, dass sie sich kaum trauen, die Straße zu überqueren. Fußgängerüberwege – im Volksmund „Zebrastreifen“ – befinden sich an den falschen Stellen, sind für Autofahrer schlecht zu erkennen. Auf einer Mittelinsel, an der es keinen gekennzeichneten Überweg gibt, fühlen sich Fußgänger inmitten des vorbeirauschenden Verkehrs auch unsicher, wenn sie den halben Weg geschafft haben. Und an der Fußgängerampel am Stadtmuseum ist die Grünphase für alle, die nicht so schnell unterwegs sind, eindeutig zu kurz.

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Auch zum Abschluss-Workshop des Fußverkehrs-Checks waren eine ganze Reihe von Bürgern gekommen. Sie diskutierten die Vorschläge intensiv, die Planerin Lara Wohland erläuterte. © Stefan Milk

„Die neun Sekunden reichen für die breite Fahrbahn nur für jemanden der schnell geht“, urteilt auch Wohland. Bürger berichten, dass der eine oder andere schon kehrt gemacht hat, weil die Ampel während der Überquerung auf „rot“ umsprang.

Mittlerweile hat die Planersocietät eine ganze Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen, um die Situation der Fußgänger zu verbessern. Passend zu den vielen kleinen und großen Mängeln sind es viele einzelne Maßnahmen.

Mehr Komfort und Sicherheit für alle, die in Bergkamen zu Fuß gehen

In Rünthe (Bild) und in Oberaden hatten sich viele Bürger zusammen mit den Planer aufgemacht, um die Situation für Fußgänger an den beiden Hauptstraßen in den Ortsteilen zu erkunden. © Borys Sarad

Mehr Licht und ein besserer Belag

An der Rünther Straße sollen Zuwegungen mit einem besseren Belag versehen, Hindernisse beseitigt und Wege besser beleuchtet werden. Für die Elterntaxis soll es Haltestellen geben, von denen die Kinder die Schule nach wenigen Metern erreichen können. Auf der Jahnstraße schlagen die Planer vor, Einmündungen zu verengen, um den aus- und einbiegenden Verkehr zu bremsen. Es soll neue, mit beleuchteten Schildern versehene Überwege geben und möglicherweise einen teilweise begrünten Mittelstreifen an der Einkaufszone, um den Verkehr zu bremsen.

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Den Zebrastreifen an der Jahnschule möchten die Planer am liebsten ein Stück verlegen, denn er befindet sich unmittelbar vor den Toren des Feuerwehrgerätehauses. „Damit sollten wir uns beeilen“, mahnt Ortsvorsteher Michael Jürgens. Die Schule soll in etwa zwei Jahren abgerissen werden.

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