Martin Bartzik ist mit dem 203. Schuss der neue König des Schützenvereins 1833 Overberge. Das bedeutet für seine Frau, dass sie am nächsten Morgen schon sehr früh aufstehen muss.

Overberge

, 08.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Der Schuss kracht, das letzte Stück des Schützenvogels löst sich aus dem Kugelfang und Martin Bartzik reißt die Arme hoch. Dann folgen noch einige bange Sekunden für ihn. „Da hängt doch noch eine ganze Menge“, sagt einer der Zuschauer. Schießwart Frank Brokmann bemüht das Fernglas, um die Sache zu klären. „Das ist nur noch etwas Papier“, befindet er. Nicht, was noch abgeschossen werden kann. Damit steht fest: Bartzik ist nach 203 Schuss für die nächsten zwei Jahre der König des Schützenvereins 1833 Overberge. Die Schützenbrüder heben ihn auf die Schultern. Gattin Nina, die designierte Schützenkönigin, eilt zu ihm und umarmt ihn glücklich.

Martin Bartzik ist der neue Schützenkönig in Overberge

Beim letzten Schuss hing nur noch ein kümmerlicher Vogelrest im Kugelfang. Martin Bartzik trifft und die Holzsplitter fliegen. © Stefan Milk

Nur der neue König bekennt sich im Vorfeld

Der neue Schützenkönig war auch der einzige, der sich schon vor dem Beginn des Vogelschießens aus der Deckung getraut hatte. Er hat schon den einen oder anderen Schützenbruder angesprochen, ob er und seine Frau sich vorstellen können, in den Hofstaat zu kommen. Andere überlegen sich oft erst während des Schießens, dass sie doch König werden wollen, weiß Kai Pohle, der Pressesprecher des Vereins aus Erfahrung. „Das kann durch die Stimmung schon einmal eine Eigendynamik entfalten“, sagt er.

Martin Bartzik ist der neue Schützenkönig in Overberge

Dann fällt der Vogel. Nur noch ein Papierfetzen blieb hängen. Schießwart Frank Brokmann erklärt das Schießen für beendet. © Stefan Milk

Verein sorgt dafür, dass jeder König werden kann

Für den Schützenkönig und seine Frau ist das neue Amt weniger ein finanzielles als ein zeitliches Problem, sagt Pohle. Die Geschichte, dass man es sich erst einmal leisten können muss, König zu werden, stimmt zumindest bei den Overberger Schützen nicht mehr. „Früher konnten sich nur Geschäftsleute leisten, Schützenkönig zu werden. Das wollten wir nicht mehr. Bei uns soll jedes Mitglied König werden können“, erläutert der Sprecher. Der Verein vergibt an den Sieger des Vogelschießens eine Königsprämie, die einen großen Teil der Kosten deckt. Außerdem gibt es eine freiwillige Vereinbarung, dass der Hofstaat sich an Kosten von Feiern und ähnlichem beteiligt.

Martin Bartzik ist der neue Schützenkönig in Overberge

Anschließend schließt ihn seine Frau Nina glücklich in ihre Arme. © Stefan Milk

Die Regenten müssen genug Zeit für ihre Verpflichtungen haben

Der König und seine Frau sollten vor allem Zeit an den Wochenenden haben, denn das neue Amt bringt viele Verpflichtungen mit: Besuche bei befreundeten Vereinen und die Anwesenheit bei allen Festen, die der eigene Verein feiert.

Dafür hat nicht jeder Zeit und das zeigt sich auch beim Vogelschießen schnell. Die meisten Schützen geben ihren Pflichtschuss ab und schauen dann ganz entspannt zu, wer um die Königswürde schießt.

Martin Bartzik ist der neue Schützenkönig in Overberge

Bestes Wetter für den Marsch, um das Königspaar abzuholen. Der Pfingstsonntag war für die Schützen witterungsmäßig ein Treffer. © Stefan Milk

Familienfest für alle Generationen

Rund um das Festzelt, an den Biertischgarnituren vor dem Getränke- und dem Essenszelt entwickelt sich ohnehin im Laufe des Nachmittags so etwas wie ein entspanntes Familienfest. Junge Paare sitzen neben Familien mit Kindern und Großeltern. Viele sind in Zivil statt Schützenuniform gekommen, genießen einfach, dass die Sonne hin und wieder durch die Wolken bricht und schauen gespannt zu, wer neuer Schützenkönig wird.

Martin Bartzik ist der neue Schützenkönig in Overberge

Auch der bisherige König Andreas I. Schröder schoss mit, umgeben von den Ehrengästen. © Stefan Milk

Nach den Ehrenschüssen fallen die Insignien schnell

Das Vogelschießen beginnt mit den üblichen Ehrenschüssen. Der Vereinsvorsitzende Heinz Riese schießt stellvertretend für den Bundespräsidenten. Gleichzeitig intoniert das Musikkorps der Dortmunder Stadtwerke die Nationalhymne. Es spielt abwechselnd mit dem Lipperoder Spielmannszug. Bei den Ehrenschüssen folgen der Bezirksbeamte Volker Meyer, der schon den Festzug begleitet hat, für das Land NRW, die stellvertretende Bürgermeisterin Monika Wernau für die Stadt - was den Vogel den Schnabel kostet - und Ortsvorsteher Uwe Reichelt für den Ortsteil Overberge. Dann wird es ernst und der Vogel „Cordula Grün“ büßt schnell seine Insignien ein. Heinz-Ulrich Grothaus holt sich mit dem 23. Schuss den Apfel, John Biermann mit dem 33. Schuss das Zepter und Philipp Köhling mit dem 41. Schuss die Krone.

Martin Bartzik ist der neue Schützenkönig in Overberge

Der Lipperoder Spielmannszug 1983 sorgte zusammen mit dem Musikkorps der Dortmunder Stadtwerke für die Musik zum Vogelschießen. © Stefan Milk

Der „Kronprinz“ muss noch etwas zittern

Das ist allerdings ein Umstand, der ihm ein wenig Sorgen macht als es Ernst wird mit dem Schießen um die Königswürde. Derjenige, der die Krone schießt, ist der „Kronprinz“, erklärt Pohle. Wenn der Schütze, der den Vogel abschießt, partout nicht König werden will, dann muss er einspringen. Der eine oder andere seiner Schützenkameraden frotzelt auch schon, bevor er schießt: „Ich mache dich jetzt zum König.“

Als es nach einer Schießpause ab 17.20 Uhr ernst wird und der Vogel bei einigen Schüssen schon wackelt, muss er sich keine Sorgen machen. Martin Bartzik kämpft um die Königswürde. Er will sie unbedingt und bekommt sie auch mit dem 203. Schuss.

Martin Bartzik ist der neue Schützenkönig in Overberge

Eindrucksvolles Bild: Der Umzug der Oveberger Schützen zur Abholung des Königspaares am Pfingstsonntag. © Stefan Milk

Die Frauen aus dem Hofstaat müssen früh aufstehen

Während danach für die meisten Schützen und ihre Gäste der entspannte Teil des Abends beginnt, an dem die Band „Burning Heart“ im voll besetzten Zelt spielt, müssen Nina Bartzik und die anderen Frauen, die in den Hofstaat kommen, sich auf frühes Aufstehen und eine Fahrt nach Menden vorbereiten. Dort hat er Verein bereits im Vorfeld in einem Geschäft einen Termin für die Frauen gemacht, damit sie sich die passenden Kleider kaufen können. Bis 14 Uhr am Sonntag sind sogar notwendige Änderungen an den Kleidern fertig, denn dann treten die Schützen wieder am Festzelt an. Sie holen das neue Königspaar zum Festzug durch den Stadtteil und zur Festparade auf dem Sportplatz ab. Es folgt die Polonaise und der Schützenball im Festzelt - und dabei muss der neue Hofstaat natürlich glänzen.

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