Der Marktplatz Rünthe liegt schon ziemlich lange brach. Inzwischen ist aber Bewegung in die Diskussion über seine Gestaltung gekommen. Möglicherweise fließen demnächst Fördermittel

Bergkamen

, 28.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

An Ideen, was sich mit dem seit langem brachliegenden Marktplatz in Rünthe anfangen ließe, mangelt es nicht. Eher am Geld. Und zwar nicht an möglichen Investitionen für neue Projekte, sondern an Mitteln, um die Altlasten zu beseitigen, die unter der Asphaltfläche an der Kanalstraße liegen. Dort befinden sich die Reste einer Hausmülldeponie.

Sanierungskonzepte schrecken Investoren ab

Die halten auch den aktuellen Besitzer des Marktplatzes davon ab, in sein Eigentum zu investieren. Vor etlichen Jahren hatte die damalige RAG Tochter „Wohnbau Westfalen“ die Fläche von der Stadt gekauft.

Bisher dient die öde Fläche an der Kanalstraße in Bergkamen allenfalls Lastwagen als Stellplatz.

Bisher dient die öde Fläche an der Kanalstraße allenfalls Lastwagen als Stellplatz © Borys Sarad

Seinerzeit schien der Sanierungsaufwand überschaubar, deshalb war eine Wohnbebauung geplant. Dann erhöhte der Kreis Unna die Anforderungen an die Bodensanierung. Zudem ging die „Wohnbau West“ in dem Immobilienunternehmen Vivawest auf. Und das nahm wegen der hohen Kosten Abstand von möglichen Bauunternehmungen an der Kanalstraße.

Am liebsten würde die Vivawest den Marktplatz wohl verkaufen. Wie der städtische Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters berichtet, meldeten sich mindestens zwei konkrete Kaufinteressenten. Doch auch denen war der Sanierungsaufwand zu hoch. Nun gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, Bewegung in die Sache zu bringen. Die Vivawest könnte mit ihren Preisvorstellungen herunter gehen, um doch noch einen privaten Käufer zu finden. Oder der Kreis würde die Bodensanierungsanforderungen herunterschrauben, damit sich ein wirtschaftliches Engagement an der Kanalstraße lohnt.

Womöglich kauft die Stadt die Fläche zurück

Womöglich landet der Marktplatz aber doch wieder beim ursprünglichen Eigentümer - wenn die Stadt ihn von der Vivawest zurückkauft. Das politische Urheberrecht für diese Idee kann der Rünther „Aktionskreis Wohnen und Leben“ für sich beanspruchen.

Der Arbeitskreis „Aktionskreis Wohnen und Leben“ Bergkamen um Karlheinz Röcher hat die Idee ins Spiel gebracht, dass die Stadt den Marktplatz zurückkauft.

Der Arbeitskreis „Aktionskreis Wohnen und Leben“ um Karlheinz Röcher hat die Idee ins Spiel gebracht, dass die Stadt den Marktplatz zurückkauft. © Stefan Milk

Später sprang die SPD auf diesen Zug auf und stellte einen Antrag, der Gespräche zwischen der Vivawest, dem Kreis und der Stadt voranbringen sollte. Falls es nicht zu einer Wohnbebauung kommt, könnte der Marktplatz auch zu einer öffentlichen Grünfläche werden, schlugen die Sozialdemokraten vor.

Inzwischen ist noch ein weiterer potenzieller Akteur im Spiel: Die kommunale Unnaer Kreis-Bau- und Siedlungsgesellschaft (UKBS), zu deren Gesellschaftern die Stadt Bergkamen zählt.

Bei einem Ortstermin vor wenigen Wochen schloss UKBS-Chef Matthias Fischer nicht aus, in den nächsten Jahren ein Projekt mit seniorengerechten Wohnungen auf dem Marktplatz zu errichten. Grundvoraussetzung dafür wäre allerdings zum einen, dass sich UKBS und Vivawest auf einen Kaufpreis einigen und zum anderen, dass die Fläche tatsächlich saniert wird. Und das muss irgendjemand bezahlen und auch die UKBS will vermutlich nicht zu tief in ihre Kasse greifen.

Ein Verband, der Fördermittel zur Verfügung stellt

Aber womöglich gibt es die Chance, öffentliche Fördermittel für den Marktplatz zu bekommen. Solche Mittel vergibt der in Hattingen ansässige Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV). Der öffentlich-rechtliche Verband wurde 1989 gegründet, um den nordrhein-westfälischen Kommunen dabei zu helfen, Altlasten zu beseitigen, deren Verursacher nicht mehr für die Folgekosten herangezogen werden können.

Der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung engagiert sich bei der Sanierung des ehemaligen Kokerei-Geländes in Unna-Massen.

Der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung engagiert sich bei der Sanierung des ehemaligen Kokerei-Geländes in Unna-Massen. © Marcel Drawe

Derzeit engagiert sich der AAV zum Beispiel in Unna-Massen, wo giftige Hinterlassenschaften aus der früheren Kokerei der Zeche Massen III/IV im Erdreich liegen und deshalb der Boden ausgetauscht werden muss.

Auch ein Projekt wie der Rünther Marktplatz käme wohl für eine AAV-Förderung in Frage. Allerdings nur dann, wenn die Vivawest verkauft. Wie AAV-Pressesprecherin Sabine Schidlowski-Boos erläutert, darf ihr Verband nur auf Flächen aktiv werden, die einen kommunalen Eigentümer haben. Das muss nicht unbedingt eine Stadt selbst sein. Auch eine von Kommunen getragene Gesellschaft wie die UKBS käme dafür laut Schidlowski-Boos in Frage.

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Ein mögliches AAV-Engagement könnte also tatsächlich neue Bewegung in die Diskussion um den Rünther Markt bringen. Zumal auch der Bergkamener Kämmerer Marc Alexander Ulrich grundsätzlich bereit ist, sich finanziell zu engagieren. Allerdings nur unter einer Voraussetzung: „Wir müssen da mit plus minus null rauskommen.“

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