Schock nach Typisierungsaktion: Marco Füllenbach braucht gar keine Knochenmarkspende

dzEine Leidensgeschichte

Marco Füllenbach aus Rünthe leidet seit drei Jahren enorm. Eine Knochenmarkspende sollte ihn heilen. Doch die Spende hat er nie erhalten. Seine Leidensgeschichte geht weiter.

Rünthe

, 12.11.2019, 12:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein dickes Fotoalbum voller Urlaubsbilder und Erinnerungen. Nicht nur Eintrittskarten und Flugtickets kleben auf den großen schwarzen Seiten, sondern auch zahlreiche Bilder, auf denen glückliche Menschen zu sehen sind. Auf einem Foto sieht man, wie Marco Füllenbach Jetski fährt, auf einem anderen sitzt er entspannt am Strand. Der Bergkamener ist braun gebrannt und wirkt sorgenlos und glücklich.

Für Marco Füllenbach sind das Bilder aus einem anderen Leben. Einem Leben vor seiner Leidensgeschichte, deren Ende noch nicht in Sicht ist. Sie begann im Sommer 2016 als er Cortisontabletten einnehmen sollte, weil es ihm nicht gut ging. Doch damit wurde es nicht besser, sondern schlimmer: Seine Haut platzte auf und bereitete ihm große Probleme. Wärme verschlimmerte seinen Zustand noch, besonders im Sommer erleidet Füllenbach seitdem große Schmerzen.

Geholfen hat ihm bisher niemand. In den vergangenen drei Jahren lag er in neun verschiedenen Krankenhäusern, hat sich etlichen Untersuchungen unterzogen und unzählige Pillen geschluckt.

Schock nach Typisierungsaktion: Marco Füllenbach braucht gar keine Knochenmarkspende

Bulgarien im Jahr 2000: Marco Füllenbach genießt die Sonne. Er reist gerne und viel. © privat

„Die Hoffnung in Ärzte habe ich aufgegeben“, sagt Füllenbach heute. Immer wieder die gleichen Untersuchungen und Diagnosen zermürben den Bergkamener. Viele Ärzte wollten an ihm nur Geld verdienen. Davon ist er überzeugt. Dass er bald wieder an einem Strand liegen kann, ist seiner Einschätzung nach sehr unwahrscheinlich. Seit drei Jahren war er nicht im Urlaub, die Wärme setzt ihm zu, zerstört seine Haut.

Diagnose MDS schockiert Marko Füllenbach und seine Familie

Was genau mit seinem Körper nicht stimmt, weiß Füllenbach nicht. Fest steht: Es ist nicht MDS. Anfang 2019 erhielt Füllenbach die Diagnose, an dieser schweren Erkrankung des blutbildenden Systems zu leiden. Es ist eine Krankheit, bei der das Knochenmark zu wenig funktionstüchtige Blutzellen bildet. Für Füllenbach und seine Familie war das ein Schock. Sie dachten, dass ihre Zukunft nun davon abhängt, ob ein Stammzellen-Spender gefunden wird.

Schock nach Typisierungsaktion: Marco Füllenbach braucht gar keine Knochenmarkspende

599 Menschen ließen sich im März diesen Jahres als Stammzellenspender registrieren. Eine Woche später stellte sich heraus: Marco Füllenbach (Mitte) hat gar kein MDS. © Borys Sarad

Doch Füllenbach, seine Frau und seine zwei Kinder waren nicht alleine. Der SuS Rünthe, in dem der Sohn Fußball spielt, organisierte im März eine große Typisierungsaktion, bei der sich 599 Menschen als Spender registrieren ließen. Tatsächlich wurde kurz darauf auch ein Spender gefunden – ob bei der Aktion des Rünther Sportvereins ist allerdings nicht klar.

Marco Füllenbach war dankbar. Doch eine Woche später dann die erlösende Nachricht: Im Krankenhaus sagte man ihm nach einer Untersuchung, dass er gar kein MDS habe. Sicher soll das nie gewesen sein. Das Labor habe nur vermutet, dass er die Krankheit habe.

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Doch dann wurde alles schlagartig wieder schlimmer. Man versorgte ihn während dieses Aufenthaltes intravenös mit Thrombozyten – das sind wichtige Blutplättchen, von denen Füllenbachs Körper nicht ausreichend produziert. Das ist schon seit seiner Geburt so und eigentlich nicht dramatisch, doch die Werte haben sich seit 2016 verschlechtert. Also seitdem er die Cortisontabletten verschrieben bekommen hatte.

Die Thrombozyten waren nicht das Problem an der Infusion – sondern das Cortison, dass sich ebenfalls in der Mischung befand. Als Füllenbach das erfuhr, brach er die Infusion sofort ab – aber zu spät. Der Zustand seiner Haut verschlechterte sich wieder dramatisch.

Die Belastung seiner Psyche ist enorm

Bis heute ist es nicht besser geworden. Übt Füllenbach Druck darauf aus, entstehen Wasserblasen, die dann meist nachts aufplatzen und blutige Stellen oder richtige Löcher auf der Haut hinterlassen. „Die Stellen wandern“, sagt Füllenbach. Manchmal sei es besser und sein Gesicht sei kaum betroffen. Aber manchmal hat Füllenbach auch viele blutige Flecken im Gesicht.

Das beeinträchtigt seinen Alltag sehr. Zwar kann er als Baggerfahrer seinen Beruf weiter ausführen – auch wenn er jeden Freitag neue Thrombozyten bekommen muss und hin und wieder ausfällt. Doch in schlimmen Phasen traut Füllenbach sich nicht mehr aus dem Haus. „Im Kaufland sind schon Leute mit dem Einkaufswagen vor die Regale gefahren. Man kann ja gucken, das mache ich auch. Aber nicht starren“, sagt er.

Schock nach Typisierungsaktion: Marco Füllenbach braucht gar keine Knochenmarkspende

Marco Füllenbach hoffte im März mit seiner Frau Myriam sowie seinen Kindern Jil und Luc, dass ein Stammzellenspender für ihn gefunden wird. Dass er gar nicht an MDS erkrankt ist, war der Familie da nicht klar. © Daniel Magalski

Sein Leben ist nicht mehr das alte. Er kann nicht mehr an Autos herumschrauben, was er vor 2016 gerne getan hat, er kann nicht an seiner Garage weiterarbeiten, die er angefangen hatte zu bauen; er traut sich nicht mehr in den Urlaub. „Es ist schlimm. Es geht auf die Psyche und auf die Seele.“

„Es ist schlimm. Es geht auf die Psyche und auf die Seele.“
Marko Füllenbach

Der Familienvater leidet und verliert die Hoffnung. Er soll nun ein neues Medikament ausprobieren, das eine neue Ärztin verschrieben hat. Man vermutet, dass er eine UV-Krankheit hat. Doch Füllenbach ist skeptisch. „Ich glaube, dass mein Körper gegen irgendetwas ankämpft. Aber ich weiß nicht, was.“

Er sagt, dass er die Hoffnung aufgegeben hat. Doch wenn man sieht, wie er in dem alten Bulgarien-Fotoalbum blättert, dann merkt man, dass zumindest noch ein Fünkchen da ist. „Ich hoffe, dass es besser wird, wenn das Cortison aus meinem Körper raus ist“, sagt Füllenbach. Nachdem er die Tabletten vor drei Jahren das erste Mal eingenommen hatte, verbesserte sein Zustand sich nach eineinhalb Jahren etwas. Die Infusion im März diesen Jahres machte das wieder zunichte.

Doch im nächsten Jahr könnte es wieder bergauf gehen, wenn das Cortison sich langsam abbaut. Und vielleicht wird Füllenbach auch irgendwann wieder in den Urlaub fahren können. In die Sonne.

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