Das Neuseelandhaus in Bergkamen hat große Pläne. Bald soll der Manuka-Honig, den die Firma vertreibt, in Apotheken und Lebensmittelgeschäften im Regal stehen. Aber das ist längst noch nicht alles.

Bergkamen

, 26.11.2019, 13:08 Uhr / Lesedauer: 3 min

Reinhard Kuhfuß kann sich nicht daran erinnern, in den letzten Jahren ernsthaft krank gewesen zu sein. „Höchstens ein Anflug einer Erkältung“. Der 66-Jährige trinkt jeden Morgen eine Tasse Tee mit einem Löffel Manuka-Honig aus Neuseeland, außerdem nimmt er täglich Propolis-Kapseln. Propolis ist ein Stoff, der von Bienen hergestellt wird und das Immunsystem stärken soll.

Kuhfuß schwört auf die Wirkung dieser Bienenprodukte. Und da ist er längst nicht der einzige. Der Geschäftsführer und Gründer der Bergkamener Firma Neuseelandhaus ist zufrieden mit dem Verkauf von Manuka Honig. „Die Jahresumsätze sind seit der Übernahme zwischen 15 und 20 Prozent gewachsen“, sagt Kuhfuß.

Ende 2018 hat Kuhuß seine Anteile an ein neuseeländisches Unternehmen verkauft, das diese wiederum fast zeitgleich an eine malaysische Gruppe verkauft hat. Sie ist auch heute noch im Besitz des Kapitals, Kuhfuß ist aber Geschäftsführer geblieben, auch die Immobilien in Bergkamen gehören ihm.

Dass er die Firma verkauft hat, war für ihn die richtige Entscheidung: Das Neuseelandhaus ist seitdem auf Wachstumskurs. „Die natürlichen Sorgen der Mitarbeiter haben sich zerschlagen“, sagt Kuhfuß. Trotz Distanz zum Lieferanten in Neuseeland sei der Kontakt freundlich und die Zusammenarbeit konstruktiv. Trotz Wachstum sei kein Druck zu spüren – eher im Gegenteil.

Dank Brexit: Bergkamener Firma beliefert bald ganz Europa mit heilendem Manuka-Honig

Patrick Hentschel ist Fachkraft für Lagerlogistik und betreut den Ein- und Ausgang der Waren. Das Neuseelandhaus vertreibt nicht nur Honig der Marke „Manuka Health“, sondern auch eine Eigenmarke. © Stefan Milk

Seit der Umstellung sind sechs neue Mitarbeiter hinzugekommen, derzeit arbeiten 32 Mitarbeiter in dem Unternehmen, das Kuhfuß im Jahr 1996 alleine gegründet hat. Unter anderem wurden ein Vertriebschef und eine Marketingchefin eingestellt. „Am Anfang war nichts. Man macht alles selber“, sagt Kuhfuß. Dass die Abteilungen seit der Umstellung selbstständig arbeiten und „neue gute Leute“ mit im Boot sind, entlastet ihn. Seit der Umstellung zeigt das Unternehmen auch Markenbewusstsein. Neue Fassaden mit der Aufschrift „Manuka Health“, dem Namen der Honigmarke, prangt an den Gebäuden am Schlagbaum.

Europäisches Zentrallager kommt wohl nach Bergkamen

Die Firma ist gewappnet für weiteres Wachstum – und das wird wohl auch kommen. Wegen der Unsicherheiten durch die Brexit-Verhandlungen wird das Zentrallager für Europa, das noch in Großbritannien sitzt, aufs Festland geholt – erst in die Niederlande und dann wohl nach Bergkamen.

Doch nicht nur die Produkte gehen dann von Bergkamen aus in die europäischen Länder. Auch die Beratung werde womöglich bald vom Neuseelandhaus gesteuert. Derzeit rufen die Händler in Neuseeland an, um sich zum Beispiel über Produkte zu informieren. Das könnten laut Kuhfuß in den nächsten ein bis zwei Jahren Servicekräfte in Bergkamen machen.

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Platz genug, um das Zentrallager in Bergkamen unterzubringen, hat Kuhfuß jedenfalls. Die Lagerhallen sind groß und wurden erst kürzlich mit neuen Regalen bestückt. Abgesehen davon ist das Honig-Kontigent ohnehin begrenzt. Es gebe eher Platzprobleme im Bürobereich. „Wir haben keinen freien Schreibtisch“, so Kuhfuß. Möglicherweise werde er am Bürotrakt anbauen.

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In dem Neuseelandhaus an der Werner Straße begann Reinhard Kuhfuß im Jahr 1996 mit dem Verkauf von Produkten aus Neuseeland. Dort kann man auch heute noch Wein und Lebensmittel und weitere Produkte aus Neuseeland kaufen. © Stefan Milk

Honig bald auch in Apotheken und Lebensmittelgeschäften

In den jetzigen Büros wird jedenfalls emsig gearbeitet und an Konzepten getüftelt. Bald soll der Honig aus dem Neuseelandhaus auch in den Apothekenregalen stehen. Dazu musste ein Vertriebspartner gefunden werden, der bereits in den Apotheken präsent ist. Doch das ist längst nicht das einzige Ziel des Bergkamener Unternehmens.

Sobald der Honig in den Apotheken-Regalen steht, soll auch der Lebensmitteleinzelhandel erobert werden. Bisher gibt es den Honig nur in Drogerien, Reformhäusern, auf Bestellung in Apotheken und natürlich im Neuseelandhaus in Bergkamen an der Werner Straße 191, aus dem das Unternehmen hervorgegangen ist. Auch unter www.neuseeland-haus.de kann man die Produkte aus Neuseeland erhalten. Das Neuseelandhaus bietet nicht nur Honig an, sondern auch Kosmetikprodukte, Lebensmittel und mehr. Nächstes Jahr kommen zudem neue Produkte auf den Markt – zum Beispiel eine Wund-Heil-Salbe.

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Die Pläne stehen und das Neuseelandhaus wird weiter wachsen – auch ohne Reinhard Kuhfuß. Der wird sich nach seinem Ausstieg Ende 2020 mit seiner Frau Zeit für Reisen und Spaziergänge nehmen, sich aber weiter um die Verwaltung der Immobilien kümmern. „Müßiggang liegt mir nicht“.

Fit genug ist Kuhfuß jedenfalls – möglicherweise dank des täglichen Löffel Honigs und Propolis. Jene Kapseln bekommen übrigens auch seine betagten Hunde, gut versteckt in einer Portion Leberwurst. Und das scheint zu wirken: „Der 13-jährige Labrador erlebt gerade seinen zweiten Frühling.“

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