Mann hilft einem Kind - und landet wegen Beleidigung vor Gericht

dzGericht

Ein Mann hilft einem Kind, das von einem älterem Jungen geschlagen wird. Dummerweise rutschen ihm dabei böse Wörter heraus. Das führt ihn schließlich auf die Anklagebank im Gericht.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 15.11.2019, 15:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass er auf der Anklagebank des Amtsgerichts Kamen saß, konnte ein Mann aus Bergkamen am Freitag ganz und gar nicht verstehen. Schließlich habe er doch nur einem Achtjährigen geholfen, erklärte er. Der war am 21. Februar vor der Pfalzschule in Weddinghofen von einem Zehnjährigen zweimal auf den Kopf geschlagen worden.

Die Anklage lautet auf Beleidigung

Der Angeklagte, selbst mehrfacher Vater, sagte, er habe das gesehen und den älteren Jungen zur Rede stellen und ins Schulsekretariat bringen wollen. Dagegen habe sich der Schüler heftig gewehrt, weshalb dem Bergkamener „Scheiß Kind“ herausgerutscht sei. Die Äußerung blieb nicht folgenlos für den 30-Jährigen. Zu seinem Entsetzen flatterte ihm einige Zeit nach dem Vorfall eine Ladung fürs Gericht ins Haus. Der Vorwurf: Beleidigung. Und so saß er nun im Amtsgericht Kamen und verstand die Welt nicht mehr: „Ich wollte nur helfen. Das ist nicht fair. Helfen muss man doch, wenn man etwas sieht.“

Die Schüler widersprechen einander

Aus den Akten ergab sich, dass der Zehnjährige der Polizei gegenüber abgestritten hatte, dem anderen etwas getan zu haben. Der Achtjährige hatte hingegen berichtet, der ältere Schüler würde ihn regelmäßig schlagen und treten. Auch, wenn es sich bei dem Verhalten des Angeklagten tatsächlich um den Straftatbestand der Beleidigung handelte und er das nicht hätte sagen dürfen, zeigte der Richter ein gewisses Verständnis für den Mann.

Die Staatsanwältin beharrt auf einem Urteil

Er schlug deshalb eine Einstellung des Verfahrens vor. Dem hätte die Staatsanwaltschaft jedoch zustimmen müssen, was sie nicht tat. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft bestand mit Blick auf fünf Vorstrafen, unter anderem wegen Beleidigung, auf ein Urteil. Der Richter kam dem nach, erklärte den Bergkamener der Beleidigung für schuldig, verwarnte ihn und erließ einen Geldstrafe in Höhe von 200 Euro unter Vorbehalt. Heißt: Lässt sich der Hartz-IV-Empfänger innerhalb eines Jahres nichts mehr zu Schulden kommen, muss er die Strafe nicht bezahlen.

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