Mann fährt jahrelang ohne Führerschein und wird vor Gericht vom Richter überlistet

dzAmtsgericht

Wenn man vor Gericht aussagt, sollte man sicher sein, dass das eigene Lügengerüst nicht mit einer kurzen richterlichen Recherche einstürzt. Für einen Mann, der in Bergkamen geblitzt wurde, wird diese Lehre teuer.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 02.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dem Angeklagten im Amtsgericht Kamen war das Entsetzen über die Entscheidung des Richters deutlich anzusehen. Kein Wunder: Statt 900 Euro aus einem Strafbefehl, muss er nun 3000 Euro Strafe wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zahlen.

Am 15. September vergangenen Jahres war der Mann aus Lünen auf der A2 Bergkamener Stadtgebiet mit 86 statt der erlaubten 60 km/h geblitzt worden. Das Straßenverkehrsamt stellte fest, dass er gar keine Fahrerlaubnis hat. Es folgte eine Anzeige und oben genannter Strafbefehl.

Dagegen legte der 29-Jährige allerdings mit der Begründung, nichts von der Entziehung der Erlaubnis gewusst zu haben, Einspruch ein. Es kam zur Verhandlung im Amtsgericht.

Richter recherchiert schon vor dem Prozess und überlistet Angeklagten

Der Richter hakte im Vorfeld des Prozesses beim Straßenverkehrsamt nach und erfuhr Interessantes. Doch bevor er seine Kenntnis Preis gab, ließ er den Angeklagten zu Wort kommen. Der gab zu, gefahren zu sein. Aber, dass er das nicht durfte, habe er nicht gewusst. 2010 habe er seine Fahrerlaubnis einmal verloren, sie aber 2011 zurückbekommen.

Nun war die Stunde des Richters gekommen. „Sie hoffen, dass ich das glaube?“, wandte er sich an den Lünener. Dann forderte er die Herausgabe des Führerscheins des 29-Jährigen. „Den werde ich Ihnen nicht wiedergeben“, stellte der Vorsitzende klar. Er hatte nämlich herausbekommen, dass dem Angeklagten 2011 die Fahrerlaubnis entzogen worden und das dem Angeklagten auch mitgeteilt worden war.

2012 war der Lünener dann wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden und hatte die Geldstrafe auch bezahlt. Ein Jahr später hatte es zwischen dem Angeklagten und dem Straßenverkehrsamt einen regen Briefkontakt gegeben, in dem der 29-Jährige mehrfach darum gebeten hatte, die Entziehungsverfügung gegen ihn aufzuheben – ohne Erfolg.

„Dann sind Sie die nächsten Jahre schön weitergefahren“

„Dann haben Sie sich nicht mehr gemeldet und sind die nächsten Jahre schön weiter gefahren“, hielt der Richter dem Mann vor. Kurzum: Den Führerschein hätte der Angeklagte 2011 abgeben müssen. Er habe also genau gewusst, dass er nicht mehr hätte fahren dürfen.

„Damit hätte ich nicht gerechnet“, zeigte sich der Angeklagte am Schluss fassungslos. Spätestens bei der Verkündung des Urteils mit der Geldstrafe von 3000 Euro und der Sperre zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis von einem Jahr und sechs Monaten, sowie der sofortigen Einziehung seines Führerscheins wurde dem 29-Jährigen bewusst, dass die Einlegung des Einspruchs gegen den Strafbefehl ein großer Fehler war.

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