Manchmal liegt einfach zu viel Grabschmuck auf dem Grab

dzFriedhofskultur

Die Friedhofs- und Bestattungskultur wandelt sich. Das bringt auch neue Probleme mit sich. Etwa bei den pflegefreien Gräbern. Die sind nicht immer pflegefrei - zumindest nicht für die Friedhofseigner.

Bergkamen

, 14.11.2019, 14:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Friedhof in Oberaden wird 2020 100 Jahre alt. Auf der Gräberfläche, die der Martin-Luther-Kirchengemeinde gehört, lässt sich der Wandel der Bestattungssitten gut beobachten – und auch die Probleme, die sich daraus ergeben. Zum Beispiel, was die Grabdekoration betrifft. Damit übertreibt es der eine oder andere Friedhofsnutzer, berichtet Artur Gallas aus dem Friedhofsausschuss der Gemeinde.

Eine Stele mit Teddy ist nicht akzeptabel

Dabei geht es nicht unbedingt um Geschmacksfragen. Zwar kennt auch ein evangelischer Friedhof in dieser Hinsicht seine Grenzen. Aber die werden eher selten überschritten: „Einmal mussten wir einen Nutzer bitten, eine Stele mit einem auffälligen Teddy-Bär zu entfernen“, berichtet Gallas. Ansonsten lässt die Gemeinde durchaus Toleranz walten lässt, was den Grabschmuck betrifft.

Es sei denn, es geht um den Ruhegarten, den sie 2013 eingeweiht hat. Der Friedhofsausschuss will bald einige Grabnutzer anschreiben und sie bitten, zumindest einen Teil der Grab-Beigaben zu entfernen. Aber nicht etwa aus ästhetischen Gründen, sondern der schieren Menge wegen.

Manchmal liegt einfach zu viel Grabschmuck auf dem Grab

Grabschmuck ist auf dem Friedhof in Oberaden natürlich zulässig. Die Beschränkungen gelten vor allem für den Ruhegarten mit seinen pflegefreien Gräbern. © Stefan Milk

Die Gräber in dem Ruhegarten sind allesamt pflegefrei. Das bedeutet einerseits, dass die Angehörigen der Verstorbenen sich nicht kümmern müssen. Allerdings sollten sie die Gräber dann auch nicht so zustellen, dass andere Friedhofsbesucher dadurch eingeschränkt werden. „Das wird einfach zu viel“, sagt Gallas.

Probleme auch auf dem Friedhof Overberge

Auch die Friedenskirchengemeinde, der der Friedhof in Overberge gehört, kennt diese Schwierigkeiten. „Die Leute nehmen pflegefreie Gräber, weil sie günstiger sind“, sagt der Vorsitzende des Friedhofausschusses, Pfarrer Frank Hielscher. Aber dann werden die Grabstätten doch vollgestellt.

Manchmal liegt einfach zu viel Grabschmuck auf dem Grab

Auf dem Friedhof Overberge gibt es teilanonyme Gräber © Stefan Milk

Ähnlich sieht es bei den teilanonymen Gräbern in Overberge aus. Die Verstorbenen liegen unter einer Rasenfläche, die Tafeln mit ihren Namen hängen an einer Wand oder einer Stele. Und dort legen Angehörige und Freunde Blumen oder Schalen ab: „Das führt dann dazu, dass andere Friedhofsbesucher sich beschweren“, sagt Hielscher. „Wir haben auch schon Schilder aufgestellt“, sagt der Pfarrer. Mit mäßigem Erfolg.

Friedhofsgärtner muss auch im Winter mähen

Davon kann auch Gallas von der Luther-Gemeinde ein Lied singen. Anonyme Gräber gibt es auf deren Friedhöfen in Oberaden und Rünthe zwar nicht. Aber einfache Rasengräber. Die heißen so, weil an die Verstorbene lediglich eine in den Rasen eingelassene Platte erinnert. „Wenn da zuviel draufsteht, bekommt der Friedhofsgärtner Schwierigkeiten beim Mähen“, sagt Gallas. In der kalten Jahreszeit und gerade im November mit seinen vielen Gedenktagen aber die Gemeinde da bisher nichts dagegen unternommen.

Manchmal liegt einfach zu viel Grabschmuck auf dem Grab

Besonders um diese Jahreszeit stellen Angehörige oft viel Grabschmuck auf die Gräber. © Stefan Milk

Allerdings spürt man den Klimawandel auch auf dem Friedhof: Weil es zuletzt auch im Herbst und Winter oft recht mild war, muss der Gärtner auch in dieser Phase den Rasenmäher aus dem Schuppen holen. Deshalb wollen Gallas und die anderen Mitglieder des Friedhofsausschusses noch den bevorstehenden Totensonntag abwarten und dann die Eigener der unaufgeräumten Gräber anschreiben.

Manchmal liegt einfach zu viel Grabschmuck auf dem Grab

Gegen solche Figuren auf den Gräbern haben die Gemeinden nichts einzuwenden. © Stefan Milk

Post vom Friedhofsausschuss bekommen aber unter Umständen auch diejenigen, die sich sich für ein ganz traditionelles Grab entschieden haben. Nämlich dann, wenn sie sich nicht um die Pflege kümmern. Falls ein Grab zu sehr verwildert gibt es aber eine Lösung, sagt Gallas: „Dann räumen wir es ab und säen es neu ein - mit pflegefreie Pflanzen.“

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